"Tatort"-Star in Amazon-Prime-Serie : Lisa Bitter: Erst Leiche, dann Kommissarin, jetzt Richterin

Foto: imago images/André Poling
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Im Interview erzählt Lisa Bitter, warum sie zunächst Biologie studiert hat und warum der "Tatort" zum Sonntag gehört.

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21. Mai 2020, 14:15 Uhr

Flensburg | Frau Bitter, wir haben zwei Monate im Ausnahmezustand hinter uns – was haben Sie am meisten vermisst?

Freunde zu sehen. Mir ist es wirklich am schwersten gefallen, auf soziale Kontakte und den Austausch mit Freunden zu verzichten. Ich brauche das als Abgleich und kann eigentlich nicht nur telefonieren, auch wenn es schön ist, dass wenigstens das geht. Aber ich bin gerne mit meinen Freunden zusammen, wir essen und trinken zusammen – dass das jetzt über so lange Zeit ausfallen musste, hat mich sehr traurig gemacht. Andererseits fand ich es schön zu merken, dass mir tatsächlich Theater und Kino fehlen und die Kultur nicht nur die Kirsche auf dem Kuchen ist, sondern für mich essenziell dazugehört.

Hatten Sie überhaupt Gelegenheiten, Kultur wahrzunehmen außer im Internet und am Fernseher?

Nein. Ich hab mal Streaming-Geschichten ausprobiert, aber Theater online kann für mich den Besuch in einem richtigen Theaterraum nicht ersetzen. Außer Filmegucken zu Hause war nicht viel möglich.

Ihr Fernsehkonsum hat sich also erhöht?

Ja, schon (lacht). Erheblich sogar. Ich habe viel mehr Filme und Serien geguckt als sonst und auch mehr gelesen, als ich es normalerweise schaffen würde. Was soll man auch machen, wenn man abends nicht rausgehen und Freunde treffen kann?

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SWR/Sabine Hackenberg


Viele Menschen kochen auch viel häufiger als sonst.

Das machen mein Freund und ich sowieso. Wenn ich nicht drehe, wird bei uns immer gemeinsam gekocht und gut gegessen, das haben wir einfach weitergemacht. Ich kenne ja diese Phasen, in denen ich viel zu Hause bin – neu war für mich, in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu sein und nicht rausgehen und Leute treffen zu können.

Was hat Sie mehr genervt – dass die Friseure geschlossen hatten oder die Museen?

Die Museen. Meine Haare kann ich mir im Zweifelsfall selbst schneiden, oder ich frage meinen Freund, ob er das übernimmt. Spitzen zu schneiden ist ja nicht so kompliziert. Ich hab auch meinem Freund die Haare geschnitten, das hat gut geklappt.

Haben Sie sich denn an alle Regeln gehalten oder sind Sie hier und da auch mal über den Zaun gesprungen?

Wir haben uns schon an alle Regeln gehalten. Es war ja auch für die Politiker das erste Mal, dass Sie mit so einer Situation konfrontiert sind, und ich habe das respektvoll befolgt, es ernstgenommen und mich daran gehalten. Man musste sich ja nur die erschreckenden Bilder aus Italien und Spanien anschauen und bin sehr froh, dass es in Deutschland nicht so weit gekommen ist und hoffentlich auch so bleibt. Das war ja nur so, weil die Leute mit den Maßgaben verantwortungsvoll umgegangen sind.

Ihr Berufsstand ist durch ausfallende Theatervorstellungen und nicht stattfindende Dreharbeiten besonders hart getroffen. Bei vielen Schauspielern geht das Konto beängstigend auf Talfahrt, manche wissen schon nicht mehr, wie sie im Sommer die Miete bezahlen sollen. Wie dramatisch ist es bei Ihnen?

Ich habe ja das Glück, dass ich durch den Tatort quasi eine feste Rolle beim SWR habe und vertraglich für eine gewisse Zeit gut abgesichert bin. Da habe ich die Sicherheit, dass wieder was kommt und es weitergeht. Wenn das Jahr komplett ausfällt, weiß ich, dass da noch der SWR ist. Das ist natürlich ein großes Privileg, deswegen kann ich relativ gelassen bleiben.

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SWR/Sabine Hackenberg


Und rein psychisch? Fehlt Ihnen die Arbeit?

Natürlich würde ich gerne mal wieder loslegen, mein Lebensstil besteht ja aus Reisen, unterwegs sein, dem Kontakt zu anderen Menschen und engen, wenn auch kurzfristigen Arbeitsverbindungen, wenn man sechs oder acht Wochen zusammen dreht. Das fehlt mir.

