Deutsch-dänisches Jubiläum : 2020 – noch hakt es in Flensburg

Der Holm 1920: Flaggen an den Fassaden zeugen vom emotional geführten Wahlkampf.
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Der Holm 1920: Flaggen an den Fassaden zeugen vom emotional geführten Wahlkampf.

Ehemaliger OB Simon Faber koordiniert die Feierlichkeiten auf dänischer Seite

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04. April 2018, 06:27 Uhr

2020 – noch ist diese Jahreszahl nur Eingeweihten ein fester Begriff. In Dänemark können mehr Menschen damit etwas anfangen als in Deutschland, noch mehr jedoch mit 1920, dem Jahr, dessen hundertjähriges Jubiläum in zwei Jahren diesseits und jenseits der Grenze gefeiert werden soll.

Vor dann hundert Jahren wurde mit einer weltweit beachteten Volksabstimmung der heutige Grenzverlauf zwischen Deutschland und Dänemark festgelegt. Während das Miteinander an der Grenze und vor allem der Umgang mit der jeweiligen Minderheit als vorbildlich gilt, weckt die Jahreszahl 1920 doch bei Dänen und Deutschen ganz unterschiedliche Gefühle und Erinnerungen. Das beginnt schon bei dem Begriff, den Deutsche und Dänen für das, was 1920 geschah, verwenden. Für Deutschland ist es einfach die Volksabstimmung von 1920, für Dänemark hingegen „Genforeningen“, die Wiedervereinigung. „Jeder Däne, ob in Aalborg oder Apenrade, weiß, was 1920 bedeutet“, sagte Simon Faber bei seinem Auftritt im Kulturausschuss der Ratsversammlung.

Mit der Abstimmung kamen große Teile Jütlands, die nach dem Krieg von 1864 für einige Jahrzehnte zu Deutschland gehörten, wieder zurück nach Dänemark – nach dem Trauma der Niederlage von 1864 ein großes nationales Glück für die Dänen. Jedes Jahr wird der Tag der Abstimmung (10. Februar) und der Abtretung Nordschleswigs an Dänemark (15. Juni) in Dänemark mit Feierlichkeiten begangen – in zwei Jahren zum 100. Jubiläum besonders intensiv und ausführlich.

In Dänemark ist das Projekt hoch aufgehängt; selbst das Königshaus wird laufend informiert. Immerhin sieben Kommunen sind beteiligt: Tondern, Apenrade, Sonderburg, Hadersleben, Kolding, Vejle und Esbjerg.

Auf deutscher Seite hängt man etwas hinterher, so scheint es. Über konkrete Planungen konnte im Kulturausschuss niemand etwas sagen. Die Rede war von einer Arbeitsgruppe, aufgehängt bei der Staatskanzlei, die im April zum ersten Mal tagen soll. „Wir können aber nicht auch die deutsche Seite bespielen“, machte Faber gleich deutlich.

Die Stadt Flensburg nimmt das Jubiläum zum Anlass, das seit langem geplante – oder besser erträumte – stadtgeschichtliche Museum zumindest teilweise anzugehen. Fest eingeplant ist eine virtuelle Ausstellung sowie eine App, die den Besucher zu stadtgeschichtlich bedeutsamen Orten in der Stadt führen soll. Sie werde jetzt entwickelt und soll im Herbst 2018 startklar sein.

Schon weniger gut sieht es aus für eine „materielle“ Ausstellung zum Jubiläum. Zwei Förderanträge, die man gestellt hat, seien abschlägig beschieden worden, berichtete Projektleiterin Kirsten Nierhoff. Jetzt wolle man regionale Stiftungen ansprechen.

Die Reaktionen aus dem Kulturausschuss waren deutlich und zeugten von Frust und Enttäuschung. „Ich wundere mich, dass sich da gar nichts bewegt“, sagte Ausschussvorsitzende Stappert. Man möge das Flensburger Konzept „mit Elan in Kiel oder Berlin vorstellen. Ich erwarte mehr Klappern, wir müssen viel lauter werden. Lübeck mault und bekommt das Geld. Wir versuchen, kleine Brötchen zu backen und werden übersehen.“

Nur mit Wohlwollen könne man die Ausstellung nicht machen, ergänzte Stefan Trahn (SPD). „Das ist ein ganz mühsames Geschäft“, gab Bürgermeister Henning Brüggemann zu bedenken, „das hätte ich mir einfacher vorgestellt.“

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