Breitner bei der Polizei : Atommüll in Brunsbüttel - Angst geschürt

Bei Castortransporten herrschen kriegsähnliche Zustände: Natürlich bekommen die Schleswig-Holsteiner Angst vor Atommülllagerung in Brunsbüttel. Ein Kommentar von Kay Müller.

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13. April 2013, 10:47 Uhr

Helikopter kreisen über den Schleusen, auf der Elbe blockieren Schlauchboote einen Atomtransporter, rund um den Hafen in Brunsbüttel werfen Demonstranten Steine - es herrschen wie bei den Castor-Transporten nach Gorleben kriegsähnliche Zustände. Natürlich bekommen die Schleswig-Holsteiner Angst davor, wenn die Landesregierung anbietet, Teile des in Deutschland produzierten Atommülls aus Sellafield in Brunsbüttel zwischenzu lagern. Die dramatischen Szenen, die sich bei Großdemos um das Atomkraftwerk in Brokdorf in den 70er und 80er Jahren ab gespielt haben, haben viele Schleswig-Holsteiner nicht vergessen.

Es sind Szenarien, die Innenminister Andreas Breitner jetzt auch in Brunsbüttel befürchtet und vorsorglich schon mal diskutiert. Der Minister zeigt Verständnis für die Sorgen seiner Polizisten und fordert gleichzeitig, der Bund solle die Einsätze bezahlen. Das ist alles nett, aber eben populistisch, denn keiner schaut mehr, wie wahrscheinlich es wirklich ist, dass der Atommüll und der Protest dagegen Brunsbüttel erreicht.

Nationaler Konsens in weiter Ferne

Die Pläne werden scheitern, bis Sommer gibt es zu viele Hindernisse. Der Bund hat bislang Niedersachsen die Kosten für die Atommülltransporte auferlegt, er wird es bei Schleswig-Holstein nicht anders handhaben. Dann will das Land aber keinen Atommüll mehr nehmen. Das soll auch geschehen, wenn kein weiteres Land bereit ist, Teile des Schrotts zu lagern. Der vom Bundesumweltminister geforderte nationale Konsens ist damit in weiter Ferne. Obendrein ist in Brunsbüttel nach dem Umbau des Zwischenlagers zu wenig Platz für alle Castoren aus Sellafield. Und Betreiber Vattenfall hat null Interesse daran, den Müll in Brunsbüttel aufzunehmen - statt wie geplant in Gorleben. Der Transport dorthin ist in trockenen Tüchern.

Und so ist die Gefahr kriegsähnlicher Zustände in Brunsbüttel nahezu ausgeschlossen. Und das sollten die Politiker auch so deutlich sagen, statt mit den Ängsten der Menschen zu spielen.

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