Zu große Brüste : Wann Krankenkassen eine Brustverkleinerung bezahlen – und wann nicht

Author: colourbox.de
Die Gründe für eine Brustverkleinerung sind unterschiedlich.

Frauen mit übergroßer Brust leiden oftmals unter starken physischen und psychischen Beschwerden. Eine Brustverkleinerung bietet häufig den Ausweg. Was es dabei zu beachten gibt, erklärt der Gynäkologe Christoph Katz.

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20. Januar 2022, 14:03 Uhr

Frauen mit übergroßer Brust leiden oftmals unter starken physischen und psychischen Beschwerden. Eine Brustverkleinerung bietet häufig den Ausweg. Was es dabei zu beachten gibt, erklärt der Gynäkologe Christoph Katz.

Hinter einer Brustverkleinerung steht laut Katz oftmals „ein ganz erhebliches Leiden”, das nach der Operation schlagartig verschwunden sei. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt der Gynäkologe, warum es ganz unterschiedliche Gründe für eine Brustverkleinerung gibt, wie viel die Krankenkassen bezahlen und welche Voraussetzungen Patientinnen erfüllen sollten.

Welche Gründe gibt es für eine Brustverkleinerung?

„Wir haben ganz unterschiedliche Patientinnen, die eine Brustverkleinerung benötigen”, erläutert Katz. Er nennt fünf Gründe, die eine Brustverkleinerung zur Folge haben können:

  1. Orthopädische Beschwerden: Sie sind laut Katz der häufigste Anlass für Brustverkleinerungen. Dabei kommt es durch die Größe der Brust etwa zu starken Rückenschmerzen, weil das Gewicht der Brust den Oberkörper nach vorne zieht und so Fehlhaltungen und Verspannungen begünstigt. Katz gibt dabei zu bedenken: „Eine zierliche Frau, die ein Körbchen der Größe G oder H hat, leidet ganz anders unter der Brustgröße als eine Frau, die dabei muskulös, groß und breiter gebaut ist.” 
  2. Dermatologische Beschwerden: Hier sind Hautkrankheiten Auslöser für eine Brustverkleinerung. „Wenn die Patientin eine sehr stark hängende Brust hat und sich deshalb feuchte Kammern bilden, kann man das nicht immer mit spezieller Unterwäsche in den Griff bekommen”, nennt Katz ein Beispiel. Diese „feuchten Kammern” bilden sich durch Hautfalten, die aneinander kleben, und sorgen etwa für Rötungen, Juckreiz und auch Infektionen mit Bakterien oder Pilzen.
  3. Beschwerden durch Fehlbildungen: „Es gibt Patientinnen, die beispielsweise eine starke Asymmetrie der Brust aufweisen, bei der eine Brust wesentlich größer ist als die andere”, erläutert Katz. Dann wird eine Brust angeglichen, was ebenfalls eine Reduktionsplastik darstellt. „Ich hatte mal eine 12-jährige Patientin, die eine Brust hatte, die größer als ein Medizinball war. Dort mussten wir auf der einen Seite fünf und auf der anderen Seite drei Kilogramm entfernen, und am Ende war immer noch ein Körbchen D da”, berichtet der Gynäkologe von seinen Erfahrungen.
  4. Tumor in der Brust: Katz hat in seiner täglichen Arbeit im Brustzentrum häufig auch mit Tumoren zu tun. „Es gibt Tumore, die so groß sind, dass man sie nur mithilfe einer Reduktionsplastik behandeln kann, weil sonst die Wundheilung behindert oder die Brustform massiv verändert wird.”
  5. Kosmetische Gründe: Wenn bei Frauen keines der oben beschriebenen Leiden vorliegt und sie dennoch eine Brustverkleinerung wünschen, hat das häufig kosmetische Gründe. „Es gibt Patientinnen, die beispielsweise Sportlerinnen sind und sagen: ‘Das Körbchen E stört mich dabei.’ Dort gibt es keine Kostenübernahme der Krankenkasse, aber das Anliegen ist dennoch nachvollziehbar.” Aus Sicht der Krankenkassen zählen auch psychische Gründe zu den kosmetischen Gründen. „Manche Frauen haben etwa Körbchengröße H und erzählen, dass sie sich auf die Brust reduziert fühlen. Sie sind dann häufig den Blicken ausgesetzt und fühlen sich unwohl.”
Mammographie-Screening kann Brustkrebs früh erkennen.
dpa-Bildfunk

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Wie viel kostet eine Brustverkleinerung? Wie viel zahlt die Krankenkasse?

