Inferno im Sandsturm : Acht Tote, 139 Verletzte nach Massenkarambolage

Autobahn A19 bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock (Mecklenburg-Vorpommern):  Bei einer Massenkarambolage in einem Sandsturm fuhren in beiden Fahrtrichtungen dutzende Fahrzeuge und Lkw ineinander.
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Autobahn A19 bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock (Mecklenburg-Vorpommern): Bei einer Massenkarambolage in einem Sandsturm fuhren in beiden Fahrtrichtungen dutzende Fahrzeuge und Lkw ineinander.

80 Autos rasten bei Rostock auf der A19 ineinander. Ein Sandsturm hatte den Autofahrern die Sicht genommen. Bislang wurden acht Tote geborgen.

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10. April 2011, 05:17 Uhr

Auch Stunden nach der Massenkarambolage auf der Autobahn A19 bei Rostock sind die Bergungsarbeiten noch nicht abgeschlossen. Wie ein Polizeisprecher am frühen Sonnabendmorgen mitteilte, wurden acht Menschen getötet und 139 verletzt, als ein Sandsturm den Autofahrern am Freitagmittag plötzlich die Sicht nahm. 44 davon mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Insgesamt 80 Autos waren auf der A19 (Rostock-Berlin) südlich von Rostock ineinandergerast. Die Autobahn wird "aller Voraussicht nach nicht mehr am Sonnabend freigegeben", sagte der Sprecher.
Die ganze Nacht über gingen unterdessen die Rettungsarbeiten weiter. Das Technische Hilfswerk (THW) leuchtete den Unfallort aus, Feuerwehrleute zogen die verkeilten Wracks auseinander. 20 davon waren in Flammen aufgegangen, darunter ein Gefahrguttransporter und zwei weitere Lastwagen. Dadurch sei auch die Fahrbahn beschädigt worden, sagte der Sprecher. Abschleppfirmen brachten die Unfallfahrzeuge weg. Gegen 4 Uhr konnten alle Autos geborgen werden. Die in den Unfall verwickelten Lastwagen stünden noch auf der Fahrbahn, sagte der Sprecher.
250 Rettungskräfte vor Ort
Bis in den späten Abend hinein waren mehr als 250 Kräfte von Polizei, Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz und Rettungsdiensten am Unfallort im Einsatz. In der Nacht arbeiteten noch knapp 30 Helfer von Feuerwehr und THW. Die Rettungskräfte hatten befürchtet, dass sich die Zahl der Toten noch erhöhen werde, da unter anderem ein Auto unter einem ausgebrannten Lastwagen lag. In der Nacht sei der Laster angehoben worden und man habe niemand darunter gefunden, sagte der Sprecher. Zur Identität der bisher geborgenen Opfer machten die Behörden keine Angaben.
Die Massenkarambolage hatte sich im Anschluss an ein Waldstück ereignet, wo der starke Wind trockenen Sand und Erde von angrenzenden Feldern auf die Fahrbahn wehte. Die Polizei sprach von Sichtweiten unter zehn Metern. Zusammenstöße gab es in beiden Fahrtrichtungen, besonders schlimm aber war es in Richtung Rostock. Dort kam es auch zu dem Feuer.
Allgemeines Tempolimit auf Autobahnen?
"Das ist der schlimmste Verkehrsunfall, den Mecklenburg-Vorpommern je erlebt hat", sagte Polizeisprecherin Yvonne Burand. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zeigte sich schockiert über die Massenkarambolage. Er sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid und tiefes Mitgefühl aus und erklärte mit Blick auf die Unglücksursache: "Das zeigt, selbst höchsten Anstrengungen bei der Verkehrssicherheit werden durch solche extremen Naturgewalten Grenzen gesetzt."
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz. Auch die Bundesvorsitzenden der Linkspartei, Klaus Ernst und Gesine Lötzsch, reagierten erschüttert auf die Nachricht von dem Unglück. Es müsse jetzt ohne Tabus über Konsequenzen wie ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen diskutiert werden, um das Risiko solcher Massenunfälle zu senken.


(dpa, shz)

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