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Das ist bitter: Küchenschaben meiden Zuckerfallen

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Washington (dpa) ? Seit einigen Jahren lassen sich Küchenschaben mit herkömmlichen Fressfallen nicht mehr so gut bekämpfen wie sonst. US-Forscher haben nun herausgefunden, warum das so ist.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Washington (dpa) ? Seit einigen Jahren lassen sich Küchenschaben mit herkömmlichen Fressfallen nicht mehr so gut bekämpfen wie sonst. US-Forscher haben nun herausgefunden, warum das so ist.

Zuckerhaltige Fressfallen scheinen einigen Küchenschaben bitter zu schmecken. Die süße Glukose aktiviert bei den Schädlingen einen Bitter-Rezeptor, woraufhin die Küchenschaben die Fallen meiden. Dies berichten US-Forscher im Fachblatt «Science». Ihre Untersuchung zeige, wie schnell sich das Sinnessystem an veränderte Umweltbedingungen anpassen könne.

Das Team um Ayako Wada-Katsumata von der North Carolina State University (Raleigh/US-Staat North Carolina) hatte Deutsche Schaben (Blattella germanica), auch Küchenschaben genannt, untersucht. Zur Bekämpfung der Schädlinge, die auch Krankheitserreger übertragen können, gibt es diverse Mittel. Seit Mitte der 1980er Jahre werden unter anderem Fressfallen eingesetzt, die ein Insektizid und einen zuckerhaltigen Lockstoff - wie Glucose oder Fructose - enthalten.

Bereits einige Jahre nach Einführung dieser Fallen ließ jedoch ihre Wirkung nach: Viele Schaben mieden plötzlich die glukosehaltigen Lockmittel. Und: Diese Subpopulationen konnten in der Natur bestehen, obwohl sie langsamer wuchsen und sich langsamer vermehrten als die Schaben, die sich nach wie vor durch Glukose anlocken ließen. Die Nachteile der Glukose-Abneigung wurden scheinbar dadurch ausgeglichen, dass die Tiere den giftigen Fallen aus dem Weg gehen konnten, schreiben die Forscher. Die Abneigung gegen den Zucker war erblich, beruhte also mithin auf einer genetischen Veränderung.

Die Experten untersuchten nun die Duftwahrnehmung bei den Schaben genauer. Die Tiere besitzen winzige, haarähnliche Sensoren an ihren Mundwerkzeugen. In den Sensoren befinden sich verschiedene Nervenzell-Rezeptoren, GNRs genannt. Sie werden durch unterschiedliche Substanzen aktiviert: ein Rezeptor zum Beispiel durch Zuckerstoffe, wie Glukose oder Fruktose, ein anderer durch Bitterstoffe, wie etwa Koffein.

Die Untersuchungen zeigten nun, dass bei den Schaben, die die Fallen mieden, Glukose auch den Bitter-Rezeptor aktivierte. «Wir wissen nicht genau, ob die Glukose diesen Schaben tatsächlich bitter schmeckt, aber wir wissen, dass die Glukose den Rezeptor aktiviert, der sonst nur von Koffein oder anderen Bitterstoffen aktiviert werden würde», sagt Coby Schal, einer der beteiligten Wissenschaftler. «In den Tests bringt das die Schaben dazu, ihren Mund zu schließen und von der Glukose fortzulaufen.» Die Schaben scheinen also eine Art «Neubewertung» der Glukose vorgenommen zu haben: Ihr Geruch steht nicht mehr für eine Leckerei, sondern für eine Gefahr.

Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg sind Deutsche Schaben Allesfresser. Sie befallen organische Materialien aller Art. Die Tiere wurden nach Deutschland eingeschleppt und kommen in vielen Regionen der Welt vor. Die nachaktiven Schaben leben in dunklen, feuchten und warmen Verstecken. So können zum Beispiel Bäckereien oder Wohnungen befallen sein.

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