Die Kosten bewegen sich meist zwischen 4.500 und 7.000 Euro. Laut Katz übernimmt in der Regel die Krankenkasse die Kosten für die Brustverkleinerung, solange sie nicht aus kosmetischen Gründen erfolgt. „In der Regel liegt ja ein Leiden vor”, erklärt er. Es gibt jedoch einige Punkte zu beachten:

  1. Kein Übergewicht: Adipositas ist „tatsächlich der Hauptgrund, warum Krankenkassen Anträge ablehnen.” Katz erklärt, dass das Gewicht am besten höchstens leicht über dem Normalgewicht liegen sollte. „Wenn die Patientinnen stark übergewichtig sind, ist davon auszugehen, dass die Beschwerden weniger durch die Brust als durch das Übergewicht zustande kommen.”
  2. Volljährigkeit: In der Regel sollten die Patientinnen „mindestens 18 bis 20 Jahre” alt sein, um sicherzustellen, dass die Brust vollständig ausgewachsen ist. Ausnahmen gibt es nur in Einzelfällen.
  3. Befürwortung und Begründung durch den Facharzt: Ist beispielsweise ein orthopädisches Leiden der Grund für eine Brustverkleinerung, so muss der entsprechende Orthopäde die Operation gegenüber den Krankenkassen befürworten und begründen.
  4. Nachweis konservativer Maßnahmen bei orthopädischen Beschwerden: Liegt der Auslöser für eine Brustverkleinerung in einem orthopädischen Problem, ist es wichtig, „dass sich die Patientinnen mindestens ein Jahr lang konservativ bemüht haben, ihr Leiden zu lindern.” Sprich: Bevor eine Operation infrage kommt, müssen die Patientinnen zunächst Krankengymnastik oder spezielle Sportprogramme absolviert und damit die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft haben.
Zur Person: Dr. Christoph Katz

Zur Person: Dr. Christoph Katz

Dr. Christoph Katz ist Leiter des Brustzentrums am Klinikum in Osnabrück und verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung im Bereich der plastischen Operation. Als Gynäkologe mit plastischer Zusatzqualifikation ist er unter anderem Experte für Brustverkleinerungen, die er auch heute noch mehrmals pro Woche durchführt. Seine Patientinnen kommen nach eigenen Angaben vor allem aus Nord- und Westdeutschland.

Doch selbst wenn eine Patientin alle geforderten Kriterien erfüllt, ist eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse nicht garantiert. Katz gibt zu Bedenken, dass etwa der Zusammenhang zwischen Brustgröße und Rückenbeschwerden nicht immer nachweisbar sei. „Es gibt viele mögliche Ursachen für Rückenschmerzen und es ist daher ganz schön schwer, die Ursache eindeutig auf die Größe der Brust zurückzuführen”, berichtet er. Sei der Zusammenhang nicht eindeutig nachweisbar, würden die Krankenkassen den Antrag ebenfalls ablehnen.

Wie läuft eine Brustverkleinerung ab?

Für Reduktionsplastiken gibt es unterschiedliche Techniken. Unter anderem entscheidet der Chirurg, ob die Brustwarze gestielt – also zusammenhängend mit ihren versorgenden Strukturen – erhalten bleiben soll. Damit wäre auch die Kontinuität der Durchblutung gegeben. Eine andere Möglichkeit ist, die Brustwarze frei zu transplantieren. Letzteres ist vor allem dann notwendig, wenn die Brust um größere Mengen reduziert wird.

Illustration - Ein Ärzteteam arbeitet in einem Operationssaal eines Krankenhauses. +++ dpa-Bildfunk +++
dpa/Sven Hoppe

Illustration - Ein Ärzteteam arbeitet in einem Operationssaal eines Krankenhauses. +++ dpa-Bildfunk +++

Die Reduktion wird dadurch erreicht, dass überschüssiges Haut- und Brustgewebe, teilweise auch überschüssiges Fettgewebe entfernt wird. Um wie viel Gewicht eine Brust tatsächlich reduziert wird, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. „Etwa 70 Prozent der Reduktionsplastiken bewegen sich zwischen 400 und 700 Gramm”, schätzt Katz. Es gebe aber auch Patientinnen, bei denen die Straffung der Brust im Vordergrund stehe und nur etwa 200 Gramm pro Seite entfernt würden. „Andersrum ist es genauso keine Seltenheit, dass wir pro Seite zwei Kilo entfernen.”

