"Google Ocean" : Wo Wasser nur manchmal transparent ist

Mit Googles Geo-Software "Google Earth" kann man jetzt auch abtauchen: Die neue Version 5.0 lässt virtuelle Reisen durch die Weltmeere zu. Durch Nord- und Ostsee allerdings noch nicht.

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17. Februar 2009, 12:29 Uhr

"In den Debatten über den Klimawandel werden die Weltmeere oft übergangen, obwohl sie in der Thematik eine entscheidende Rolle spielen", hat Google-Chef Eric Schmidt gesagt - und getan hat er, was so wahrscheinlich nur Google kann: Die virtuelle Weltkugel "Google Earth" mit virtuellen Weltmeeren versehen.
Mit der neuen Version 5.0 der Software, die ein Abbild der Erde aus einer Vielzahl von Satellitenfotos und ergänzenden Informationen zusammenbastelt, und der kleinen, schon mitgelieferten Erweiterung "Google Ocean" kann jeder Nutzer nun Tauchfahrten unternehmen - ohne seinen Schreibtisch verlassen zu müssen. Dazu gibt es Informationen, Bilder und sogar bisher unveröffentlichtes Videomaterial von Tauch-Legende Jacques Cousteau.
"Google Ocean" sei ursprünglich auf Anregung der Ozeanographin Sylvia Earle von der US-amerikanischen National Geographic Societey entstanden, hieß es. Die pochte darauf, dass die "Google-Erde" nun endlich auch vollständig werde: 70 Prozent des Planeten seien nunmal von Wasser bedeckt. Und die beherbergten 80 Prozent allen Lebens auf dem Globus.
Die Wasseroberflächen sind in der neuen "Google Earth"-Version nun transparent. Auf insgesamt 20 Layern finden sich dazu die passenden Informationen: von den Temperaturangaben des Meeres, den Wanderrouten vieler Großfische, Auswirkungen der Überfischung bis hin zu profanen Dingen wie Surf-, Kitesurf- und Tauchspots an den Küsten.
Abtauchen? Nicht an Schleswig-Holsteins Küsten
Ein großer Teil der zum Start bereitgestellten Informationen, Videos und Bilder stammen von Googles Partnern wie BBC Earth, der Marine Conservation Society und National Geographic. Und das führt leider dazu, dass das Wasser nicht an allen Stellen der Welt transparent ist: Abtauchen kann der Nutzer bisher vor allem vor den Küsten der USA, vor Hawaii oder am Great Barrier Reef in Australien. Hier bekommt er die volle Informationsvielfalt: Das kalifornische Monterey Bay Aquarium informiert über die Auswirkungen des Fischfangs auf das Ökosystem Meer, die Marine Conservation Society bietet eine Übersicht über "Fish to eat". Eine historische Meereskarte der Wissenschaftlerin Marie Tharp ist verfügbar.
Schon im Mittelmeer dagegen wird es mau: Unter Wasser navigieren ist zwar möglich, aber der Nutzer sieht nichts anderes als unendliches Blau. Und an den Meeren vor unserer Haustür geht gar nichts - nicht mal mehr Abtauchen. Hier ist das Wasser nicht transparent. Die Nordsee vor Sylt bleibt undurchdringlich und die Ostsee an der Halbinsel Holnis und in der Kieler Förde ebenfalls. Hier und da finden sich ein paar Schiffswracks verzeichnet und vermeintlich "tote" Meeresgebiete ohne jegliches Leben sind insbesondere in den Förden der Ostsee zu finden. Weitere Informationen: Fehlanzeige.
Hier wird Google wahrscheinlich in späteren Versionen noch nacharbeiten - wenn entsprechende Informationen bereitstehen.
Wanderrouten lassen sich einzeichnen
Bis dahin muss man sich im Land zwischen den Meeren mit den anderen Funktionen beschäftigen, die die neue "Google Earth"-Version bietet: zum Beispiel eine Zeitleiste, über die Nutzer ältere Satellitenaufnahmen bestimmter Orte ansteuern und mit den aktuellen vergleichen können. Zudem lassen sich auch individuelle Touren erstellen, speichern und kommentieren. Von bestimmten Navigations-Geräten aus lassen sich auch Wandertouren in "Google Earth" übertragen und so für Freunde oder den Wanderverein bereitstellen.
Die kostenlose Software ist seit ihrer ersten Veröffentlichung im Sommer 2005 nach Angaben von Google weltweit insgesamt 400 Millionen Mal heruntergeladen worden.

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