Javaneraffen Zhong Zhong und Hua Hua : Chinesische Forscher klonen erstmals Affen mit der „Dolly“-Methode

Das undatierte Bild zeigt Hua Hua und Zhong Zhong in Shanghai (China).
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Das undatierte Bild zeigt Hua Hua und Zhong Zhong in Shanghai (China).

Über 20 Jahre nach Klonschaf Dolly: Die Äffchen Zhong Zhong und Hua Hua lassen neue ethische Fragen aufkommen.

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24. Januar 2018, 18:06 Uhr

Shanghai | Rund 22 Jahre nach der Geburt des Klonschafs Dolly haben chinesische Forscher erstmals mit derselben Methode Affen geklont. Die zwei Javaneraffen Zhong Zhong und Hua Hua seien lebendig geboren worden und hätten zumindest die ersten Wochen überlebt, berichtet das Team im Fachmagazin „Cell“. Obwohl die bei Dolly verwendete Technik bei mehr als 20 Tierarten wie Kühen, Schweinen und Hunden gelang, waren Forscher mit dieser Methode bislang an Affen gescheitert.

Zwei Fragen bestimmen die ethische Debatte um das Klonen. Ist das Klonen von Menschen auf der Grundlage der Erkenntnisse über das Verfahren und die bisher vorliegenden Ergebnisse ethisch vertretbar? Sie wird gemeinhin mit Nein beantwortet, da das Klonen zu unzumutbaren gesundheitlichen Risiken führen kann. Zweite Frage: Gibt es jenseits von Sicherheitsüberlegungen grundsätzliche ethische Argumente, die gegen das Klonen sprechen? Dies wird kontrovers diskutiert. Klonen verstoße gegen die Menschenwürde, würde Identität und Individualität des Klons gefährden sowie unzumutbare psychosoziale Folgen haben, so die häufigsten Argumente.

Wie bei Dolly übertrugen die chinesischen Forscher den Zellkern samt Erbgut von einer Zelle des Spendertiers in eine Eizelle, die zuvor entkernt wurde. Die Eizelle wurde einer Leihmutter eingesetzt, die den Klon austrug. So lassen sich theoretisch viele genetisch gleiche Tiere erzeugen.

Zwar war schon 1999 ein Labor-Affe auf die Welt gekommen, der dieselben genetischen Informationen besaß wie ein Artgenosse. Das Klontier war jedoch aus der einfachen Teilung der befruchteten Eizelle im Labor hervorgegangen – ähnlich wie bei eineiigen Zwillingen.

Das Team um Qiang Sun von einem Institut der staatlichen Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai wandte nun ein erweitertes Dolly-Verfahren für die Javaneraffen (Macaca fascicularis) an. So bereitete es die DNA-Erbgutstränge speziell auf die anschließende Übertragung in die Eizelle vor.

Wie die Forscher schreiben, waren viele Versuche nötig: Von knapp 200 aus dem Erbgut erwachsener Affen gewonnenen Embryonen kam es bei 42 Leihmuttertieren, denen die Forscher die Zellen einsetzten, zu zwei Lebendgeburten, doch starben diese Affenbabys wenige Stunden später.

Mehr Erfolg hatten die Forscher bei gut 100 Embryonen, die auf dem Erbgut von Affen-Föten beruhten. In dieser Gruppe kam es bei 21 Leihmüttern zu sechs Schwangerschaften. Zwei Jungtiere kamen lebendig zur Welt und überlebten mindestens die ersten 40 sowie 50 Tage, dann schrieben die Forscher den Fachartikel.

Die Erfolgsrate sei zwar noch nicht „wahnsinnig berauschend“, doch seien die neuen Ergebnisse ein „wichtiger Schritt“, sagt Eckhard Wolf vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Für die Erforschung neuer Therapien etwa gegen einige neurologische Krankheiten sei die Klon-Technik vielversprechend. Mit der Methodik sei es möglich, mehrere genetisch identische Versuchstiere zu untersuchen, was etwa für die Entwicklung neuer Arzneimittel hilfreich sein könne. Womöglich könne auch durch die Vereinheitlichung der Krankheitsbilder die Zahl der Versuchstiere verringert werden.

Wie bei jedem Tierversuch stellt sich laut Wolf dabei die Frage, wie groß die Belastung für die Tiere im Vergleich zur Bedeutung der Forschung ist. „Wenn es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, für die man durch solche Versuche berechtigte Hoffnung auf Heilungen haben kann, dann kann es gerechtfertigt sein.“ Schon der große Aufwand und die geringe Erfolgsquote stellen seiner Einschätzung nach sicher, dass die Klon-Technik nur dann eingesetzt wird, wenn sie dringend erforderlich ist. Wolf plant selber keine derartigen Versuche bei Affen, wie er sagte. „Mit Sicherheit nicht – wir bleiben beim Schwein.“

Auch Daniel Besser, Geschäftsführer des Deutschen Stammzellnetzwerks, sieht die Ergebnisse der chinesischen Kollegen als bedeutende Weiterentwicklung an. Aufgrund von Fälschungsskandalen bei früheren Klon-Versuchen rät er jedoch zur Vorsicht. „Erst wenn sich die Ergebnisse in verschiedenen Laboren der Welt bestätigen lassen, ist klar, dass sie stimmig sind.“ Seiner Einschätzung nach könnten Experimente an geklonten Javaneraffen in Einzelfällen ethisch gerechtfertigt sein – nicht jedoch bei Menschenaffen.

„Wir sind uns bewusst, dass zukünftige Forschung an nicht-menschlichen Primaten überall auf der Welt davon abhängt, dass Wissenschaftler strikte ethische Standards einhalten“, erklärte der an der neuen Studie beteiligte Neurologe Mu-ming Poo in einer Pressemitteilung. Er betont, dass sein Team sich an internationale Richtlinien gehalten habe. Gleichzeitig ruft er die wissenschaftliche Gemeinschaft auf, die ethischen Grenzen von Klon-Versuchen an Affen international zu diskutieren.

Für den Theologen Peter Dabrock von der Uni Erlangen, der auch Vorsitzender des Deutschen Ethikrats ist, stellen sich durch die neuen Klon-Erfolge „massive“ ethische Fragen. Es sei zum Beispiel offen, wie gesund die beiden überlebenden Affenjungen tatsächlich sind – geklonte Tiere leiden in der ersten Generation oftmals an Erkrankungen.

Die Namen der Affen Zhong Zhong und Hua Hua haben eine ganz besondere Bedeutung, wie das Journal „Cell“ in einer Mitteilung berichtete. Zhonghua heiße so viel wie „chinesische Nation“. Dieses Spiel mit dem Nationalstolz deute an, dass es bei den Versuchen nicht nur um Forschungsfortschritt ging, sondern „vor allem um Prestige und andere nicht-hochrangige Ziele“, kritisiert Dabrock. „So etwas sollte nicht auf Kosten solch sensibler Wesen gehen und ist ethisch problematisch.“

Er befürchtet, dass die Klonversuche zu erheblichen Protesten von Tierschützern führen könnten. Dabei seien Tierversuche manchmal „schmerzlicherweise unumgänglich“. Er habe den Eindruck, dass in China „eine umfängliche Strategie gefahren wird, die genetischen Grundlagen menschlichen Lebens zu bearbeiten“, erklärt der Ethiker. „Wie damit umzugehen ist, ist aber nicht nur eine Aufgabe für chinesische Regulationen, sondern eine Menschheitsfrage.“

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