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Gasgrill, Gaslampe, Gaskocher : Explosives-Gemisch: Der richtige Umgang mit Gaskartuschen

vom

Wenn Gas auf Luft trifft, kann ein Funke eine Explosion auslösen. shz.de fasst die wichtigsten Regeln zusammen, um das Risiko zu minimieren.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2017 | 12:29 Uhr

Flensburg | Auf dem Balkon grillen, dem Campingplatz etwas Warmes zu essen haben oder Licht ohne Batterien - für beides bieten sich Gaskartuschen an. Sie sind leicht zu transportieren und mit rund 15 Euro pro Liter relativ Preiswert. Aber Achtung: Das Butan-Propanol-Gemisch ist explosiv und die Kartusche kann bei unsachmäßigem Gebrauch zur Sprengfalle werden. Das Gas ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden an. Bei einem bestimmten Mischverhältnis aus Luft und Gas besteht eine hohe Explosionsgefahr.

Erst am späten Sonntagabend kam es in Flensburg in einem Mehrfamilienhaus zu einer Explosion, die nach ersten Erkenntnissen durch eine Gaskartusche ausgelöst wurde. Der Unfall zeigt die zerstörerische Kraft, die dabei entstehen kann. Auf der rückwärtigen Gebäudeseite wurden Fenster, Möbel und Einrichtungsgegenstände herausgeschleudert, Kleidungsstücke hingen in den Bäumen. Auch auf der vorderen Gebäudeseite wurden Türen und Fenster durch die Druckwelle auf die Straße befördert.

Damit Sie von Unglücken dieser Art möglichst veschont bleiben, hat shz.de für Sie die Besonderheiten verschiedener Gaskartuschen und Tipps zum sicheren Umgang und Transport zusammengetragen:

Warum können Gaskartuschen zur Gefahrenquelle werden?
  • Gaskartuschen sind mit Flüssiggas gefüllt. Bei diesem Flüssiggas handelt es sich meist um Butan, Isobutan, Propan oder eine Mischung dieser Gase.
  • Es sind Einwegbehälter mit dünnen Wänden, die durch Schläge oder Stöße leicht beschädigt werden können. Wenn das geschieht und Gas austritt, besteht Brand- und Explosionsgefahr.
  • Beim Anschließen der Kartuschen kann durch unsachgemäße Nutzung ebenfalls Gas austreten. Wenn es sich ansammelt und entzündet, sind Explosionen möglich.
  • Gaskartuschen dürfen nicht über 50 Grad Celsius erwärmt werden. Diese Temperatur ist jedoch in einer Kartusche in einem in der Sonne stehenden Fahrzeug schnell erreicht.
Welche Arten von Gaskartuschen gibt es?

Stechkartusche: Die Kartusche hat kein Ventil, mit dem der Nutzer sie öffnen oder verschließen kann. Sobald der Gasbehälter in ein Gerät, etwa einen Campingkocher, eingesetzt wird, sticht ein Dorn in eine Vertiefung der Kartusche. Damit sind beide miteinander verbunden. Die Gaskartusche darf erst vom Gerät getrennt werden, wenn sie leer ist. Wenn sie noch gefüllt ist, strömt das Gas ungehindert aus und es kann zur Verpuffung kommen, wenn eine Zündquelle in der Nähe ist.

Eine Stechkartusche.

Foto:Captain Crunch

 

Schraub-Ventilkartusche: Sie wird mit einem Gewinde an einen passenden Anschluss geschraubt. Das Ventil öffnet nur, wenn der Anschluss aufgeschraubt ist. Sie kann also jederzeit wieder entfernt werden. Zu beachten ist, dass sie gerade in das Gewinde gedreht wird.

Beim Anschluss der Gaskartusche müssen die Sicherheitshinweise aif der Flasche beachtet werden.

Foto:imago/chromorange

Die Bajonett-Ventilkartusche: Auch diese Kartuschenart besitzt ein Ventil und kann demontiert werden. Allerdings wird der Anschluss nicht aufgeschraubt, sondern aufgesteckt und dann durch einen Hebel gesichert.

Was ist beim Transport im Auto zu beachten?
  • Die Metall- oder Kunststoffschutzhaube muss auf dem Ventil sein, da es sonst bei einem Unfall abbrechen könnte.
  • Die Gaskartusche muss im Fahrzeug gesichert werden etwa mit einem Spanngurt.
  • Die Lüftung sollte während der Fahrt eingeschaltet sein oder ein Fenster sollte offen sein. So kann sich kein Gas im Auto ansammeln und sich kein zündfähiges Gemisch bilden. Wenn das Luft-Gas-Gemisch einen bestimmten Wert überschritten hat, reicht ein Funke von der Zentralverriegelung, um einen Brand zu entfachen.
  • Gasflaschen dürfen bei Hitze nicht im Auto gelagert werden. Wenn die Temperatur über 50 Grad Celsius steigt, besteht Explosionsgefahr.
Wie lagert man eine Gaskartusche richtig?
  • Sie sollten an einem trockenen, schattigen und gut belüfteten Ort gelagert werden.
  • Sie dürfen nicht in unbelüfteten Räumen gelagert werden.
  • Im Keller besteht besondere Gefahr: Wenn Gas austritt, kann es sich unbemerkt über einen langen Zeitraum am Kellerboden sammeln. Das ausgetretene Gas kann nur von der Feuerwehr mit Spezialgeräten abgesaugt werden.
Was ist beim Anschließen der Gaskartuschen wichtig?
  • Die Gebrauchsanleitung und die Hinweise des Herstellers sollten gründlich gelesen werden.
  • Beim Anstechen der Stechkartuschen ist zu beachten, dass die Vertiefung der Kartusche staub-, fettfrei und ohne Etikettenreste sein muss. Die Gummidichtung des Geräts dichtet sonst nicht zuverlässig ab. Dann könnte Gas ausströmen. Die Dichtheit zu überprüfen ist aufgrund der Konstruktion allerdings kaum möglich.
  • Beim Anschluss der Ventil-Kartuschen muss kontrolliert werden, ob das Ventil geschlossen ist. Um es zu schließen, muss es im Uhrzeigersinn gedreht werden.
  • Der Nutzer sollte überprüfen, ob die Gummidichtung in einem guten Zustand ist, also keine Risse aufweist oder brüchig wirkt.
  • Die Schläuche müssen ebenfalls auf Beschädigungen untersucht werden.
 
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