Auch Tiere wollen gut ins neue Jahr

Dr. Pasquale Piturru mit Patient Bruno, der  unter einer hochgradigen Silvesterphobie leidet.  Foto: en
Dr. Pasquale Piturru mit Patient Bruno, der unter einer hochgradigen Silvesterphobie leidet. Foto: en

Hund und Katze leiden unter Feuerwerk

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27. Dezember 2011, 07:28 Uhr

pinneberg | Dr. Pasquale Piturru macht sich Sorgen. Er macht sie sich jedes Jahr. Jedes Jahr zur gleichen Zeit - immer zu Silvester. Ab Donnerstag gehen in Deutschlands Einkaufsmärkten Silvesterböller in den Verkauf.

Auf Piturrus Visitenkarte steht "Fachtierarzt für Verhaltenskunde". Tiere, die Angst vor der lauten Knallerei und den leuchtenden Farben der Raketen haben, sind das Steckenpferd des Pinnebergers. "Viele Haustiere, wie Hunde und Katzen leiden bis zum 2. oder 3. Januar große Qualen", sagt Piturru.

So lang wird in der Regel in deutschen Städten noch geknallt. Katzen zum Beispiel ziehen sich dann oft zurück. Die Besitzer würden oft gar nicht mitbekommen, wie sehr sie zu dieser Zeit leiden. Nicht nur die Geräuschkulissen seien eine große Belastung für die Tiere. "An die Lautstärke selbst können sich die Hunde sogar leichter gewöhnen." Der Geruch des Feuerwerks, der in der Luft liegt, sei ebenfalls eine Quälerei für die Vierbeiner. Hunde benutzen ihre Nase, wie der Mensch die Augen. Die Schleimhäute der Hunde, mit ihren 100 bis 150 Millionen Geruchszellen reagieren mit Reizungen auf den Schwefel, der nach den Feuerwerken zurückbleibt. Die Vierbeiner haben ein Geruchsgedächnis. Wenn sie den Schwefel in der Nase haben, denken sie auch an die Knallerei und die Lichtblitze.

"Die große Schwierigkeit an Silvester ist, dass die Umstände nur schwer trainiert werden können. Das gesamte Paket aus Lautstärke, der lichtstarken Kulisse und vor allem Geruch kommt nur einmal im Jahr vor", sagt der gebürtige Italiener. Zu selten sei das, dass sich ein Tier an die Umstände gewöhnen kann. Laut Piturru gibt es mehrere Möglichkeiten, Hund und Katze auf die stressigen Tage um dem Neujahrstag herum vorzubereiten.

In Schleswig-Holstein gibt es laut Piturru nur zwei Fachtierärzte, die sich auf die Verhaltenskunde von Tieren spezialisiert haben. Piturru studierte Tiermedizin in Hannover, seit 1998 hat er seine Praxis in Pinneberg. Er weiß, dass was für die Katze gilt, um die Tage mit den Lichtblitzen und lauten Böllernerträglicher zu machen, muss für den Hund schon nicht anwendbar sein. "Weil sie anders denken", sagt Piturru. Während Hunde sich stark an ihr Herrchen orientieren und auf Signale reagieren, sind Katzen selbstständiger. Dem Hund sollte man vormachen, dass alles so ist, wie immer. Gejaule und Unruhe sollte möglichst ignoriert werden. Katze dagegen würden ohnehin nicht so sehr auf die Sprache des Menschen achten. Sie freue sich lediglich, dass sie in ihrer Angst nicht alleine ist.

Bei beiden Tieren kann jedoch ein Pheromon hilfreich sein. Ein Duft, der für den Menschen nicht zu riechen ist, unterstützt die Tiere, sich sicherer fühlen. "Damit kann man helfen", sagt Piturru. Die Düfte entsprechen den Gerüchen, die die Tiere frei setzen, wenn sie sich glücklich und sicher fühlen. Hunde könne man zusätzlich vor Silvester mit einer aus einem Milchprotein bestehenden Tablette zur Beruhigung verhelfen. Skeptisch ist Piturru gegenüber Pillen, die den Hund müde machen, er aber dennoch den Geräuschen ausgesetzt ist. Die Ängste des Hundes würden so Jahr für Jahr größer werden. Leider würden diese Tabletten besonders häufig verabreicht. Ein Lerneffekt, dass der Hund keine Angst haben muss, bleibe dadurch aus. "Die kriegen dann im Unterbewusstsein alles mit." Hunde, die besonders unter ihrer Panik an Silvester leiden, sei mit anderen Tablette zu helfen. Schon sechs Wochen vor Silvester sollte dann mit der Einnahme begonnen werden.

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