Alter Käfer mit weiblicher Note

Franziska Theis bei der Vorführung des fertig restaurierten Käfers 'Erika'.
Franziska Theis bei der Vorführung des fertig restaurierten Käfers "Erika".

Ein Team aus Ingenieurinnen restauriert schrottreifen Käfer / Franziska Theis erhält Förderpreis für ihre Arbeit

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29. Dezember 2011, 08:39 Uhr

Glückstadt | Aus alt mach neu. Die Glückstädterin Franziska Theis hat einen VW-Käfer restauriert und nebenbei ihre Bachelorarbeit im Studiengang Maschinenbau mit der Note 1,0 abgeschlossen. Ihre Arbeit wurde mit dem Ferchau-Förderpreis belohnt. Das Interview führte Marjan Schneider.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen VW-Käfer zu reparieren?

Prof. Dr. Sönke Schmidt warb mit einem Plakat in der Fachhochschule Kiel mit dem Spruch "Käfer sucht Ingenieurin!" In dem Fachbereich Maschinenwesen sind nur etwa zwölf Prozent Frauen. Unser Professor ahnte nicht, wie begeistert wir uns in das Projekt stürzten.

In welchem Zustand wurde er gefunden?

Der VW Käfer Mexico, Baujahr 1982, gehörte einmal der Mutter meines Professors. Das Auto stand vergessen und angestaubt in einer Scheune in Probsteierhagen im Kreis Plön. Wir kauften es für einen Euro.

War es das erste Mal, dass Sie ein Auto restauriert haben?

Das hatte ich in dem Umfang noch nicht gemacht. Wir haben fast jedes Teil einmal in der Hand gehabt und ausgetauscht oder wieder eingebaut. Am spannendsten fand ich das Sandstrahlen des Unterbodens. Ich habe mich gefühlt wie auf dem Mond: Ein riesiger Schutzhelm, das eingeschränkte Sichtfeld, viel zu große Handschuhe, ein Schlauch, der mich beim Sandstrahlen mit seiner Wucht fast umfallen ließ, viel Staub, und es war keine Kommunikation möglich. Aber der Unterboden war danach rostfrei.

Wie haben Sie sich die Arbeit an dem Käfer vorgestellt?

Ich habe nicht mit dem großen Umfang gerechnet. Wir hatten tausende Einzelteile und alle beschriftet. Es war aber nicht leicht, sich zu erinnern, was man mit der Bezeichnung "vorne links Achse nähe Rad schrauben" meinte. Außerdem sind Teile übrig gewesen und einige hinzugekommen, die noch nie in einem Käfer zu finden waren. Den TÜV hat er bestanden. Wir werden schon alles richtig gemacht haben.

Wer hat Sie bei der Arbeit unterstützt?

Wir hatten viele Sponsoren aus dem Kieler Umland. Ihre Logos zieren jetzt den Käfer. Die Mitarbeiter der Maschinenhalle standen uns immer mit Rat und Tat beiseite, wenn wir zum Beispiel improvisieren mussten.

Wieso waren nur Frauen an der Restauration beteiligt?

In einem gemischten Team wäre die eine oder andere untergegangen. Außerdem war es schön, mal "unter sich" zu sein, wo man doch sonst den ganzen Tag von Männern umgeben war.

Wie lange haben Sie an dem Auto gearbeitet und gab es Probleme bei der Beschaffung der Ersatzteile?

Wir haben von Anfang 2009 bis September 2010, also ungefähr 21 Monate, gearbeitet und Komplikationen gab es immer. Wir hatten einen sehr guten Teilehändler, der uns ziemlich viel beschaffen konnte. Wenn mal wieder irgendetwas nicht passen wollte, konnten wir immer fragen. Den originalen Polsterstoff zu bekommen, war auch kompliziert, und es sind immer wieder Schrauben abgebrochen.

Wieso wurde der Käfer lila lackiert?

Wir als Team nennen es nicht lila, sondern "purple"! Es stand von Anfang an fest. Wir wollten dem Käfer unsere weibliche Note mitgeben. Deswegen heißt der Käfer auch Erika, wie seine erste Besitzerin, die Mutter unseres Professors.

Wofür wird das Auto nun genutzt?

Der Käfer ist in den Besitz der FH übergegangen. Er soll als Beispiel-Objekt für Frauen im Maschinenwesen dienen, Tests auf dem Rollenprüfstand ausführen, als Laborfahrzeug und für Ausstellungen genutzt werden.

Woher kommt das Interesse am Maschinenbau?

Durch meinen Opa Horst Theis. Als Kind war ich oft bei ihm in der Werkstatt. Dort hatte mein Opa alle nur erdenklichen Schraubengrößen und -arten fein säuberlich sortiert. Er hatte immer das passende Ersatzteil parat.

Denken Sie, dass Ihre Arbeit an dem Projekt Sie beruflich als auch privat vorangebracht hat?

Im Studium hat es mir sehr geholfen, die gelernten Dinge anfassen zu können und nicht nur die Theorie zu lernen. Privat bin ich total auf den Käfer geprägt. Ich erkenne sie am Motorgeräusch.

Die Restauration eines Autos und die Bachelorarbeit mit der Note 1,0 abgeschlossen: Hatten Sie dennoch Zeit für Hobbys?

Nein, nicht viel. Durch das Käfer-Projekt habe ich viel Zeit in der Maschinenhalle verbracht, statt in der Bibliothek. Das hat viel mehr Spaß gemacht. Deshalb musste ich am Ende aber kämpfen, um noch alle Klausuren zu schaffen.

Neben meinem Studium habe ich noch als studentische Hilfskraft beim Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH AöR) gearbeitet. Im Februar dieses Jahres habe ich schon meinen Arbeitsvertrag von der GMSH bekommen und konnte mich auf meine Abschlussarbeit konzentrieren. Ich war sehr froh, das Studium in der Regelstudienzeit abschließen zu können und der Ferchau-Förderpreis war das I-Tüpfelchen oben drauf.

Lehnen Sie sich nun etwas zurück oder ist das nächste Großprojekt in Aussicht?

Ich muss erstmal in der Arbeitswelt ankommen. Der Tagesrhythmus ist ein anderer als der im Studium. Ich freue mich jetzt auf mehr Zeit für Familie, Freunde und meinen Freund zu haben. Abgebrochene Schrauben

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