Kommentar : Auf Profilsuche

Auf den neuen Spitzenkandidaten der Landes-CDU wartet viel Arbeit und eine Tandemfahrt nicht ohne Risiko, glaubt unser Redaktionsmitglied Peter Höver.

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07. Mai 2011, 08:39 Uhr

Natürlich haben Sie ihn gewählt, die Delegierten des CDU-Parteitags. Christian von Boetticher soll der Union im Norden am 6. Mai kommenden Jahres die Macht erhalten. Dann wählt Schleswig-Holstein einen neuen Landtag. Partei- und Fraktionsvorsitzender war von Boetticher schon. Jetzt ist er also auch Spitzenkandidat. Das Ergebnis seiner Wahl: Nicht wirklich berauschend, aber sehr ordentlich, vor allem jedoch nicht überraschend. Schleswig-Holsteins Christdemokraten und eine Revolte gegen das eigene Spitzenpersonal - das käme einem politischen Sakrileg gleich.

Das Ergebnis für den Doktor der Juristerei passt zu Boettichers bisherigem Auftritt. Aufgefallen ist der Hüne aus dem Hamburger Umland bisher eher durch seine Körpergröße als durch politische Kreativität. Akzente, die er gesetzt hätte und die in Erinnerung bleiben müssten: Fehlanzeige. Gut, er hat die Fraktion zusammengehalten, als es darum ging, den ambitionierten Sparetat der Koalition mit der dürren Ein-Stimmen-Mehrheit über die Hürden zu hieven. Doch der Kandidat, der gemessen an seinem Lebensalter über reichlich Erfahrung in Parlament und Regierung verfügt - er wirkt zuweilen wie einer, der nicht wirklich weiß, was er mit seiner Macht anfangen soll. Als Führungsfigur der nordelbischen Christenunion ist er bisher kaum in Erscheinung getreten. Das unterscheidet ihn im Übrigen nicht im Geringsten von seinem Vorgänger als Parteichef, Peter Harry Carstensen. Von Boetticher wird kräftig ackern müssen, um dieses Bild zu korrigieren. Wo beispielsweise ist der Spitzenpolitiker im Norden, der den Menschen Sinn und vor allem Ziel der auf Jahre hinaus noch nötigen Sparoperationen erklärt?

Auf dem "Tandem" mit Ministerpräsident Carstensen wird er nun in den Wahlkampf starten. Das ist nicht ohne Risiken. Ob ihm die Profilierung in Carstensens langem Schatten gelingt, das bleibt abzuwarten. An Rücktritt denkt der "Alte" nicht. Carstensen wird bis zum Ende der Legislaturperiode bleiben. Das hat er gestern unmissverständlich klar gemacht.

Natürlich weiß von Boetticher, dass sein Wahlziel von 40 Prozent ein höchst ehrgeiziges ist. Das eint ihn mit seinem Konkurrenten Torsten Albig von der SPD. Ob es für die Union am Ende zur Neuauflage mit der schwindsüchtigen FDP reicht, ist fraglich. Ausgeschlossen ist aus heutiger Sicht ohnehin rein gar nichts, wenn es um die nächste Regierung geht. Das gilt für eine Neuauflage der einst krachend gescheiterten großen Koalition wie für fast alle anderen politischen Farblehren.

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