Nach der Gewichtsreduktion wird die Brust so geformt, dass die Brüste möglichst symmetrisch sind. Die Brustverkleinerung nimmt bei kleineren Eingriffen pro Seite etwa 75 bis 90 Minuten in Anspruch.

Welche Risiken gehen mit einer Brustverkleinerung einher?

Dr. Christoph Katz nennt vier Risiken:

  1. Narbenbildung: Die Narbenbildung erfolgt bei jedem Menschen individuell und ist genetisch bedingt. „Es gibt Menschen, die eine Veranlagung zur übermäßigen Narbenbildung bis hin zur Wulstnarbenbildung in sich tragen. Wenn man weiß, dass das in der Familie vorkommt, sollte man sich von so einer Operation besser fernhalten.” Das sei eine eher seltene Komplikation, aber sie komme vor.
  2. Sensibilitätsverluste: „Jede Reduktionsplastik greift in den Brustdrüsenkörper und in die Nervenversorgung ein. Etwa 80 Prozent haben keine Sensibilitätsverluste, aber es bleiben 20 Prozent, denen Sensibilität im Schnittbereich oder im Bereich der Brustwarze verloren geht.”
  3. Einschränkung der Durchblutung in der Brustwarze: „Immer, wenn man das Gefäßnetz der Brustdrüse antastet, dann ist auch die Brustwarze involviert. Entsprechend kommt es bei einer Operation dort zu Durchblutungsstörungen, gleiches gilt für bestimmte Hautpartien”, sagt Katz. Das wiederum könne gegebenenfalls zu Wundheilungsstörungen führen. „Vor allem bei Raucherinnen kann das durch die Gefäßverengung vorkommen. Das Risiko hierfür ist viel geringer, wenn man mindestens ein halbes Jahr rauchfrei ist.”
  4. Leichte Unterschiede in der Brustgröße: „Eine absolute Symmetrie kann man nur einschätzen, wenn die Patientin steht”, erklärt Katz. Das sei bei einer Operation logischerweise nicht möglich. „Oft sind die Unterschiede später aber nur minimal und fallen den Frauen nicht auf.”

Wie verläuft die Heilung der Brust nach der Operation?

Ist die Operation aufgrund körperlicher Beschwerden erfolgt, so sind die Patienten schon am Folgetag „zu 99 Prozent schlagartig beschwerdefrei”, erklärt der Gynäkologe. Für die Frauen sei dies eine erhebliche Erleichterung.

In der ersten Woche nach der Operation sollen die Patientinnen ihre Wunden trocknen lassen, also etwa nur unterhalb der Brust duschen. Zudem sollten sie bis etwa drei Monate nach der Operation einen Kompressions-BH tragen, damit die Narben möglichst gut verheilen. Zudem sollte oberkörperbetonter Sport ebenfalls etwa drei Monate vermieden werden. „Die Brust muss nach der OP ruhiggestellt werden wie jede andere Wunde auch”, sagt Katz. Ballsportarten, Tennis und Reiten – „alles, was mit Erschütterungen der Brust zu tun hat” – sei da nicht besonders sinnvoll. Gegen normales Radfahren etwa spreche aber nichts.

Eine Frau fährt bei herbstlichem Wetter mit dem Fahrrad durch eine Allee im Georgengarten. +++ dpa-Bildfunk +++
dpa/Hauke-Christian Dittrich

Eine Frau fährt bei herbstlichem Wetter mit dem Fahrrad durch eine Allee im Georgengarten. +++ dpa-Bildfunk +++

Unseriöse Anbieter: Was gibt es zu beachten?

Natürlich gibt es auch unseriöse Anbieter, die im Internet ihre Leistungen anpreisen und mit Brustverkleinerungen Geld verdienen wollen. Katz hat hier einen einfachen Rat: „Das Sicherste ist wirklich, den Frauenarzt oder die Frauenärztin nach einer Empfehlung zu fragen. Die wissen am besten, wer gute Ergebnisse erzielt.”

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