Welche Voraussetzungen müssen Ihrer Ansicht nach erfüllt sein, damit wieder gedreht werden kann? Man kommt sich ja zwangsläufig sehr nahe, sei’s in der Maske oder beim Spielen.

Ich hoffe sehr, dass man sich vor einem Dreh testen kann, damit die Schauspieler wissen, ob sie infiziert sind oder nicht. Wir können ja nicht mit Mundschutz drehen, das wäre totaler Quatsch. Also muss das Vertrauen in die Gesundheit der anderen gegeben sein. Was mit Fußballern geht, sollte auch mit Schauspielern möglich sein. Die Leute brauchen ja auch Filme und Unterhaltung, sie brauchen das Fernsehen und auch den Tatort. Da müssen wir nachliefern und können nicht nur spazieren gehen.

Apropos Tatort: Sie gehören seit 2014 zum Team in Ludwigshafen und haben schon als Jugendliche die Krimis mit Lena Odenthal regelmäßig geguckt. Ist es nicht ein bisschen unwirklich, jetzt mittendrin zu sein?

Ja, am Anfang musste ich am Set immer lachen, wenn ich neben den Kommissaren stand. Ich habe Ulrike Folkerts mehrfach gesagt: Kneif mich mal, ich hab gar nicht das Gefühl, dass das hier gerade tatsächlich stattfindet. Ulrike macht das ja schon seit 30 Jahren, und ich bin 35 – ich war also fünf, als sie ihren ersten Tatort gedreht hat. Das ist schon abgefahren. Aber es ist auch toll, denn es passiert nicht oft, dass man mit so einer erfahrenen Kollegin drehen darf. (So war der letzte Tatort mit Lisa Bitter und Ulrike Folkerts)

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SWR/Sabine Hackenberg


Es war ja nicht so, dass Sie immer schon Schauspielerin werden wollten – obwohl Ihre Mutter sehr theaterbegeistert ist. Die ist auch schon mal von Herzogenaurach nach Hamburg gefahren, weil sie sich da eine Vorstellung ansehen wollte.

Ja, sie ist wirklich eine total begeisterte Theatergängerin und hat mich natürlich auch immer mitgezerrt. Ich habe also immer schon im Theater gesessen und es als ganz normal empfunden, dass es auch mal krass zugeht. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass ich mal als Kind in der ersten Reihe saß, meine Mutter hinter mir und auf der Bühne gab“s ein Königsdrama mit ausgestochenen Augen und anderen horrormäßigen Szenen. Ich hätte aber nie gedacht, dass das mal mein Beruf werden könnte.

Als Jugendliche haben Sie Leistungssport betrieben, vor allem Leichtathletik. Sie waren sogar mal süddeutsche Jugendmeisterin im Siebenkampf. Was waren Ihre Paradedisziplinen?

Ich war ziemlich gut in Wurf- und Sprungdisziplinen, aber wichtiger für den Siebenkampf war es, ausgeglichen gut zu sein und in keiner Disziplin so richtig schlecht.

Haben Sie noch ein paar Bestleistungen parat?

Bestzeiten nicht mehr, aber den 400 Gramm-Speer habe ich knapp über 40 Meter weit geworfen. Das war schon ganz gut.

Studiert haben Sie aber erst mal Biologie, wenn auch nicht lange. Was hatten Sie damit vor?

Ich war in der Schule immer in den Naturwissenschaften ganz gut. Pathetisch gesagt: Mich hat das Wunder des Lebens fasziniert, und es fasziniert mich bis heute. Ich wollte da tiefer einsteigen und habe dann aber festgestellt, dass die Organisation des Studiums und das viele Sitzen nichts für mich sind. Als Naturwissenschaftler verbringt man sein Leben im Sitzen – in Vorlesungen, Bibliotheken, Seminaren, Laboren und am Schreibtisch. Da spielt mir mein Körper einen Streich, das halte ich gar nicht aus. Ich brauche die Bewegung und bin lieber unterwegs.

Deswegen haben es fechtende Schauspielschüler, die Sie in Leipzig später durchs Fenster der Schauspielschule beobachteten, Ihnen vermutlich angetan.

Ganz genau. Ich kam da vorbeigeradelt und dachte: Was für ein Luxus – ein Studium mit Akrobatik, Fechten und Rumspringen. Das wollte ich auch machen.

War Ihre Mutter nicht total begeistert, dass Sie zur Schauspielerei umgeschwenkt sind?

Ja, sie war sehr begeistert, meine Eltern sind dann später auch zu jeder Premiere nach Stuttgart ins Theater gekommen und haben sich alles angeschaut, was ich da gespielt habe. Jetzt drehe ich ja mehr und spiele nicht mehr Theater, das finden sie beide ein bisschen schade.

