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Kampf gegen Zika-Virus : Großoffensive in Brasilien – schon 68 Tote Babys

vom
Aus der Onlineredaktion

Bereits 21 betroffene Länder allein in Amerika: Soldaten sollen dem Zika-Virus zu Leibe rücken.

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2016 | 08:22 Uhr

Recife | Das brasilianische Militär will mit einer Großoffensive die Moskitoart Aedes aegypti bekämpfen, die den sich rasant ausbreitenden Zika-Virus überträgt. Verteidigungsminister Aldo Rebelo betonte am Mittwochabend bei der Vorstellung des Programms: „Wir müssen alle Kräfte des Staates und der Gesellschaft bündeln.“ In 356 Städten und Gemeinden sowie tausenden Schulen soll über die Gefahr aufgeklärt und Moskitos und deren Eiablageplätze vernichtet werden. 160.000 Soldaten, 30.000 Mitglieder der Marine und 30.000 Militärs der Luftwaffe sollen eingesetzt werden. In dem Land gibt es über eine halbe Millionen Infektionen mit dem Virus, der im Verdacht steht, bei der Infizierung von Schwangeren schwere Fehlbildungen bei deren Babys auszulösen. Für die direkte Bekämpfung der Moskitos mit Insektenschutzmitteln sollen rund 50.000 Soldaten eingesetzt werden.

In der gesamten Region wird aktuell eine Zunahme der Zika-Virus-Infektionen beobachtet. Das Auswärtige Amt warnt Schwangere vor Reisen nach Lateinamerika. Derzeit gibt es laut dem Auswärtigen Amt weder eine Impfung noch eine Chemoprophylaxe oder eine spezifische Therapie gegen Zika-Viren. Die einzige Möglichkeit zur Vermeidung einer Infektion besteht in der konsequenten Verhinderung von Mückenstichen. Brasilien ist im August Gastgeber der Olympischen Spiele.

Bisher wurden in Brasilien seit vergangenem Jahr schon 4180 Fälle von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) festgestellt - 68 Babys starben bisher. Das Gesundheitsministerium sieht einen klaren Zusammenhang zu dem zuvor kaum bekannten, ursprünglich aus Afrika stammenden Zika-Virus, der sich schon in über 20 Ländern auf dem amerikanischen Kontinent verbreitet hat. In Brasilien gibt es bereits zwölf Fälle, wo Schwangere, deren Kinder mit Schädelfehlbildungen geboren wurden, sich zuvor mit Zika infiziert hatten. Mikrozephalie führt meist wegen eines zu kleinen Gehirns zu geistiger Behinderung. Vor der starken Ausbreitung galt das Zika-Virus als eher harmlos - Symptome sind leichtes Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Hautrötungen.

<p>Die einen Monat alte Alice Vitoria in Recife ist an Mikrozephalie erkrankt. Die Krankheit hat stark zugenommen. Allein in Brasilien wurden fast 3900 Fälle ermittelt.</p>

Die einen Monat alte Alice Vitoria in Recife ist an Mikrozephalie erkrankt. Die Krankheit hat stark zugenommen. Allein in Brasilien wurden fast 3900 Fälle ermittelt.

Foto: Rafael Fabres

Auch aus Nicaragua wurden nun die ersten zwei Zika-Fälle gemeldet, auch mehrere aus Lateinamerika zurückgekehrte deutsche Touristen haben sich infiziert. Bisher gibt es keinen Impfstoff, es gibt viele Unklarheiten. Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff kündigte für nächsten Dienstag ein Krisentreffen der Gesundheitsminister des südamerikanischen Staatenbundes Mercosur an. Vor dem nächsten Woche beginnenden Karneval sollen auch in der Hauptveranstaltungsstätte, dem Sambadrom in Rio de Janeiro, die Moskitos mit Spezialmitteln bekämpft werden, damit keine Gefahr für die Besucher besteht, es werden bis zu eine Million Menschen zum Karneval erwartet.

Das Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien auf. Aber erst seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft. In Deutschland wurde laut Robert-Koch-Institut als erstes bei zwei Reiserückkehrern aus Haiti eine Infektionen diagnostiziert.

Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen und auf die Reise hinweisen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

An 56.000 Hotels, Bars und Restaurants im ganzen Land wurde ein Maßnahmenkatalog verschickt, um die Aedes-Mücke besser zu bekämpfen, die auch Dengue- und Gelbfieber überträgt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Brasília werden die finanziellen Ausgaben im laufenden Jahr um 580 Millionen auf 1,87 Milliarden Real (422 Millionen Euro) erhöht, über 550 Tonnen Anti-Moskitomittel und Pestizide sollen eingesetzt werden. Für Touristen ist laut WHO vorerst der wirksamste Schutz gegen Zika: Lange Kleidung und der Gebrauch von Anti-Mückensprays.

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