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Projekt „Breakthrough Starshot“ : Mit Nano-Raumschiffen in 20 Jahren zu Alpha Centauri

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Stephen Hawking und der russische Milliardär Juri Milner wollen nach den Sternen greifen – mit Raum-Chips .

New York/Alpha Centauri | Der russische Milliardär Juri Milner will mit einer Investition von 100 Millionen US-Dollar beweisen, das Technik existiert, mit der man tausende Raumschiffe vergleichsweise schnell zu unserem Nachbarstern Alpha Centauri schicken kann. Das Projekt „Breakthrough Starshot“ kündigte Milner zusammen mit dem Physiker Stephen Hawking am 12. April in New York an, 55 Jahre nach Juri Gagarins Erstflug in den Weltraum. Das Projekt hat die Erforschung des Weltraums zum Ziel und soll nach Leben im All suchen.

Die Suche nach Leben im All beschäftigt Wissenschaftler schon seit langem. Bisher begrenzen die technischen Möglichkeiten die aktive Suche nach außerirdischen Lebensformen auf Planeten in anderen Sonnensystemen.

Mithilfe von Sonnensegeln sollen Nanoraumschiffe mit zwanzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit schnell voran kommen. Auf ihrer Reise sollen sie Bilder von möglichen Planeten in unserem nächstgelegenen Sternensystem, Alpha Centauri, machen und wissenschaftliche Daten sammeln. Die briefmarkengroßen Raumschiffe sollen die 4,37 Lichtjahre in nur 20 Jahren schaffen. Zum Vergleich: Die im September 1977 gestartete Raumsonde Voyager I würde rund 70.000 Jahre für die Strecke nach Alpha Centauri benötigen. Derzeit befindet sich die Sonde 20,13 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt und war 2012 das erste von Menschen erzeugte Objekt, das in den interstellaren Raum eintrat.

Das Programm leitet Pete Worden, der ehemalige Direktor des NASA AMES Forschungszentrums. Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Ingenieuren soll im dabei helfen. Im Aufsichtsrat: Milner, Hawking und Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Milner ist überzeugt: Sollten ein paar Schiffe draufgehen, sei das nicht weiter schlimm und die Mission bliebe ungefährdet. Da die Technik immer kleiner würde, sei das die Gelegenheit gleich tausende Mini-Raumschiffe ins All zu schießen. Wobei Raumschiff ein maßlos übertriebener Begriff ist. Laut Projekt sind die Nano-Schiffe kaum größer als eine Briefmarke, bestehen aus Halbleitern und verfügen trotzdem über eine Energieversorgung, Sensoren, Kameras und eine Kommunikationseinheit. Ein „Starchip“, wie es Milner und Hawking nennen.

Wie das Prinzip funktioniert, zeigt ein Video von „Breakthrough Starshot“:

Der Antrieb per Sonnensegel wird bereits seit Jahren entwickelt und getestet, bislang allerdings ohne den großen Durchbruch. Über den Rückstoß auftreffender Lichtteilchen soll der Starchip angetrieben werden. Die Technik ist weit entfernt vom herkömmlichen Solarpanel. Die Sonnensegel sind nur wenige hundert Atome dick und dadurch Leichtgewichte.

Ein Laser soll dann den Rest erledigen. Die werden nämlich immer stärker und immer günstiger, heißt es bei der Vorstellung. 100 Gigawatt seien kein Problem mehr. Von der Erde aus sollen die Nano-Schiffe dann beschossen werden, damit sie auf ihre Geschwindigkeit kommen. Die Sonne allein vermag das nicht.

Und die Produktionskosten? Das Starchip kann in Masse produziert werden, die Kosten liegen etwa in der Höhe eine iPhones. Die Kosten für den Massenstart einer Mission ins All werden auf wenige Hunderttausend US-Dollar taxiert. Peanuts im Vergleich zu heutigen Rakentenstarts.

Doch hier gibt es bereits erste Kritik an der Machbarkeit. Gegenüber der „New York Times“ sagte der Harvard-Astronom und Chef des Starshot-Beraterstabs, Avi Loeb, die Leistung der Laser müsse so gewaltig sein, dass insgesamt so viel Energie verbraucht würde, wie beim Start eines Spaceshuttles. Das entspreche etwa zwei, drei Minuten lang der hundertfachen Leistung einen Atomkraftwerkes. Hinzu käme, dass die Laserstrahlen alle synchron schwingen und auch Turbulenzen durch die Atmosphäre korrigiert werden müssen. Und auch das Sonnensegel selbst ist in Gefahr. Würde es nur ein Hunderttausendstel der eintreffenden Laserenergie aufnehmen anstatt diese zu reflektieren, würde das Nano-Segel einfach verdampfen und der Antrieb wäre zerstört.

Auf der Pressekonferenz gab man sich allerdings zuversichtlich: „Heute bereiten wir den nächsten großen Schritt vor – den zu den Sternen“, sagte Milner.

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erstellt am 13.Apr.2016 | 12:16 Uhr

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