Von Legenden und "No Name"-Kommissaren : „Tatort“-Ranking: Das sind die fünf erfolgreichsten Folgen aller Zeiten

Der Super-Tatort: Die Folge 'Rot - rot - tot' aus Stuttgart mit den Figuren Konrad Pfandler (Curd Jürgens, links), Kriminalassistent Wagner (Frank Strecker, Mitte) und Kommissar Lutz (Werner Schumacher) sahen 26,57 Millionen Zuschauer.
Der Super-Tatort: Die Folge "Rot - rot - tot" aus Stuttgart mit den Figuren Konrad Pfandler (Curd Jürgens, links), Kriminalassistent Wagner (Frank Strecker, Mitte) und Kommissar Lutz (Werner Schumacher) sahen 26,57 Millionen Zuschauer.

Der "Tatort" wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Welches aber waren die fünf erfolgreichsten Folgen aller Zeiten?

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20. Juni 2020, 14:30 Uhr

Osnabrück | Wenn vom Tatort die Rede ist, dann ist das Wort von der Rekordquote nicht weit. Seit Jahren sorgen dafür beständig die Folgen aus Münster. Und so stehen gleich fünf Episoden mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Carl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) an der Spitze des Rankings für dieses Jahrtausend: Mit „Fangschuss“ schossen die beiden am 2. April 2017 den Vogel ab, lockten 14,57 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme und holten einen Marktanteil von 39,1 Prozent. Es folgen „Spieglein, Spieglein“ (17. März 2019, 14,01 Mio., 36,9 Prozent), „Schwanensee“ (8. November 2015, 13,69 Mio., 35,5 Prozent), „Feierstunde“ (25. September 2016, 13,32 Mio., 37,9 Prozent) und „Mord ist die beste Medizin“ (21. September 2014, 13,22 Mio., 36,7 Prozent).

Quotenhit der letzten 20 Jahre: Der Tatort 'Fangschuss' aus Münster.
dpa/Thomas Kost/WDR/ARD
Quotenhit der letzten 20 Jahre: Der Tatort "Fangschuss" aus Münster.


Doch wer diese Zahlen für astronomisch hält, hat sich noch nicht mit den Spitzenzeiten der 50-jährigen Tatort-Geschichte beschäftigt. Das nämlich waren die 70er- und frühen 80er Jahre, als regelmäßig mehr als 20 Millionen Zuschauer den Tatort einschalteten. Kein Wunder – damals gab’s nur drei Programme, das Privatfernsehen wurde erst 1984 aus der Taufe gehoben. Welches aber sind die meistgesehenen Folgen in 50 Jahren Tatort? Wir verraten es Ihnen – ohne zu verraten, wer in diesen Folgen der Täter war. Denn vielleicht hat der eine oder andere ja Lust, sich die Folge noch einmal oder auch zum ersten Mal anzuschauen. Suchen muss man sie allerdings im Internet, denn beim aktuellen Tatort-Voting werden nur Folgen gezeigt, die nicht älter als 25 Jahre sind. (Auch interessant: Sommerloch-Aktion: Welchen „Tatort“ hätten’s denn gern?)

Der Tatort-Tophit

Platz eins belegt ein Ermittler, den heute viele Menschen gar nicht mehr kennen: Am Neujahrstag 1978 zeigte das Erste die Folge „Rot – rot – tot“ aus Stuttgart mit Werner Schumacher als Kommissar Lutz, dem Frank Strecker als Kriminalassistent Wagner zur Hand ging. Es ging um den Mord an zwei jungen rothaarigen Frauen auf dem Killesberg, einem der vornehmsten Stuttgarter Wohnviertel. Das Drehbuch schrieb Karl Heinz Willschrei, Regie führte Theo Mezger.

Und am Tag nach der Ausstrahlung trauten die Programmverantwortlichen der ARD ihren Augen nicht: 26,57 Millionen Zuschauer hatten sich „Rot – rot – tot“ angesehen und ihnen einen Marktanteil von sagenhaften 65,00 Prozent beschert. Hauptanteil daran hatte wohl ein Superstar der damaligen Zeit mit seinem Gastauftritt: Curd Jürgens spielte den zwielichtigen Versicherungs-Mathematiker Konrad Pfandler, der blutjunge Christian Berkel war in der Rolle seines tief in die Gläser schauenden Sohnes Uwe zu sehen. (Auch interessant: Milberg dreht erneut als „Tatort“-Kommissar in Kiel)

Legendär: "Reifezeugnis"

Platz zwei geht an einen Tatort, der auch über 40 Jahre nach seiner Erstausstrahlung noch legendär ist: Die Folge „Reifezeugnis“ vom Norddeutschen Rundfunk (NDR). Sie machte die junge Nastassja Kinski über Nacht zu einem Star in Deutschland, an dem sich wie auch an dieser Tatort-Folge so manche Diskussion entzündete. Bei den Dreharbeiten 15 Jahre alt, spielte sie die 16-jährige Schülerin Sina, deren Verhältnis zu ihrem Klassenlehrer Helmut Fichte (Christian Quadflieg) auffliegt. Einen Mitschüler, der sie mit seinem Wissen zum Sex erpressen will, erschlägt sie mit einem Stein.

Dieses Bild schrieb Fernsehgeschichte: Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) befragt Sina Wolf (Nastassja Kinski).
NDR
Dieses Bild schrieb Fernsehgeschichte: Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) befragt Sina Wolf (Nastassja Kinski).


Ermittler in seinem sechsten und schon vorletzten Fall war Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke, bleibenden Eindruck hinterließ auch Judy Winter als betrogene Ehefrau Gisela Fichte. Das Drehbuch schrieb Herbert Lichtenfeld, Regie führte der unvergessene Wolfgang Petersen. Ausgestrahlt am 27. März 1977, schalteten diesen Tatort 25,05 Millionen Zuschauer ein, 67,00 Prozent Marktanteil übertrafen sogar noch „Rot – rot –tot“.

Der "No Name"-Kommissar

Auf Platz drei des ewigen Tatort-Rankings finden sich lauter „No Names“ der weit über 1000 Folgen umfassenden erfolgreichsten deutschen Krimireihe. Oder erinnert sich noch jemand an den Frankfurter Kommissar Bergmann, dargestellt von einem gewissen Heinz Treuke?

Der vergessene Ermittler: Kommissar Bergmann (Heinz Treuke, links) stellt bei dem Frankfurter Papierfabrikanten Henry Brandl (Walter Reyer) eine Pistole sicher.
HR/Kurt Bethke
Der vergessene Ermittler: Kommissar Bergmann (Heinz Treuke, links) stellt bei dem Frankfurter Papierfabrikanten Henry Brandl (Walter Reyer) eine Pistole sicher.


Viel bekannter ist heute sein damaliger Assistent: Dieser Robert wurde vom späteren Grimmepreis-Träger Rainer Hunold gespielt, den etliche Jahre danach seine Hauptrollen in Serien wie „Neues vom Bülowbogen“, „Ein Fall für zwei“ und „Der Staatsanwalt“ zu einem Fernsehliebling der Deutschen machen sollten.

Am 12. Februar 1978 flimmerte „Zürcher Früchte“, der erste von insgesamt nur drei Fällen für Kommissar Bergmann, über die Bildschirme und offenbar war schon damals die Neugier auf einen neuen Ermittler riesengroß: 24,91 Millionen Zuschauer schalteten ein, als er in einem Fall ermittelte, in dem drei Frankfurter Gangster ein dickes Ding drehen wollten und beim Streit darüber einer von ihnen erschossen wurde. Drehbuchautor Wolfgang Fechtner, Regisseur Heinz Schirk und mit ihnen der Hessische Rundfunk (HR) freuten sich seinerzeit über einen Marktanteil von unglaublichen 69,00 Prozent.

Unvergessen

Viele Tatort-Fans kennen in München gar keine anderen Kommissare als die Dauerbrenner Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) – schließlich ermitteln die beiden auch schon seit fast 20 Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt. Aber tatsächlich hatten auch sie einige Vorgänger - der wohl bekannteste von ihnen ist Melchior Veigl, dargestellt vom unvergessenen Gustl Bayrhammer.

Tatort-Legende: Kriminalhauptkommissar Veigl (Gustl Bayrhammer, rechts), hier in der Folge 'Ende der Vorstellung'.
WDR/Sessner/BR
Tatort-Legende: Kriminalhauptkommissar Veigl (Gustl Bayrhammer, rechts), hier in der Folge "Ende der Vorstellung".


