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Interview : Katzen vegan zu ernähren, ist „Unsinn hoch drei“

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Manch ein Vegetarier oder Veganer will auch sein Haustier fleischlos ernähren. Doch das kann gefährlich sein, warnt ein Experte.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 10:29 Uhr

Vegetarier und Veganer, die ihre eigentlich fleischfressenden Haustiere ebenfalls vegetarisch oder vegan ernähren wollen, handeln nicht unbedingt im Sinn ihrer Tiere. Das sagt Josef Kamphues, Direktor des Instituts für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover:

Herr Professor Kamphues, ist es schädlich, seinen Hund vegetarisch zu ernähren?

Nein, es ist nicht schädlich. Hunde sind Allesfresser. Sie können die Stärke aus gekochten Kartoffeln, Reis und anderen Nahrungsmitteln gut verwerten und sind auch in der Lage, pflanzliches Protein aus Getreide zu verdauen. Aber: Man muss sich als Hundehalter mit dem Nährstoffbedarf des Hundes auskennen, also viel Fachlektüre lesen und dann rechnen.

Was bedeutet das?

Ein Beispiel: Der Kalziumbedarf des Tieres kann nicht allein über reine Pflanzennahrung abgedeckt werden. Zudem verwertet der Stoffwechsel des Hundes Kalzium schlechter als der eines Menschen.

Wie äußert sich dieser Kalziummangel?

Ganz klassisch in brüchigen Knochen. Besonders bei Welpen und jungen Hunden kann der Mangel gefährlich werden und zu Entwicklungsstörungen an den Gliedmaßen führen. Um das zu verhindern, könnten die Halter pulverisierte Eierschalen unter die Nahrung ihres Tieres mischen. Um Mängel zu verhindern, können Hundehalter pulverisierte Eierschalen unter die Nahrung ihres Tieres mischen.

Wer seinen Hund vegan ernähren will, dürfte das natürlich nicht machen, denn Eier sind dann ja auch tabu…

Hier rate ich zu Futterkalk. Aber man sollte sich des Risikos eines Nährstoffmangels bei dieser Art der Fütterung immer bewusst sein und eine solche Ernährungsweise nur unter tierärztlicher Aufsicht durchführen.

Peta schreibt, dass vegetarisch ernährte Hunde gesünder seien. Stimmt das?

Nein.

Ist vegetarische Kost bei Katzen sinnvoll?

Auf keinen Fall! Der Stoffwechsel von Katzen ist komplett anders als der von Hunden; sie sind auch nicht so lange konditionierte Haustiere wie der Hund. Katzen sind darauf angewiesen, ihren Vitamin-A-Bedarf über ihre Nahrung aufzunehmen. Sie können dieses beispielsweise aus dem Carotin von Möhren nicht bilden. Pflanzen enthalten auch kein Taurin, das essenziell wichtig für Katzen ist, da sie ohne es erblinden oder am Herzen erkranken können.

Die Frage, ob sich vegane Nahrung für Katzen eignet, erübrigt sich also…

Das ist Unsinn hoch drei! So hart das klingt: Als Nahrung für Katzen eignen sich am besten junge Mäuse oder frisch geschlüpfte Vögel. Oder eben eine Nahrung mit Fleischanteil.

Was halten Sie von Tierbesitzern, die ihre eigentlich fleischfressenden Haustiere vegetarisch oder gar vegan ernähren wollen?

Diese Menschen sollten eine andere Spezie als Haustier halten. Eine, die kein Fleisch braucht. Es gibt doch so niedliche Pflanzenfresser, beispielsweise Kaninchen.

Stiftung Warentest hat kürzlich Katzenfutter getestet. Hier geht es zu den Ergebnissen der Auswertung.

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