Warum er im Tatort immer gesungen hat : 74 Jahre als Schauspieler: Jetzt gibt Charles Brauer den Bismarck

Otto von Bismarck (Charles Brauer) im NDR-Dokudrama 'Unsere Geschichte - 125 Jahre Nord-Ostsee-Kanal'.
Otto von Bismarck (Charles Brauer) im NDR-Dokudrama "Unsere Geschichte - 125 Jahre Nord-Ostsee-Kanal".

Der Mann ist ein Phänomen: Seit unglaublichen 74 Jahren arbeitet Charles Brauer als Schauspieler. Populär wurde er vor der Jahrtausendwende als singender Hamburger Tatort-Kommissar, am nächsten Donnerstag (11. Juni, 21.45 Uhr) ist er als Otto von Bismarck im sehenswerten Dokudrama „Unsere Geschichte: 125 Jahre Nord-Ostsee-Kanal“ im NDR Fernsehen zu sehen. Die Corona-Zeit verbringt er in seinem Haus in einem kleinen Schweizer Dorf bei Basel – und freut sich schon wieder auf die Arbeit danach. Am Telefon erzählt er aus seinem spannenden Leben:

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04. Juni 2020, 14:30 Uhr

Osnabrück | Herr Brauer, ich erreiche Sie in Ihrem Haus in einem 800-Seelen-Dorf bei Basel.

Ja, hier lebe ich mittlerweile seit 35 Jahren. Hier im Ort bin ich seit 1985 und in diesem Haus seit 23 Jahren.

Eigentlich sind Sie doch eine Berliner Großstadtpflanze.

Das ist richtig, und arbeitsmäßig habe ich mein ganzes Leben auch in Großstädten verbracht. Dass ich hierhergezogen bin, hatte mit einer Frau zu tun: Ich war mit der Schauspielerin Lisi Mangold zusammen, wir beide waren lange an den Kammerspielen in München. Und als wir dort aufhörten, war die Frage, wo wir hingehen – uns war klar, dass wir beide nicht in München bleiben wollten. Sie hatte hier in ihrem Heimatdorf ein Haus, das haben wir umgebaut und als festen Anlaufpunkt für uns beide genommen. Ein halbes Jahr später ist sie dann mit 35 an Krebs gestorben.

Aber Sie sind dennoch im Dorf geblieben.

Ja, das war schon eine Entscheidung fürs Leben. Erst mal bin ich in diesem Haus geblieben, und dann kam meine jetzige Frau in mein Leben: Lilot Hegi, die zufälligerweise auch Schweizerin ist und dazu Bühnenbildnerin. Wir sind dann erst mal in Lisis Haus geblieben, ich habe Miete an die Eltern bezahlt, bis wir dann irgendwann unser eigenes Haus hatten.

Ist es Ihnen als Großstädter nie schwergefallen, in so einem kleinen Dorf zu leben?

Nö. Ich war ja mein ganzes berufliches Leben wochen- und monatelang nicht zu Hause. Meine Arbeiten waren meist in Hamburg, München oder Berlin, und auch meine Frau hat ihre Karriere in Deutschland gemacht und dort an allen möglichen Theatern gearbeitet. Das reichte uns vollkommen. Die Zwillinge aus meiner Ehe mit Witta Pohl leben in Berlin, meine Mutter ist in Berlin sehr alt geworden, ich habe auch in Berlin immer wieder Theater gespielt. Ich bin in Berlin großgeworden, aber ich habe dort nie eine Wohnung gehabt - abgesehen von denen, die ich wegen eines Engagements mal für zwei Monate gemietet hatte.

Wie sieht’s in Ihrem Dorf denn so aus – gibt’s noch einen Laden oder eine Gastwirtschaft?

Hier gibt’s eigentlich gar nichts – keinen Friedhof, keine Kirche, keinen Bahnhof. Es gab einen Bäcker, so etwas wie einen Bäcker mit Tante-Emma-Laden, der hat aber schon vor 25 Jahren dichtgemacht. Und es gab mal eine sehr nette Kneipe, da war später alles Mögliche drin – ein Chinese, ein Balkangrill, hat alles nicht funktioniert. Aber Sie dürfen nicht vergessen: Es sind ja nur 25 Kilometer bis Basel. Wenn Sie in Berlin-Dahlem eine Wohnung haben und wollen abends ins Kino, brauchen Sie mindestens eine Dreiviertelstunde – länger bin ich hier zum Kino auch nicht unterwegs. Wenn ich einkaufen will, laufe ich eben zum nächsten Dorf. Und ich laufe auch zum Bahnhof, das sind 20 Minuten, dann bin ich zehn Minuten später in Basel. Und wir haben natürlich ein Auto, das Lilot fährt.

Konnten Sie sich denn von Ihren Gagen in Deutschland immer den Schweizer Lebensstandard leisten?

Bei Ihnen ist ja alles erheblich teurer.Ja, das ging immer. Obwohl es in den letzten Jahren durch den schwachen Euro schwieriger geworden ist. Mittlerweile ist der Wechselkurs von Euro und Franken ja fast eins zu eins – das ist natürlich doof für mich, weil ich nur Euros verdiene und auch meine Rente in Euro bekomme. Aber ich habe immer aufgepasst in meinem Leben – es geht alles wunderbar.

Bei unserem Vorgespräch sagten Sie, dass Sie sich wegen Corona in Quarantäne befinden.

Ich gehöre ja in meinem Alter zur Risikotruppe – deshalb haben meine Frau und ich beschlossen, das jetzt auch konsequent zu beachten und zu Hause zu bleiben. Wir haben uns keine Sekunde gelangweilt, sondern ganz viele Dinge getan, die ich immer vor mir hergeschoben hatte.

Zum Beispiel?

Da waren jede Menge Fotos, Briefe und Öffentliches, was sich in meinem Leben angesammelt hatten – das ist jetzt alles in allerfeinster Ordnung. Das macht allein deshalb schon Sinn, weil es irgendwann eine Biografie von mir geben wird. Und darüber ist viel Zeit vergangen. Dazu hatten wir einen wahnsinnig schönen April, wir haben einen Garten und den Wald vor der Nase. Eine Freundin hat für uns einmal die Woche eingekauft, meine Frau kocht gut und gerne, der Weinkeller ist auch noch gut gefüllt – wir haben also eine geradezu luxuriöse Situation.

Sie machen in Ihrem Dorf seit vielen Jahren immer am ersten Sonntag im Januar eine Lesung im Gemeindehaus. Wird es die auch 2021 geben?

Das mache ich auch schon seit 25 Jahren. Und das wird’s auch im nächsten Jahr geben. Ich gehe mal davon aus, dass wir keine hoffentlich zweite und dritte Corona-Welle erleben. Und solange ich noch das Buch und in der anderen Hand ein Glas Wein halten kann, wird es auch die Lesung geben (lacht).

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imago images/stock&people/Christian Schroedter


Sie sind immerhin in einem Alter, in dem andere schon seit 20 Jahren Rente beziehen.

Das tue ich ja Gott sei Dank auch seit 20 Jahren. Aber es ist ja das Schöne an diesem Beruf, dass man immer weitermachen kann, wenn die Birne noch funktioniert, man Lust und Spaß daran hat und auch noch gefragt wird. Dann kann man auch den ollen Bismarck spielen.

Auf den wollte ich gerade zu sprechen kommen. Dass Sie den noch mal in einem Dokudrama darstellen werden, hätten Sie wahrscheinlich auch nicht gedacht, oder?

Ganz sicher nicht. Ich verrate ja kein Geheimnis, wenn ich Ihnen erzähle, dass es für diese Art von Produktionen so gut wie kein Geld gibt. Und wenn mich nicht der mit mir befreundete Regisseur Torsten Wacker darum gebeten hätte, dann hätte ich auch garantiert nicht mitgemacht. Aber so habe ich mich dann reingehängt – und was Sie jetzt im Film von mir an Text hören, ist auch von mir geschrieben.

Sie haben als Bismarck in jeder Szene eine dicke Zigarre im Mund.

Das war auch mein Vorschlag gewesen. Als Zigarrenraucher hatte ich mir auch selbst welche mitgebracht, weil ich dachte: Die arme Firma, wer weiß, was für Zigarren die da anschleppen? Natürlich hatte ich nicht daran gedacht, dass ich vier Stunden lang ununterbrochen dran bin. Am Ende war ich heilfroh, dass die Produktionsfirma Brasil-Zigarren besorgt hatte, die viel leichter sind als meine Cubana. Mit denen bin ich gut über die Zeit gekommen – hätte ich meine eigenen geraucht, wäre mir wohl ziemlich schwindelig geworden.

