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Durrington Walls : Forscher entdecken „Superhenge“ bei Stonehenge

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„Archäologie wie auf Drogen“: Historiker sind begeistert von ihren Entdeckungen. Die Geschichte von Stonehenge müsse neu geschrieben werden.

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2015 | 10:50 Uhr

Amesbury | Archäologen haben in der Nähe des geheimnisvollen Steinkreises Stonehenge in England Belege für ein weiteres, jahrtausendealtes Monument gefunden. Es habe sich um bis zu 90 aufrechtstehende Steine gehandelt, die bis zu viereinhalb Meter hoch gewesen seien, hieß es in einer Mitteilung der Forscher. Sie fanden die unterirdische Anlage mit Hilfe von Radartechnik.

Stonehenge und die umliegenden Monumente faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Seriöse Forschung gibt es seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Da der Zweck der Anlagen nach wie vor unbekannt ist, gibt es viele, auch abseitige Theorien, etwa von Erich von Däniken, der glaubt, die Steine seien von außeriridischen Besuchern aufgestellt worden.

Die neuentdeckten Steine gehören zu Durrington Walls, der vermutlich größten steinzeitlichen Siedlung Nordeuropas. Sie liegen 2,5 Kilometer vom weltberühmten Stonehenge entfernt. „Wir entdecken hier, unter einem Flußufer, das größte erhaltene Steindenkmal, das jemals in Großbritannien und vermutlich auch in Europa, gefunden wurde“, zitiert der „Guardian“ den Archäologen Vince Gaffney von der Universität Bradford. „Das ist wie Archäologie mit Doping.“

Das Video zeigt eine Computeranimation der Anlage:

Laut den Forschern wurden die Steine vor mehr als 4500 Jahren in Position gebracht. „Wir glauben, dass es eine Art rituelle Arena war“, sagte Gaffney. Viele der Steine seien erhalten, weil sie inzwischen von Erde bedeckt seien. „Sie waren über Jahrtausende versteckt, und nur durch modernste Technik konnten Archäologen sie entdecken, ohne dass sie graben mussten“, hieß es in der Mitteilung.

Entdeckt haben das neue Monument Forscher des Projekts „Stonehenge Hidden Landscapes“ der Universiät Birmingham und eines Instituts der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Laut den Radarbildern sind die Steine umgeworfen. Die Forscher gehen jedoch davon aus, dass sie ursprünglich aufrecht standen.

Die Wissenschaftler glauben, dass es sich um eine rituelle Stätte handelt, die so alt oder sogar noch älter ist als das Stonehenge. Es sollen sogenannte Sarsensteine sein, also Sandsteine, die in der Gegend verbreitet sind und zum Teil auch in Stonehenge verwendet wurden. Wozu die bis zu 25 Tonnen schweren Steinkolosse des Stonehenge, die seit rund 4000 Jahren in Südengland stehen, ursprünglich gedient haben, ist trotz vieler Theorien nicht geklärt.

„Alles, was bisher über die Stonehenge-Landschaft und die antiken Stätten geschrieben wurde, wird neu geschrieben werden müssen“, zitiert der „Guardian“ Paul Garwood, Archäologe und Historiker an der Universität von Birmingham.

 

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