Sie waren fünf Jahre in Stuttgart am Theater und sind dann direkt Tatort-Kommissarin geworden. War das ein Karrieresprung in eine andere Welt?

Es war auf jeden Fall der Sprung in diese Dreh-Welt, ins Film- und Fernsehgeschäft, das sich schon sehr stark von der Theaterwelt unterscheidet, die ich bis dahin kannte. Das verankert mich ganz anders, ich bin jetzt regelmäßig in einem großen Format mit einem sehr großen Publikum zu sehen – das ist karrieretechnisch auf jeden Fall nicht verkehrt.

Werden Sie mittlerweile auf der Straße erkannt, wenn Sie in München aus dem Haus gehen?

Glücklicherweise nicht so oft. Mir passiert es häufiger, dass die Leute zweimal gucken, weil sie mich zwar erkennen, aber es nicht checken, woher sie mich kennen. Das ist, als hätten sie so eine Schleppschaltung im Kopf – ich lächele dann und gehe schnell weiter.

Sie haben mal einen tollen Satz gesagt: „Das Hamsterrad sieht von innen auch aus wie eine Karriereleiter.“ Wie haben Sie das genau gemeint?

(lacht) Ich weiß gar nicht mehr, in welchem Kontext ich das gesagt habe. Aber der Satz kann einem immer wieder verdeutlichen, dass es im Leben nicht nur auf Karriere ankommt und man nicht nur alles tun sollte, um weiterzukommen. Es geht für mich auch um andere Dinge. Natürlich ist es mir wichtig, dass ich mich künstlerisch und finanziell ernähren kann, dafür versuche ich Sorge zu tragen, und dafür bin ich auch ehrgeizig. Aber die Gesellschaft gibt vor, dass der Beruf identitätsstiftend sein sollte oder vielleicht sogar muss – ich halte es aber für wichtig, für sich auch Werte festzulegen, die nicht nur innerhalb des Hamsterrades stattfinden. Der Beruf sollte nicht das Einzige sein, es gibt auch noch ein Privatleben, in dem man sich verankern sollte. Gerade in meinem Beruf weiß doch niemand, was nach dieser Corona-Krise übrig ist.

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imago images André Poling


Die Johanna Stern in Ludwigshafen war ja gar nicht Ihre allererste Tatort-Rolle. Sie waren vorher schon mal die Leiche in Leipzig.

Ja, da war ich noch Studentin in Leipzig an der Schauspielschule. Damals kam diese große Anfrage vom Leipziger Tatort für die Folge „Todesbilder“, die im Januar 2012 gezeigt wurde. Ich war nicht nur die Leiche, sondern hatte vorher sogar noch zwei, drei Spielszenen. Ich habe eine Braut gespielt, die an ihrem Hochzeitstag ganz furchtbar gemeuchelt wurde.

Von so einer Rolle als Tatort-Leiche träumen ziemlich viele Fans.

Ja, unbedingt! Mich sprechen heute oft Leute an, die sagen: Lisa, ich will so gern mal die Leiche sein. Die wissen gar nicht, was das bedeutet. Es ist so schrecklich, man muss stundenlang da rumliegen. Das Schlimmste, das einem passieren kann, ist es, eine Wasserleiche zu sein – da muss man sich auch noch ins kalte Wasser legen. Wenn’s schiefläuft, drei Tage hintereinander. Tatort-Leiche zu sein ist wirklich mühsam. Gut, dass es immer noch so viele Leute machen wollen – wenn’s keiner täte, hätten wir auch ein Problem (lacht).

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imago images/André Poling


Sie hatten zwar einige Folgen zusammen mit Andreas Hoppe als Kopper, waren am Ende dann aber seine Nachfolgerin. Und Sie haben mal gesagt, seine Fußstapfen wären so groß gewesen, dass Sie sich hätten reinlegen können.

So war es ja auch. Aber zunächst war ja mal eine Dreier-Konstellation geplant, meine Rolle war nicht darauf ausgelegt, eine Nachfolge anzutreten. Als Andreas Hoppe dann ausgestiegen ist, war klar, dass wir zu zweit bleiben. Eigentlich möchte ich dieses Wort Nachfolge gar nicht in den Mund nehmen, weil etwas Neues in etwas sehr Altem stattfinden sollte, was natürlich in sich ein Widerspruch ist. Man kann Andreas Hoppe und mich ja gar nicht miteinander vergleichen. Ich war so etwas wie die Neue, und so etwas ist für viele Leute erst mal schwer zu akzeptieren. Man braucht dann einen langen Atem und muss auf eine Offenheit vertrauen, die sich irgendwann einstellen wird. Ich krieg das aber auch gar nicht so richtig mit, weil wir während des Drehs ja keine Zuschauer haben. Und wenn mir mal jemand sagt, den Andreas Hoppe aber er aber gerne gesehen, kann ich vollen Herzens zustimmen, mir geht es auch so.