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NDR/jumpmedientv GmbH


Springen wir mal 74 Jahre zurück – so lange ist es her, dass Sie Ihre erste Filmrolle gespielt haben: 1946 in „Irgendwo in Berlin“. Sie sind damals in der Straßenbahnlinie 74 entdeckt worden. Von wem?

Das war Gerhard Lamprecht, ein ziemlich berühmter Regisseur, der mich anquatschte, als ich aus der Straßenbahn stieg. Er hatte schon zum Beispiel 1932 Erich Kästners „Emil und die Detektive“ verfilmt, war bei den Nazis aber nicht geduldet und hatte wenig Arbeit. Deshalb wurde er sofort nach dem Krieg von der ostdeutschen Filmfirma DEFA angefragt. Er hatte ein Drehbuch geschrieben, in dem es um die Berliner Trümmerkinder ging. Das war erst der dritte deutsche Nachkriegsfilm überhaupt, die Premiere war am 18. Dezember 1946.

Wie ist er ausgerechnet auf Sie gekommen?

Er hatte mich vorher schon mal gesehen – ich war ihm aufgefallen, weil ich eine himmelblaue Samtmütze trug. Beim ersten Mal bin ich ihm entwischt, aber dann hat er mich an der Samtmütze in der 74 wiedererkannt und angesprochen. Diese Mütze habe ich übrigens gehasst. Mein Vater hatte sie aus einem Urlaub in Frankreich mitgebracht. Als meine Mutter und ich nach unserer Evakuierung aus dem Erzgebirge wieder zurück waren in Berlin, war es nun mal die einzige Mütze, die ich noch besaß, und es war ein sehr kalter Winter. Gerhard Lamprecht hat mit uns Kindern so etwas wie einen Workshop gemacht, um zu sehen, wie begabt wir sind – und ich habe eine Boxreportage geliefert. Es hatte schon Ende 45 die ersten Boxsport-Veranstaltungen gegeben – dazu hatte mein Vater mich mitgenommen. Das hat Lamprecht offenbar gefallen, dadurch kam ich quasi zu dieser Hauptrolle.

Waren Ihre Eltern nicht entsetzt, dass ein fremder Mann Sie an der Straßenbahn angesprochen hatte?

Überhaupt nicht. Lamprecht war wirklich sehr nett, aber als er mich fragte, ob ich zum Büro der Filmfirma mitgehen würde, habe ich das natürlich nicht gemacht. Ich habe ihm meine Adresse gegeben, und er wollte einen Aufnahmeleiter schicken. Meine Mutter lachte sich halb tot, als sie die Geschichte hörte. Aber am nächsten Tag stand der Aufnahmeleiter bei uns vor der Tür.

Hat es sich für Sie nicht total unwirklich angefühlt, als Elfjähriger so kurz nach dem Krieg plötzlich eine Hauptrolle in einem Film zu bekommen?

Unwirklich eigentlich nicht, aber es war natürlich spannend und interessant. Ich hab sogar zwar einen Zweijahresvertrag bei der DEFA gekriegt. Das Geld war nicht so wichtig, es war ja nicht so viel wert. Ein Pfund Butter zum Beispiel kostete damals auf dem schwarzen Markt 800 Mark, meine Gage für den Film waren 1500 Mark.

Also zwei Pfund Butter.

(lacht) Wenn Sie so wollen. Mein Vater ist dann irgendwann mal hingegangen und hat gesagt: Wir versuchen, dem Jungen jeden Morgen ein Stück Wurst auf die Stulle zu tun. Daraufhin haben sie noch mal 500 Mark draufgelegt, das war natürlich lächerlich. Aber ich war elf und kriegte als Kind die beste Lebensmittelkarte, die Schwerarbeiter und Künstler bekamen. Meine Eltern hatten die mieseste Karte, also konnte ich die Familie ein bisschen mitversorgen. Und es ging ja dann auch gleich weiter – ich habe bis zu meinem 15. Lebensjahr sehr viel Theater gespielt und dann so langsam überlegt, ob daraus vielleicht ein Beruf werden könnte.

Und haben sich dafür entschieden.

Mit 17 habe ich den Film „Kampf der Tertia“ gedreht, da habe ich lauter Schauspielschüler kennengelernt. Ich wusste bis dahin ja gar nicht, was eine Schauspielschule ist. Aber dann gab„s ein Vorsprechen bei Hilde Körber in Berlin, die mich auch probeweise aufgenommen hat. Ich bin mitten im Schuljahr aus der zehnten Klasse raus - das Einjährige, wie die Mittlere Reife damals hieß, haben sie mir quasi nachgeschmissen. Zum Glück hatten wir einen tollen Schuldirektor, der viel Verständnis für mich aufbrachte.

Eigentlich heißen Sie ja Charles Knetschke und haben sich dann irgendwann den Mädchennamen Ihrer Mutter als Künstlernamen zugelegt.

Nicht nur zugelegt, sondern bei der Hamburger Innenbehörde auch richtig dafür bezahlt. In meinem Pass steht seitdem nur dieser Name.

Warum haben Sie Ihren Namen geändert?

Das hat wieder mit dem „Kampf der Tertia“ zu tun. Regie führte damals Erik Ode, der ja später sehr bekannt wurde als „Der Kommissar“. Der nahm mich mal irgendwann beiseite und sagte: Charly, was willst Du denn mit dem Namen in dem Beruf werden? Du kannst Dich vielleicht Karl Knetschke nennen und dann ne Komikerkarriere machen. Überleg Dir das mal. Ich habe dann mit meinen Eltern darüber gesprochen, die hatten keine Einwände und ich habe mir erst mal den Künstlernamen Brauer gegeben. Mit 18 bin ich dann nach Hamburg gegangen - und 20 Jahre geblieben. Weil es mit den zwei Namen beim Finanzamt und anderen Behörden kompliziert war, habe ich schließlich die Namensänderung beantragt. Das kostete mich damals 180 Mark, ein Drittel meiner Monatsgage am Hamburger Schauspielhaus.

Charles Brauer (Mitte) in der TV-Serie 'Familie Schölermann' (1954 - 1960). Foto: Roba/RobaxArchiv UnitedArchives
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Charles Brauer (Mitte) in der TV-Serie "Familie Schölermann" (1954 - 1960). Foto: Roba/RobaxArchiv UnitedArchives


Nächstes Jahr sind Sie unfassbare 75 Jahre im Beruf – und Ihre vermutlich populärste Rolle war die des singenden Hamburger Tatort-Kommissars Peter „Brocki“ Brockmöller an der Seite von Manfred Krug. War es auch Ihre wichtigste Rolle?

Natürlich war es eine sehr wichtige Rolle, aber die wichtigste? Es ist nun mal so, dass die Popularität, die man durch solche Rollen bekommt, Konsequenzen auch für ganz andere Bereiche des Berufs hat. Keine Sau hätte mich gefragt, ob ich John Grishams Romane als Hörbücher einlese, wenn ich nicht Tatort-Kommissar gewesen wäre. Grisham galt ja als Thrillerautor, und die Hörbücher verkaufen sich bis heute sehr gut, sonst würde ich es ja auch nicht mehr machen. Sie können der tollste Schauspieler in München oder in Hamburg sein – wenn man Ihre Nase nicht aus dem Fernsehen kennt, machen Sie zum Beispiel keine Theatertournee, weil Sie zum Beispiel in Bottrop niemand kennt.

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dpa/Wolfgang Langenstrassen


Mit Manfred Krug zusammen haben Sie in der mittlerweile 50-jährigen Tatort-Geschichte ja das Alleinstellungsmerkmal, zwei singende Kommissare gewesen zu sein. Wer ist eigentlich auf diese Idee gekommen?

(lacht) Manfred und ich haben uns sehr schnell angefreundet, sonst wäre das auch nicht über 16 Jahre gegangen. Ich wusste von ihm, dass 50 Prozent seiner Arbeit in der DDR mit Musik zu tun hatte. Und dann kriegte er mit, dass ich genauso ein Jazzfreak war wie er. Ich hatte den großen Vorteil, im Westen gelebt zu haben und alle schönen Jazzplatten kaufen zu können – er nicht! Bei der vielen Warterei im Wohnwagen oder sonstwo haben wir immer viel rumgeträllert. Irgendwann sagte unsere damalige Fernsehspielchefin: „Warum nutzen wir das eigentlich nicht?“ Es wurde dann eingebaut in einen Tatort, der auf Neuwerk spielte, dieser Insel, von der wir nicht wegkamen. Wir waren ein bisschen angeschickert, Stoever setzte sich ans Klavier, spielte „Somewhere over the Rainbow“ und war ganz überrascht, dass Brocki nicht nur den Text wusste, sondern auch die Töne traf. Die Leute haben es geliebt und später sogar darauf gewartet, auch wenn es immer nur eine Minute war, quasi eine Petitesse.