Am 2. Januar 1977 brannte in der Folge „Das Mädchen am Klavier“ eine Münchner Schule nieder, in den Trümmern wurde die Leiche eines Mädchens entdeckt, das nicht etwa durchs Feuer, sondern durch einen Genickbruch ums Leben gekommen war. Jede Menge Arbeit für Veigl und seine Assistenten - und jede Menge Zuschauer vor dem Bildschirm. 24,53 Millionen katapultierten ihn und „Das Mädchen am Klavier“ auf Platz vier der ewigen Bestenliste. Das Drehbuch hatte – für die damalige Zeit eine Seltenheit – mit Erna Fentsch eine Frau geschrieben, Regie führte Lutz Büscher. Und der Marktanteil betrug stolze 68,00 Prozent.

Tatort-Legende

Auf Platz fünf hat es eine weitere Tatort-Legende geschafft: Hansjörg Felmy in seiner Paraderolle als Essener Kommissar Heinz Haferkamp mit seinem Assistenten Kreutzer (Willy Semmelrogge) und seiner stets präsenten Ehefrau Ingrid (Karin Eickelbaum). Am 4. Dezember 1977 zeigt das Erste die Folge „Das Mädchen von gegenüber“ – wie auch in Reifezeugnis ging es um eine frühreife Schülerin, der ein Gleichaltriger nachstellt, diesmal mit tödlichen Folgen für das Mädchen. Auch hinter Kamera tauchten zwei Namen auf, die der Tatort-Geschichte ihren Stempel aufdrückten: Martin Gies hatte das Drehbuch geschrieben, sein Bruder Hajo führte Regie. 24,47 Millionen Zuschauer schalteten ein und schraubten den Marktanteil für den Schimanski-Vorgänger auf 64,00 Prozent.

'Das Mädchen von gegenüber': Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy, rechts) spricht mit Klassenlehrer Linder (Jürgen Prochnow).
WDR
"Das Mädchen von gegenüber": Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy, rechts) spricht mit Klassenlehrer Linder (Jürgen Prochnow).


Apropos Schimanski: Götz George schlüpfte 1981 in diese vielleicht populärste Rolle der Tatort-Geschichte und besetzte in den Jahren danach den Quotenthron. Allerdings mit schon deutlich niedrigeren Zuschauerzahlen. Denn 1984 startete das Privatfernsehen in Deutschland, Anfang der 90er Jahre wurde die Quotenmessung präzisiert, seitdem sind 20 Millionen Zuschauer und mehr in weite Ferne gerückt. Unter den meistgesehenen Tatort-Folgen seit 1991 belegt Götz George alias Schimanski gleich die beiden ersten Plätze: „Der Fall Schimanski“ wurde am 29. Dezember 1991 von 16,68 Zuschauern (Marktanteil 52,3 Prozent) eingeschaltet, „Kinderlieb“ am 27. Oktober 1991 von 16,07 Millionen (MA 45,4 Prozent).

In 'Der Fall Schimanski' jobbt der Kommissar (Götz George, links) als Kaufhausdetektiv: Kriminaloberrat a.D. Königsberg (Ulrich Matschoss) staunt nicht schlecht.
WDR/Hans Zinner
In "Der Fall Schimanski" jobbt der Kommissar (Götz George, links) als Kaufhausdetektiv: Kriminaloberrat a.D. Königsberg (Ulrich Matschoss) staunt nicht schlecht.


Auf den Plätzen drei und vier folgen zwei Lieblingskommissare der Norddeutschen: Die Hamburger Ermittler Stoever (Manfred Krug) und Brockmöller (Charles Brauer). Ihre Episode „Stoevers Fall“ schalteten am 5. Juli 1992 genau 15,86 Millionen Zuschauer ein (MA 52,8 Prozent), am 3. Mai 1992 waren es bei „Experiment“ 15,29 Millionen (MA 49,7 Prozent). (Hier gibt's ein ausführliches Interview mit Charles Brauer auch zu seiner Zeit als Tatort-Kommissar)

Erst dann folgen die Münsteraner mit ihrem populärsten Fall „Fangschuss“.

Quellen: ARD/tatort-fundus.de

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