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Klimaforschung : Rekordtemperatur im Dezember: Nordsee wird wärmer

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Aus der Onlineredaktion

In den vergangenen 40 Jahren stieg die Wassertemperatur um 1,5 Grad. Ob die Erwärmung ein Trend ist, der mit dem Klimawandel einhergeht, müssen Wissenschaftler noch klären.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Hamburg | Der milde Herbst hat dem Nordsee-Oberflächenwasser eine Rekordtemperatur für den Dezember beschert. Mit 9,5 Grad sei der Rekordwert aus dem Dezember 2006 eingestellt worden, sagte der Abteilungsleiter für Meereskunde im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Bernd Brügge, am Mittwoch. Das Bundesamt stellte in Hamburg seine Jahresbilanz der Öffentlichkeit vor. Im Unterschied zu 2006 sei es aber nicht der Sommer gewesen, der das Wasser so aufheizte, sondern der warme Herbst, sagte Brügge. Besonders ungewöhnlich sei der Anstieg um 0,1 bis 0,2 Grad zwischen dem 22. und 24. Dezember gewesen. „Das haben wir noch nie beobachtet.“

Das Bundesamt beobachtet Veränderungen der Meere seit Jahrzehnten. Es kümmert sich unter anderem um Sicherheit und Umweltschutz auf See, stellt der Schifffahrt aktuelles Kartenmaterial zur Verfügung, alarmiert bei drohenden Sturmfluten und markiert Wracks am Meeresboden. Die Ergebnisse seiner Messungen geben Aufschlüsse über Umweltverschmutzung, Klimawandel und Meeresströmungen. Das Bundesamt ist zugleich für die Genehmigung von Offshore-Windanlagen zuständig.

Im Jahresmittel sei 2015 mit 10,6 Grad aber lediglich das elftwärmste Jahr seit 1969 gewesen. Bisheriges Rekordjahr war 2014 mit 11,4 Grad gewesen. Seit rund 50 Jahren steige die Temperatur der Nordsee fast stetig an, das Meer sei heute rund 1,5 Grad wärmer als Ende der 1960er Jahre, berichtete BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz. Die Forschung müsse aber noch klären, ob das nur Schwankungen seien oder ob es einen Trend gebe, der dem Klimawandel entspreche.

Die Erwärmung des Oberflächenwasser gehe mit einer Veränderung der Arten einher. Brügge verwies auf Forschungen von Biologen, wonach kälteliebende Fischarten wie der Dorsch weiter nach Norden wanderten, während die in wärmeren Meeren beheimatete Sardelle schon in der Nordsee gefangen worden sei. Ursache der Erwärmung sei eindeutig das Wetter, nicht die Meeresströmung. Tendenziell werde auch das Wasser der Ostsee wärmer. Der Meeresspiegel sei in den vergangenen 100 Jahren um 20 Zentimeter gestiegen.

Für die Ostsee vermeldete das Bundesamt einen weiteren großen Salzwassereinbruch im vergangenen November. Dabei seien 1,4 Gigatonnen Salz in die Ostsee gespült worden. Bereits im November 2014 hatten das Bundesamt den größten Salzwassereinbruch in das Binnenmeer seit 50 Jahren beobachtet. Damals waren 3,98 Gigatonnen Salz eingeleitet worden. Das Nordseewasser sei salzhaltiger, damit aber auch sauerstoffreicher als das Brackwasser der Ostsee, erklärte Breuch-Moritz. „Das ist für die Ostsee also jedesmal eine sehr gute Durchlüftung.“ Genauere Ergebnisse der neuen Messungen sollen auf dem Ostseetag am 8. Juni in Rostock vorgestellt werden.

Positiv bewertete die Präsidentin des Bundesamtes auch den Rückgang von Schadstoffen im Meer und von Emissionen in der Schifffahrt. Messungen der Abgasfahnen auf der Insel Neuwerk in der Elbmündung und in Wedel bei Hamburg zeigten, dass die überwiegende Mehrzahl der Schiffe die seit einem Jahr geltenden strengeren Schwefelwerte einhalten würden. Der eingesetzte Schiffsdiesel darf seither nur noch 0,1 Prozent Schwefel enthalten (vorher: 1,0 Prozent), was sich bereits deutlich messbar positiv auf die Luftqualität im Unterelberaum und in Hamburg ausgewirkt habe, sagte Breuch-Moritz. Messstellen in Wedel und auf Neuwerk hätten im abgelaufenen Jahr die Abgasfahnen von fast 4000 Schiffen analysiert. Ergebnis: Kaum schwarze Schafe, nahezu 100 Prozent der Maschinen liefen mit schwefelarmem Treibstoff. Die Beobachtungen deckten sich mit ähnlichen Messergebnissen aus Dänemark.

Ein Problem für die Meere sei weiterhin die Einleitung von Paraffin ins Wasser. Bislang dürften Schiffe ihre Tanks noch legal auf hoher See spülen. Das führt dazu, das Klumpen der wachsartigen, aber nicht giftigen Masse immer wieder an Stränden angeschwemmt werden. Auf Drängen des Bundesamtes soll das Thema jetzt auf die Tagesordnung der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO kommen.

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