Foto: NDR/Manju Sawhney
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Foto: NDR/Manju Sawhney


Sie haben ja auch eine CD zusammen rausgebracht.

Irgendwann, wir waren schon bei den letzten Tatort-Drehs, haben wir dann bei Klaus Doldinger in München unsere CD aufgenommen. Am letzten Tag nahm mich Manfred in Doldingers Garten beiseite und meinte, dass wir uns sehr freuen könnten, wenn wir 25000 Stück verkaufen. Als dann die CD herauskam, schickte er mir ein Fax, in dem er schrieb: „Du, wir müssen uns an ein neues Wort gewöhnen – Charts.“ Und da waren wir plötzlich unter den Top Ten, vor den Toten Hosen und anderen Superjungs.

Foto: NDR/Manju Sawhney
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Foto: NDR/Manju Sawhney


Charles Brauer

wird am 3. Juli 1935 als Charles Knetschke in Berlin geboren. Sein Vater ist Musiker, spielt Schlagzeug und arbeitet in den unterschiedlichsten Berufen, seine Mutter ist Hausfrau. Nur kurze Zeit lebt der Junge mit seinem 14 Jahre jüngeren Bruder unter einem Dach. Als Elfjähriger wird er 1946 quasi auf der Straße vom Regisseur Gerhard Lamprecht entdeckt, für eine Hauptrolle im dritten deutschen Nachkriegsfilm „Irgendwo in Berlin“ engagiert und arbeitet fortan als Schauspieler in Film und Theater. Die Schule beendet er mit der mittleren Reife, eine Ausbildung an der Schauspielschule bricht er als 18-Jähriger wegen eines Engagements in Hamburg ab. Dort legt er auch seinen Familiennamen ab und nimmt den Mädchennamen seiner Mutter an.

1954 nimmt er am Deutschen Schauspielhaus unter Gustav Gründgens ein festes Engagement an und bleibt dem Hamburger Theater 20 Jahre lang treu. Von 1954 bis 1960 schreibt Brauer als Heinz Schölermann in der ersten deutschen TV-Familienserie „Familie Schölermann“ Fernsehgeschichte.

 Foto: Roba/Siegfried Pilz United Archives
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Foto: Roba/Siegfried Pilz United Archives


Sein ganzes Berufsleben lang fährt er zweigleisig, steht auf etlichen Theaterbühnen, dreht aber auch zahlreiche Filme und Serien. Besondere Popularität wird ihm zuteil, als er zusammen mit Manfred Krug von 1986 bis 2001 im Hamburger Tatort als die „Swinging Cops“ Stoever und Brockmöller (Brauer) zu sehen ist (Szenenfoto). Zudem tourt Brauer mit Lesungen, ist als Synchronsprecher tätig und spricht seit etlichen Jahren die Romane des amerikanischen Schriftstellers John Grisham als Hörbücher für den deutschen Markt ein. Im Juni wird er ausnahmsweise in Basel und nicht wie sonst in Köln den jüngsten Grisham-Roman einlesen. Bis heute ist Charles Brauer aktiv – am kommenden Donnerstag (11. Juni) ist er als Otto von Bismarck im Dokudrama „Unsere Geschichte – 125 Jahre Nord-Ostsee-Kanal“ des NDR Fernsehens zu sehen.

Von 1966 bis 1976 ist er mit der Schauspielkollegin Witta Pohl verheiratet, aus dieser Ehe gehen Zwillinge hervor. Anschließend ist er mit der Schauspielerin Lisi Mangold liiert und zieht mit ihr 1985 in deren Schweizer Heimatdorf bei Basel – wenig später stirbt Mangold 35-jährig an Krebs. Charles Brauer bleibt in dem kleinen Ort und lebt dort bis heute mit seiner zweiten Ehefrau, der Schweizer Bühnenbildnerin Lilot Hegi. Die beiden sind Eltern eines gemeinsamen Sohnes.

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