Flensburg : Auferstanden aus einer Bauruine

Der Beirat des Bürgerfonds: (v.l.) Ralf Bauer, Susanne Kühn und Albert Albertsen. Foto: Dewanger
Der Beirat des Bürgerfonds: (v.l.) Ralf Bauer, Susanne Kühn und Albert Albertsen. Foto: Dewanger

Sie wurde zum Opfer der strafrechtlich verfolgten Firma "Partner Massivhaus Nord": Familie Klein aus Flensburg stand vor den Trümmern ihrer Existenz. Nun wird ihr Hausbau vollendet.

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27. Dezember 2011, 07:12 Uhr

Flensburg | Weihnachten 2010 war für die Kleins das denkbar kälteste Fest. Innen und außen. Vor einem Jahr stand die vierköpfige junge Familie im Neubaugebiet Hochfeld vor den Trümmern ihrer Existenz. Vor einem Haus des Bau-Discounters Partner Massivhaus Nord, Typ "Family", das die Bauträgerfirma für sensationell günstige 102.000 Euro schlüsselfertig zu bauen versprach. Doch der Traum vom Eigenheim war im Rohbaustadium eingefroren und nie vollendet worden, obwohl - und das war das Unglück der Bauherren - durch kräftige Mithilfe ihres Baugeldverwalters schon 96.000 Euro voraus gezahlt worden waren. Ein Jahr danach stehen Sengül und Andreas Klein vor einem kleinen Wunder. An der Maria-Christina-Lorck-Straße 12 wird wieder gebaut.
Sie werden auch diese Weihnacht in größter Enge und auf gepackten Kartons verbringen. Aber sie blicken wieder nach vorn. "Im nächsten Frühjahr", versprach ihnen Kreishandwerkermeister Albert Albertsen, "wird der Einzug gefeiert!" Und das sind nicht die hohlen Worte, die Andreas Klein von seinen mittlerweile insolventen und strafrechtlich verfolgten Massivhaus-Partnern hören musste. Auf dem Hochfeld werden Nägel mit Köpfen gemacht. In einer beispiellosen Aktion unter Federführung der Flensburger Kreishandwerkerschaft wird aus der Bauruine tatsächlich der Traum vom kleinen Glück.
Die Heizung läuft, Strom ist gelegt - und es geht weiter
Das sah nicht immer so aus. Der vom sh:z im März aufgerollte Fall Partner Massivhaus Nord zog die vierköpfige Familie in eine Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen. In der Folge standen die Boulevard-Formate des deutschen Privatfernsehens bei Kleins Rechtsanwalt Dietrich Schenke Schlange, um mit dem bodenlosen Pech der Häuslebauer Quote zu machen. Stets war auch von einem geldwerten Betrag die Rede, der den Kleins hätte helfen können, das Haus mit soliden Partnern fertig zu stellen. Doch nach der Quote zog die Medienkarawane weiter. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Kleins, die neben dem Baudarlehen die Miete für ihre Unterkunft aufbringen müssen, waren ausgereizt. Im Sommer drohte die Privatinsolvenz. "Wir sind am Ende", meinte ein verzweifelter Andreas Klein.
Doch es war nicht das Ende. Nachdem die Investitionsbank signalisiert hatte, das Baudarlehen aufzustocken, griff Petra Schenkluhn, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft alte Überlegungen wieder auf, den über Gebühr gebeutelten Massivhaus-Opfern (acht weitere Geschädigte waren mit einem blauen Auge davongekommen) doch noch zu ihrem Haus zu verhelfen. Auf einer Bauherren-Besprechung in der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft Anfang Dezember wurde ein Zeichen gesetzt. Handwerk zum Eigenlohn, Sonderrabatte des Großhandels, Eigenleistung des Bauherren - so wurde aus den gutachterlich errechneten Restbaukosten von 75.000 Euro eine Größe, die das Budget der vierköpfigen Familie hergibt. Ein Bauherr mit Glückstränen, seine strahlende Frau und keine leeren Versprechungen: "Das machen meine Jungs!"; "Das bekommen wir hin"; "Wird noch vor Weihnachten erledigt": Kein Zweifel - die dunkle Jahreszeit 2011 ist für Sengül und Andreas Klein deutlich heller als die dunkle Jahreszeit 2010.
Andreas Klein, der in diesem Jahr vor laufenden Kameras für seine Familie so oft hatte die Hosen herunter lassen müssen, nahm aus dieser denkwürdigen Besprechung noch etwas Aufbauendes mit nach Hause. "Es hat uns sehr betroffen gemacht, was Partner Massivhaus am Markt getrieben hat", sagte ihm Albert Albertsen, der Kreishandwerksmeister. "Das kann uns nicht Recht sein, das sind nicht wir!" Für Albertsen und seine Innungsmeister ist die Bauruine an der Maria-Christina- Lorck-Straße 12 ein mahnendes Beispiel für die mangelhafte Tragfähigkeit verdächtig billiger Angebote. Bedingung für den Einstieg des Handwerks war Kleins Verzicht auf Gewährleistungspflichten - die festgestellte Bauqualität zeigt, warum das nötig war. Wegen mangelhafter Befestigung der Pfannen mussten bereits das Dach komplett neu gedeckt, sämtliche Außenfenster und Türen neu eingebaut werden. Seither geht es mit dem "Mahnmal" voran. Die Heizung läuft, Strom ist gelegt - und es geht weiter. Albertsen: "Sie bekommen vernünftige Arbeit. Wir alle wollen Sie einziehen sehen!"

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