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SWR/Alexander Kluge


Viele Darsteller von Kommissaren gucken gar nicht so oft Tatort – bei Ihnen ist das anders, oder?

Ich gucke absolut regelmäßig Tatort, auch weil mein Freund ein Riesen-Tatort-Fan ist. Ich bin eigentlich viel schneller bereit, auch mal zu sagen: Das Thema interessiert mich jetzt nicht so, lass uns was anderes gucken. Aber er sagt dann: Nein, das ist Tatort, lass uns den gucken.

Welchem Team sehen Sie am liebsten zu?

Ich schau sehr gern den Münchnern zu, die beiden finde ich einfach super. Auch die letzten Fälle – immer cool, immer aktuell, richtig toll. Die Dortmunder sehe ich auch sehr gern, und die neuen Dresdner Girls finde ich auch cool. Das neue Team in Saarbrücken hat mir aber auch sehr gut gefallen. (So war der erste Tatort mit dem neuen Saarbrücker Team)

Die Lisa Bitter gibt’s aber nicht nur als Tatort-Kommissarin, sondern ab 29. Mai auch als Richterin Dr. Julia Kellermann in der Amazon-prime-Serie „Der Beischläfer“.

Der Titel klingt erst mal ein bisschen nach Softporno…(lacht) Mir ging’s auch so – im ersten Moment, als ich das Buch bekam, dachte ich: Was ist das denn? Aber wenn man dann weiß, worum es geht, ist es doch ein richtig charmanter Titel. Mittlerweile denke ich gar nicht mehr an etwas Schlüpfriges, merke es aber an der Reaktion von Leuten wie meinem Vater, die den Titel zum ersten Mal hören und fragen: Was hast du gerade gesagt?

Sie spielen im Tatort eine Kommissarin und in „der Beischläfer“ eine Richterin. Fühlen Sie sich ganz wohl auf der guten Seite des Gesetzes oder hätten Sie gerne auch mal eine richtig üble Schurkenrolle?

Eigentlich schon, aber ich habe immer das Gefühl, dass sich das bei mir keiner vorstellen kann. Sobald man einmal Kommissarin im Tatort ist, spielt man nie wieder die Mörderin. Aber es muss auch nicht sein. Mir gefallen Figuren, deren Berufe mit einer bestimmten Kleidung verknüpft sind. So wie Ärzte im weißen Kittel – ich hab auch schon eine Ärztin gespielt. Oder jetzt die Richterin mit ihrer Robe. Schade, dass die Tatort-Kommissarin keine Uniform trägt. Durch so eine Berufskleidung gibt es noch eine zusätzliche Ebene, da schwingt noch etwas mehr mit.

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Amazon and its affiliates


Sie haben den „Beischläfer“ komplett in München gedreht – drehen Sie gerne da, wo Sie wohnen, oder ist Ihnen eine gewisse Distanz lieber?

Ich war so glücklich, dass ich in München drehen durfte. Perfekt, endlich mal zu Hause drehen, nicht reisen müssen, kein ICE von innen, wie erholsam! Und dann habe ich aber nach und nach gemerkt: Es hat auch etwas für sich, wenn man nicht zu Hause ist. Weil man dann eben nicht noch morgens schnell Wäsche waschen und Katze füttern muss, sich dabei verhebt und plötzlich erschrickt: O Gott, ich werde gleich abgeholt. Und dann sitzt man im Auto und denkt: Moment mal, was drehen wir heute noch mal? Wenn ich woanders bin, habe ich den Kopf einfach frei, bin nicht durch alltägliche Dinge abgelenkt und kann mich nur auf den Dreh konzentrieren.

Sie sind Ihres Freundes wegen nach München gezogen, geben mittlerweile aber regelmäßig Liebeserklärungen an die Stadt ab.

(lacht) Am Ende komme ich ja doch aus Bayern, wenn auch aus Franken, und bin schon in meiner Kindheit sehr viel hier im Raum München gewesen. Ich bin quasi in den Alpen großgeworden und war mit meinen Eltern jeden Sommerurlaub zum Wandern in den Bergen. Das habe ich jetzt alles wieder. Mit 18 bin ich weggerannt und wollte das alles überhaupt nicht mehr haben – das war auch okay. Man muss manchmal wohl weggehen um zu entdecken, was die Heimat alles bereithält. Und das ist mit der Rückkehr nach Bayern und München alles wieder in mir hochgeschwappt. Jetzt bin ich wirklich sehr glücklich, hier zu sein, und weine Berlin keine Träne nach, auch wenn“s eine wunderbare, aufregende Stadt ist. Hier schnapp ich mir mein Rennrad, fahre los, bin sofort im Grünen, gucke auf die Alpen und gehe ins Gebirge – diese Natur hier macht mein Leben reich und schön.

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imago images André Poling


Als Richterin Kellermann haben Sie große Probleme bei der Wohnungssuche und bezeichnen München in einer Szene als „verdammte Miethölle“, in der man kaum etwas Bezahlbares finden könne, das kein Wohnklo ist. Wie hat“s denn bei Ihnen mit der Wohnungssuche ausgesehen?

Wir hatten einfach großes Glück und sind an einem guten Ort mit viel Platz gelandet. Aber es ist natürlich ein anderer Schnack als anderswo. Als ich aus Berlin weggezogen bin, wurde es da auch schon ein bisschen enger, aber hier in München ist es wirklich noch mal schlimmer. Ich habe das wieder mitgekriegt bei Kollegen, die hier ans Residenztheater gekommen sind und echt verzweifelt waren. Am Ende haben Sie auch was gekriegt, aber es dauert halt, man braucht sehr viel Geduld.

„Der Beischläfer“ ist mit sechs Folgen à 30 Minuten eher eine Minserie, die man locker mal an einem Abend weggucken kann. Sind Sie so etwas wie ein Serien-Junkie? Was war Ihr größter Serien-Exzess?

Ich habe die „Sopranos“ nächtelang durchgeglotzt. Damals begann das ja gerade erst mit dem Seriengucken, da konnte man noch nicht so gut damit umgehen. Mit 18 habe jeden Dienstagabend wie blöde auf Pro Sieben auf die eine kurze Folge „Sex and the City“ gewartet – und nun konnte man alles immer gucken. Da habe ich die „Sopranos“ bis morgens um vier geguckt – ohne zu verstehen, was mir da passiert. Mittlerweile kann ich damit besser umgehen, auch wenn ich mich bei „The Crown“ auch kaum noch stoppen konnte. Gerade gucken wir „Fauda“, eine israelische Serie auf Netflix – ich bin tatsächlich zum totalen Serienfan mutiert und gucke drei Serien, bis ich in einen Film gucke.

Aber den Tatort.

Ja, den Tatort. Der muss sein.

Lisa Bitter

wird 1984 in Erlangen als Tochter einer Erzieherin und eines Maschinenbauingenieurs geboren und wächst zusammen mit einem Bruder im fränkischen Herzogenaurach auf. Als Schülerin besucht sie nicht nur die Theater-AG, sondern widmet sich vor allem der Leichtathletik und wird süddeutsche Jugendmeisterin im Siebenkampf.

Nach dem Abitur studiert sie kurz in Düsseldorf Biologie, dann Kulturwissenschaften und Journalistik in Leipzig und wechselt dort schließlich an die Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy, wo sie sich von 2004 bis 2009 zur Schauspielerin ausbilden lässt.

Von 2009 bis 2013 hat sie ein festes Engagement am Staatstheater in Stuttgart, übernimmt aber auch schon erste Filmengagements wie eine Hauptrolle in Sönke Wortmanns Kinofilm „Das Hochzeitsvideo“ (2011). 2014 ist sie dann erstmals als Fallanalytikerin Johanna Stern im Ludwigshafener Tatort an der Seite von Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) zu sehen. Seit 2018 bildet sie nach Hoppes Ausstieg ein Duo mit Ulrike Folkerts, deren Tatort-Auftritte sie schon als Jugendliche im Fernsehen verfolgt hat. Wie bei vielen Formaten wurden auch die Dreharbeiten zum nächsten Ludwigshafener Tatort wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres verschoben.

Ab 29. Mai ist Lisa Bitter in der Rolle der Richterin Julia Kellermann in der unterhaltsamen Amazon-prime-Serie „Der Beischläfer“ zu sehen. Darin geht es um einen chaotischen Automechaniker (Markus Stoll), der gegen seinen Willen zum Schöffen (Beisitzer) berufen wird und mit der strengen Richterin in so manchen Konflikt gerät.

Nach mehreren Jahren in Berlin lebt Lisa Bitter mittlerweile zusammen mit ihrem Freund in München.

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