CD-Tipp der Woche : Wohlfühl-Pop im Disco-Stil

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An strenge Regeln halten sich "The Whitest Boy Alive" auf ihrem zweiten Album "Rules". Und sie beglücken die Freunde der tanzbaren Popmusik erneut mit minimalistisch-entspannten Songs.

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02. Oktober 2009, 03:27 Uhr

Die große Kunst des Weglassens. Man möchte kühn behaupten: niemand in dieser Republik beherrscht sie im weiten Segment Populärmusik aktuell so gut wie die Berliner Indie-Popband "The Whitest Boy Alive". Das Berliner Quartett mit dem norwegischem Frontmann Erlend Oye ("Kings Of Convenience") legt nach seinem zum nicht mehr ganz so geheimen Geheimtipp mutierten Debüt "Dreams" jetzt nach.
Für die Aufnahmen logierte man in einem Häuschen irgendwo am mexikanischen Strand - so ist es dem Promo-Material zu entnehmen. Essen und Surfen sorgten demnach bei den Jungs für Abwechslung. Über die Zusammensetzung der Speisen und die Qualität der Wellen ist nichts bekannt.
"Rules" heißt die Scheibe - und hart sind sie, die Regeln, denen sich "The Whitest Boy Alive" freiwillig unterwerfen. Alle Songs des Albums mussten jeweils komplett live in einem Stück eingespielt werden. Gesang, unverfremdete E-Gitarre, Bass, Schlagzeug, Rhodes-Orgel/Keyboard. Punkt. Dazu keinerlei Effekte oder nachträglich eingefügte Parts, einfach nichts, was live nicht als Quartett auch exakt so gespielt werden kann. Ein ebenso mutiges wie mit Idealismus behaftetes Unterfangen , das Profis erfordert, die auf den Punkt genau spielen können.
Das Ergebnis dieser "ehrlichen" Arbeit: Elf vollkommen unaufgeregte Songs eines die Seele streichelnden, intelligenten Wohlfühl-Pop im Disco-Stil. Diese entwickeln ihre wahren Qualitäten erst bei mehrfachem Lauschen, dann jedoch sehr nachhaltig. Im zumeist ausnehmend tanzbar groovenden mittleren Tempo bahnen Drums und Bass den Liedern ihren Weg. Zu dezenten Gitarrenmelodien liefert die Rhodes-Orgel warme Farbtupfer. Über alldem ertönt Oyes fragile Stimme, der in schlichten Bildern Tipps für ein besseres Leben gibt.
Das "The Whitest Boy Alive" nicht wegen der Kohle Musik machen, ist angesichts ihres Konzepts selbstredend. Wenn hier also einige der besten Nummern ganz ans Ende des Silberlings gestellt werden, darf das wohl getrost als Ausdruck totaler künstlerischer Freiheit verstanden werden.

"The Whitest Boy Alive" - "Rules" (Groove Attack)
Ry3WFtlDSco

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