zur Navigation springen

Technologie „Straddling Bus“ : Ein futuristischer Tunnel-Bus gegen Verkehrschaos und Smog

vom

In diesem Sommer wird ein Tunnel-Bus in chinesischen Metropolen zur Realität. Er könnte die Lösung für volle Straßen und schlechte Luftqualität sein.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2016 | 17:43 Uhr

Die Idee für einen Tunnel-Bus ist innovativ und trotzdem nicht neu. Bereits im Jahr 1969 und 2010 wurden ähnliche Konzepte vorgestellt. Doch erst jetzt befindet sich ein Prototyp des schwebenden Busses tatsächlich in Produktion und soll bereits im Juli oder August in China getestet werden, wie das Online-Magazin citylab berichtete.

Seit Jahren macht Smog den Menschen in Chinas Metropolen Probleme. In Peking leiden die Bürger fast jeden Tag an einer gefährlich hohen Konzentration von Schadstoffen. Smog ist zu großem Teil die Folge von dichtem Autoverkehr. Aber auch der hohe Energieverbrauch und die Nutzung von Kohle spielen eine Rolle.

Mit dem wirtschaftlichen Wohlstand steigt in China auch die Zahl der Autobesitzer. Mit schätzungsweise 20 Millionen neuen Autofahrern jährlich, müssen chinesische Metropolen mit einer drastischen Steigerung des Verkehrschaos und der Umweltbelastung rechnen. Lokale Regierungen versuchen immer wieder, mit Parkregulierungen und Beschränkungen in der Nummernschildausgabe gegen diesen Trend anzuwirken.

Aber auch Ingenieure und Designer arbeiten seit Jahren an technischen Lösungen, um die Verkehrssituation zu entlasten. Diese Lösung könnte nun in dem sogenannten „Transit Elevated Bus“ (TEB) liegen. Der Bus, der auf der 19. Internationalen High-Tech Expo in Peking vorgestellt wurde, soll praktisch über der Straße schweben, sodass Autos weiterhin unter ihm hindurch fahren können.

Der Bus soll in einer Breite von zwei Fahrstreifen bis zu 1400 Passagieren transportieren können, wobei der reguläre Verkehr nicht zusätzlich behindert werden soll. Normale Autos mit einer Höhe bis zu circa zwei Metern könnten einfach unter dem Bus hindurchfahren. Das katamaranähnliche Gefährt soll dabei auf zwei Schienen, die am Rande der Fahrbahn angebracht sind, entlang gleiten und eine Geschwindigkeit von bis zu 65 km/h erreichen können.

Aber nicht nur das: Der Tunnel-Bus wird durch Elektrizität betrieben und könnte rechnerisch 40 reguläre Busse ersetzen. Das entspricht etwa einer Einsparung von 2500 Tonnen CO2 im Jahr. Zudem wäre die Einführung des Tunnel-Busses günstiger als die eines neuen U-Bahn-Systems, da für das Verlegen der Schienen nicht nötig wäre, die Erde aufzureißen.

Neu ist diese innovative Idee allerdings nicht. Bereits 1969 entwarfen die beiden amerikanischen Architekten Craig Hodgetts und Lester Walker ein Konzept, das einen ganz ähnlichen Bus vorsah. Sie tauften das Bus-Konzept auf den Namen Bos-Wash Landliner und beschrieben im New York Magazine, dass derartige Busse zwischen Washington D.C. und Boston verkehren könnten.

Diese Idee griff Song in einem Vortrag 2010 wieder auf, woraufhin in Peking angekündigt wurde, man wolle eine circa acht kilometerlange Teststrecke bauen. Dieses Projekt wurde allerdings nie begonnen.

Nach den Informationen der Xinhua News Agency planen die Firma „Transit Explore Bus“ und Song jetzt aber, einen Prototyp in der Stadt Changzhou zu bauen, der bereits im Juli oder August bereit für einen Test sein soll.  

Sollte sich das Konzept durchsetzen, könnte es einen Teil dazu beitragen, die Verkehrslage in chinesischen Städten zu entspannen. Bis sich derartige Maßnahmen auch in der Luftqualität niederschlagen, wird aber noch einige Zeit vergehen. Denn um dieses Ziel zu erreichen, ist neue Technologie alleine nicht ausreichend. Vielmehr muss in der chinesischen Gesellschaft ein Umdenken mit mehr Fokus auf Umweltschutz im Allgemeinen und Luftqualität im Speziellen stattfinden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen