zur Navigation springen

Lesestoff : Zu unoriginell, zu beliebig, zu entbehrlich

vom

Kay Müller und Martin Schulte empfehlen Lesestoff zum Wochenende. Heute in aller Kürze ein fragwürdiges Vergnügen mit Martin Rupps zum Thema "Babyboomer".

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2009 | 02:30 Uhr

Martin Rupps kommt etwas spät. Denn die Generationswelle ist mittlerweile bereits über den Büchermarkt hinweggeschwappt. Egal ob von der Generation Golf, der Generation Golf 2, den 68ern, den 89ern oder jetzt den Babyboomern die Rede ist – alle Autoren dieser Bücher haben ein Problem: Was ist eigentlich eine Generation? Und ohne den spießigen Sozialwissenschaftler heraushängen zu lassen, kann der Leser auch vom Politikwissenschaftler Dr. Martin Rupps eine Einordnung erwarten.
Doch Rupps einzige Definition ist die einer Alterskohorte: Babyboomer sind alle, die zwischen 1959 und 1964 geboren sind – fertig. Dann reiht Rupps eigene Erinnerungen auf, die wenig originell sind und wegen des engen Zeitrahmens auch Jüngere oder Ältere teilen können. Super Acht Filme kennen auch nach 1964 Geborenen, eine Ente 2 CV auch solche, die vor 1959 das Licht der Welt erblickten. Und Erinnerungen reichen nicht für ein Buch, das weder ein Roman noch ein Sachbuch ist. Babyboomer waren immer zu viele schreibt er. Na und? Was sagt uns das?
Hinzu kommen ärgerliche Fehler: 2006 stand die Mannschaft von Babyboomer Jürgen Klinsmann nicht im Endspiel der Fußball Weltmeisterschaft und 1974 stand auch kein Manfred Hölzenbein im WM-Team, sondern ein gewisser Bernd. Das kann ja einem Sportmuffel mal passieren, denn Rupps gibt zu, nie einen Aufschwung am Reck geschafft zu haben. Doch er hätte auch lieber dieses Buch nicht geschafft, das zu schreiben ihm viel Mühe machte – wie er selbst zugibt. Möge er in seiner Biographie über Helmut Schmidt an alte analytische Stärken anknüpfen.
Martin Rupps: Wir Babyboomer. Die wahre Geschichte unseres Lebens, Herder, ISBN-10: 3451297264, ISBN-13: 978-3451297267, 16,95 Euro

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen