zur Navigation springen

3D-Drucker : Zahnersatz, Stühle und Waffen aus dem Drucker

vom

Heute lässt sich Vieles mit sogenannten 3D-Druckern herstellen. In Hamburg bauen Schüler mit solchen Geräten kleine Formel-1-Autos und ein Lübecker Unternehmen will damit sogar an die Börse gehen. Ganz so einfach und kostengünstig wie mit Tinte und Papier funktionieren 3D-Drucker allerdings nicht – und bergen einige Probleme und Gefahren in sich.

Lübeck | Schmuck, Lampen oder sogar Waffen ausdrucken – was im ersten Moment wie ein wilder Zukunftstraum aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist bereits Realität. Das Zauberwort lautet „3D-Drucker“. Mit Papier und Tinte hat das Ganze allerdings nichts zu tun und einfach dublizieren lassen sich dreidimensionale Gegenstände auch nicht. Viele professionelle 3D-Drucker arbeiten mit dem sogenannten Laser-Sinterin-Verfahren. Dabei wird ein pulvriges Rohmaterial wie Kunststoff, Metall oder Titan schichtweise aufgebracht. Ein Laser erhitzt dann die Stellen, die das Bauteil ergeben sollen, und backt es zusammen. So entsteht Schicht für Schicht ein dreidimensionales Objekt. Fast jede beliebige Form kann auf diese Weise vom Computermodell in die reale Welt übertragen werden – so sind bereits Möbel, Instrumente und sogar Pralinen und Nudeln mit 3D-Druckern hergestellt worden.

Wenn der 3D-Druck billig genug wäre, könnte er in Zukunft Produktion, Transport und Lagerung von Waren überflüssig machen – ein Unternehmen würde seine Idee direkt dem Kunden übermitteln und der könnte sich das Produkt dann zu Hause ausdrucken.

Auch in Schleswig-Holstein gibt es mit dem Unternehmen SLM-Solutions einen Hersteller von 3D-Druckern. Am 9. Mai will die Firma als erste ihrer Art den Börsengang wagen. Mit dem Erlös daraus soll nach Informationen des Fachmagazins „3Druck.com“ ein wichtiger Zulieferer der eingesetzten Materialien aufgekauft werden. Die Produkte von SLM-Solutions werden in erster Linie in der Industrie eingesetzt – beispielsweise in der Raumfahrtbranche, im Energie- oder im Gesundheitssektor.

Wie die Drucker des Unternehmens SLM-Solutions werden die meisten hochwertigen 3D-Drucker in erster Linie in der Industrie eingesetzt. Für den Privatgebrauch sind sie noch zu teuer. Außerdem dauert der Prozess sehr lange und erfordert tiefgehende Fachkenntnisse. Schließlich muss mithilfe einer Software ein zweidimensionales Modell in ein dreidimensionales Modell umgewandelt werden. Die Kosten für die Anschaffung eines 3D-Druckers, wie er in der Industrie verwendet wird, können im Hunderttausend-Euro- oder auch im Millionen-Bereich liegen. Den eigenen Kleiderschrank oder die abendliche Pizza kann man sich also noch nicht einfach zu Hause ausdrucken. Allerdings gibt es in Berlin und Hannover bereits erste 3D-Copyshops, wo man sein eigenes 3D-Modell einscannen und drucken lassen kann. Für 400 bis 500 Euro ist es sogar möglich, dass sich der Copyshop-Besucher selber kopieren und eine Büste im Maßstab von 1:3 anfertigen lässt. 

Es gibt auch schon Drucker für den Heim-Bedarf. Sie arbeiten meist mit Kunststoffen, die in Form von Draht in einen sogenannten „Extruder“ gebracht werden. Dieser arbeitet so ähnlich wie eine Heißklebepistole. Solche Geräte gibt es schon für um die 1000 Euro. Allerdings kann man damit nur kleine Objekte herstellen, deren Produktion sehr lange dauert. Und auch das Ergebnis ist ernüchternd: Die Schichten lassen sich deutlich erkennen und die Oberfläche ist rau. 

Aber 3D-Drucker sind nicht nur etwas für Hobby-Bastler und Ingenieure. Am Hamburger Grootmoor-Gymnasium arbeiten Schüler bereits seit einigen Jahren mit der zukunftsträchtigen Technik. „Unsere beiden 3-D-Drucker setzen wir bei unserem Formel-1-Projekt und im Kunstbereich ein“, erklärt der Physik-, Chemie- und Informatiklehrer Ralf Jeß. Bei dem Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“ entwickeln Schüler Formel-1-Autos im Miniaturformat am Computer, drucken die meisten Teile anschließend am 3D-Drucker aus und schicken die Autos gegen andere Schulen ins Rennen. Das Grootmoor-Gymnasium schaffte es bereits mehrfach bis in die Weltmeisterschaft und trat gegen Schüler aus aller Welt an. Bei dem Wettbewerb geht es vor allem darum, dass die Schüler auf technische Ausbildungs- und Ingenieurberufe vorbereitet werden. „Dadurch, dass wir die beiden 3D-Drucker bei uns in der Schule haben, können sich die Schüler bereits früh in die Technik hereinfuchsen – und das hilft ihnen natürlich später im Beruf weiter“, sagt Ralf Jeß. In England gäbe es die Drucker bereits flächendeckend an allen Schulen. „Die haben nicht solche Probleme etwas landesweit zu beschließen, wie hier in Deutschland.“

Er glaubt nicht daran, dass 3D-Drucker bald in jedem Haushalt stehen und die Gegenstände des alltäglichen Bedarfs ausdrucken. „Dafür ist die Technik einfach noch zu komplex. Man muss unglaublich viel Arbeit investieren, bevor man loslegen kann. Das ist keineswegs dieses Druckergefühl, dass man einfach einen Knopf drückt und das Ergebnis sofort da ist. Davon sind viele Schüler erst einmal ernüchtert.“ Was er sich dagegen schon vorstellen könnte, wäre, dass 3D-Drucke als Dienstleistung angeboten werden. „Der erste Schritt dafür ist mit den Copy-Shops ja schon getan.“   

3D-Drucker können aber auch für weniger friedliche Zwecke als für die Herstellung von Modellautos oder Einrichtungsgegenständen eingesetzt werden. Für Aufregung sorgte Anfang vergangenen Jahres der Jurastudent Cody Wilson, der im Internet die Bauanleitung für eine Plastikwaffe aus einem 3-D-Drucker veröffentlichte. Die Sicherheitsbehörden reagierten alarmiert – schließlich können Waffen aus Plastikteilen bislang bei Zugangskontrollen kaum entdeckt werden. Allerdings hielt Cody Wilsons Plastikwaffe nur einigen Schüssen stand – danach war die Belastung für das Material einfach zu groß. Am 9. Mai musste Wilson die Baupläne wieder von der Webseite löschen, nachdem das US-Außenministerium ihm vorgeworfen hatte, durch die Veröffentlichung Waffen-Exportvorschriften zu verletzten. Dennoch sind die Pläne nach wie vor über Online-Tauschforen verfügbar.

Trotz hoher Kosten und aufwändiger Technologie glauben viele Experten, dass 3D-Drucker früher oder später wie Computer massenhaft den Sprung von der Industrie auf den heimischen Schreibtisch schaffen. Bleibt nur zu hoffen, dass damit dann wirklich nur Modellautos oder Möbel gedruckt werden – und niemand dem Beispiel eines Cody Wilson folgt.  

zur Startseite

von
erstellt am 06.Mai.2014 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen