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Reisewarnung für Schwangere : Zika-Virus: Brasiliens Soldaten sollen Mücken bekämpfen

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Aus der Onlineredaktion

Bereits 21 betroffene Länder allein in Amerika: Knapp ein Jahr nach dem Auftauchen in Brasilien bekämpfen fast alle Länder Lateinamerikas das Zika-Virus.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2016 | 13:51 Uhr

Recife | Wie ernst die Lage ist, zeigt eine drastische Maßnahme: Am 13. Februar will Brasiliens Regierung 220.000 Soldaten einsetzen, die in betroffenen Gebieten in den Favelas, den Armenviertel der Großstädte Brasiliens, von Haus zu Haus gehen. Der Feind, den sie bekämpfen sollen, ist klein, aber zahlreich. Der Staat will massiv gegen Mücken vorgehen. „Gemeinsam besiegen wir die Aedes aegypti“, lautet der Slogan auf großformatigen Werbeplakaten, die die Aktion unterstützen, versehen mit einem Bild der Moskitoart. Der eigentlich Gegner ist aber viel kleiner: Das Zika-Virus breitet sich über die Mücken aus. Es steht im Verdacht Missbildungen bei Neugeborenen zu verursachen.

In der gesamten Region wird aktuell eine Zunahme der Zika-Virus-Infektionen beobachtet. Das Auswärtige Amt warnt Schwangere vor Reisen nach Lateinamerika. Derzeit gibt es laut dem Auswärtigen Amt weder eine Impfung noch eine Chemoprophylaxe oder eine spezifische Therapie gegen Zika-Viren. Die einzige Möglichkeit zur Vermeidung einer Infektion besteht in der konsequenten Verhinderung von Mückenstichen. Brasilien ist im August Gastgeber der Olympischen Spiele.

In Krankenhäusern der Großstadt Recife verfolgen Mütter derzeit äußerst angespannt, wie mit einem Zentimeterband die Schädel ihrer Babys gemessen werden. Hier im Norden Brasiliens nahm die dramatische Ausbreitung des von der Aedes-Mücke übertragenen, mysteriösen Zika-Virus in Amerika ihren Ausgang. Der Verdacht: Die massive Häufung eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen (Mikrozephalie) kann im Zusammenhang stehen mit einer Zika-Infektion bei Schwangeren.

<p>Die einen Monat alte Alice Vitoria in Recife ist an Mikrozephalie erkrankt. Die Krankheit hat stark zugenommen. Allein in Brasilien wurden fast 3900 Fälle ermittelt.</p>

Die einen Monat alte Alice Vitoria in Recife ist an Mikrozephalie erkrankt. Die Krankheit hat stark zugenommen. Allein in Brasilien wurden fast 3900 Fälle ermittelt.

Foto: Rafael Fabres

„Seit 30 Jahren gibt es diese Moskitos im Land und wir haben es nicht geschafft, sie zu eliminieren“, betont Gesundheitsminister Marcelo Castro. Als weitere Maßnahme sollen rund 400.000 schwangere Frauen aus ärmeren Schichten, die Sozialleistungen im Rahmen des Programms „Bolsa Familia“ bekommen, Moskitoschutzmittel erhalten. Brasilien rief wegen der starken Mikrozephalie-Zunahme schon im November den gesundheitlichen Notstand aus. Von 3893 bisher festgestellten Fällen an Schädelfehlbildungen, die bei Kindern wegen des zu kleinen Gehirns zu geistiger Behinderung führen, konnte bei sechs eine vorherige Infizierung der Schwangeren mit dem Zika-Virus nachgewiesen werden.

Das Virus verunsichert auch viele Touristen. „Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen“, rät das Auswärtige Amt in Berlin inzwischen mit Blick auf die rasante Ausbreitung seit dem ersten Nachweis des Erregers Ende April 2015. Seither schießen die Spekulationen ins Kraut. Bis hin zur Vermutung, dass auch bei nicht-schwangeren Frauen eine Gefahr bestehen kann, wenn sich das Virus in der Plazenta festsetzt und während einer späteren Schwangerschaft das Embryo beeinträchtigen könnte.

Klar bewiesen ist bisher nichts. Auch nicht, dass das Virus das Guillain-Barré-Syndroms auslösen kann, das mit Lähmungserscheinungen verbunden ist und auch Männer betrifft. Im schlimmsten Fall werden die Atemwege lahmgelegt, was eine künstliche Beatmung erforderlich macht. „Es sind weitere Forschungsanstrengungen notwendig, bevor gesagt werden kann, ob es irgendeinen Zusammenhang gibt“, betont die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie warnt inzwischen aber vor der Ausbreitung des Zika-Virus auf den gesamten amerikanischen Kontinent.

Das Virus wurde 1947 im Zikawald in Uganda entdeckt, daher der Name. Das Ungeklärte: In Afrika kam es nach bisherigen Erkenntnissen nicht zur Häufung an Schädelfehlbildungen im Zusammenhang mit Zika, ohnehin tauchte es dort nur sporadisch auf. 2007 wurde Zika dann plötzlich im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt. Einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 im Französisch-Polynesien. Dort wurde damals auch ein ungewöhnlicher Anstieg des Guillain-Barré-Syndroms festgestellt. Aber erst mit Auftreten in Brasilien kam es zu der massiven Ausbreitung. Eine Theorie ist, dass das Virus womöglich von Touristen während der Fußball-WM 2014 nach Brasilien eingeschleppt worden sein könnte.

Ausbreitung des Zika-Virus: Betroffen ist vor allem Süd- und Mittelamerika.

Ausbreitung des Zika-Virus: Betroffen ist vor allem Süd- und Mittelamerika.

Foto: European Centre for Disease Prevention and Control

Inzwischen ist es schon in 21 Ländern Amerikas festgestellt worden - vom Karibikstaat Barbados bis Venezuela. Neben Brasilien ist Kolumbien besonders betroffen: Hier wurden seit Oktober rund 13.500 Zika-Infektionen registriert. In der Regel verläuft diese eigentlich harmlos: Typische Symptome sind leichtes Fieber und Hautrötungen. Teils führt die Ausbreitung zu skurrilen Ratschlägen. So rät Kolumbiens Gesundheitsministerium Frauen, geplante Schwangerschaften aufzuschieben. „Angesichts der Phase, in der sich die Epidemie befindet und des bestehenden Risikos, raten wir Paaren, von einer Schwangerschaft bis Juli 2016 abzusehen“. Der Ratschlag gilt für Frauen, die auf Höhen unter 2200 Meter leben.

Bis in die USA hat sich Zika ausgebreitet. Rund ein Dutzend Fälle gibt es hier - nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC eingeschleppt aus Ländern Lateinamerikas. Laut WHO könnten nur Chile und Kanada auf dem amerikanischen Kontinent verschont bleiben, da hier die Aedes-Mücke nicht vorkomme. Bisher gibt es keinen Impfstoff - nun werden in Ländern wie Brasilien die Forschungs- und Präventionsmaßnahmen massiv hochgefahren. Gerade auch mit Blick auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im August soll jede Gefahr vermieden werden. Von Vorteil könnte sein, dass die Spiele im südamerikanischen Winter stattfinden, wenn die Mückengefahr geringer ist.

Mückenbekämpfung in El Salvador. Mücken der Aedes-Gattung übertragene den Zika-Erreger.
Mückenbekämpfung in El Salvador. Mücken der Aedes-Gattung übertragene den Zika-Erreger. Foto: Oscar Rivera

An 56.000 Hotels, Bars und Restaurants im ganzen Land wurde ein Maßnahmenkatalog verschickt, um die Aedes-Mücke besser zu bekämpfen, die auch Dengue- und Gelbfieber überträgt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Brasília werden die finanziellen Ausgaben im laufenden Jahr um 580 Millionen auf 1,87 Milliarden Real (422 Millionen Euro) erhöht, über 550 Tonnen Anti-Moskitomittel und Pestizide sollen eingesetzt werden. Für Touristen ist laut WHO vorerst der wirksamste Schutz gegen Zika: Lange Kleidung und der Gebrauch von Anti-Mückensprays.

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