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Nasa gibt Entwarnung : Asteroid 2012 TC4 verfehlt die Erde nur knapp

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Der astronomische Gesteinsbrocken zieht am 12. Oktober nur 44.000 Kilometer an der Erde vorbei.

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erstellt am 09.Okt.2017 | 14:08 Uhr

Kiel | 44.000 Kilometer. Um eine Strecke, wenig mehr als ihr eigener Umfang, entgeht die Erde am 12. Oktober einer kosmischen Katastrophe. Am Donnerstag rast ein Asteroid von der Größe eines Hauses knapp an der Erde vorbei – an All-Maßstäben gemessen.

Der „Asteroid 2012 TC4“ benannte Raumwanderer wurde im Jahr 2012 von einem Observatorium in Hawaii erstmals entdeckt. Damals konnten Wissenschaftler eine Kollision mit der Erde zunächst nicht ausschließen, und die Laufbahn des Asteroiden verhinderte seine Beobachtung während der vergangenen fünf Jahre. Erst kürzlich spürte ein Teleskop in Chile ihn wieder auf. Seitdem ist für die Wissenschaftler der Europäischen Weltraumagentur Esa klar: Fürs irdische Leben besteht keine Gefahr.

Wie groß ist die Gefahr?

Würde der 15 bis 30 Meter durchmessende Asteroid doch die Erde treffen, wären die Folgen vergleichbar mit dem Einschlag des Meteors von Tscheljabinsk im Februar 2013 im russischen Ural. Der größte Einschlag seit über 100 Jahren – der Meteorid war etwa 20 Meter groß – verursachte eine Druckwelle, die 1500 Menschen verletzte und 7000 Gebäude in sechs Städten der Region beschädigte.

Ereignisse diesen Ausmaßes sind äußerst selten, obwohl jeden Tag Tausende Tonnen meteoritischer Substanzen auf unseren Planeten einprasseln. Der größte Teil der Asteroidentrümmer verglüht allerdings in der Atmosphäre und ist dann häufig als Sternschnuppe zu beobachten, siehe die Begriffserklärung weiter unten. Erreicht doch einmal ein Brocken die Erdoberfläche, geschieht dies meist in unbewohnten Gebieten, da diese die größte Fläche der Erde ausmachen. Alle 100 Jahre – so schätzen Astronomen die Wahrscheinlichkeit ein, mit der ein Asteroid von der Größe eines Hauses die Erde trifft.

Was dann geschieht, hätte miterleben können, wer vor gut 100 Jahren in der ostsibirischen Taiga unterwegs war. Was genau am 30. Juni 1908 geschah, ist eines der großen Rätsel der modernen Wissenschaft. Ein internationales Forscherteam um Luigi Foschini vom astrophysikalischen Forschungszentrum TeSRE in Bologna hält es aber für wahrscheinlich, dass damals ein Asteroid der Erdatmosphäre so nahe kam, dass diese ihn zerriss.

Die Explosion mit einer Kraft von geschätzten zehn Millionen Tonnen TNT mähte Bäume in einem Gebiet, so groß wie das Saarland, nieder. Der Knall war noch in 800 Kilometer Entfernung zu hören, das Leuchten am nächtlichen Himmel sahen auch Menschen von Europa aus. Das Flusstal der Tunguska, nach dem das Ereignis benannt wurde, war anschließend eine verkohlte Wüste.

Der Asteroid, der vor 65 Millionen Jahren das Ende der Dinosaurier einleitete, war laut Marco Ludwig, dem Leiter der vhs-Sternwarte Neumünster, etwa 10 Kilometer groß. Ein apokalyptisches Ereignis diesen Ausmaßes, so Ludwig, komme etwa alle 50 Millionen Jahre vor. „Eigentlich wäre es also mal wieder überfällig“, so Ludwig. Objekte dieser Größe würde man aber in der Regel viele Jahre im voraus entdecken. „Die zehn Kilometer großen Asteroiden haben wir eigentlich alle im Blickfeld“, sagt Asteroiden-Experte Rüdiger Jehn von der Esa. Für die nächsten mehreren Hundert Jahre sei kein Einschlag zu erwarten.

Kann man Asteroiden abwehren?

Könnte die Menschheit eine solche Katastrophe, wenn sie denn doch einmal kommt, verhindern? Hollywood hat bereits mehrere Vorschläge auf der großen Leinwand unterbreitet. In der bekanntesten, dem Bruce-Willis-Film „Armageddon“ von 1998, landet eine Gruppe Bohrspezialisten auf dem Asteroiden, um ihn in die Luft zu sprengen.

Die Spreng-Variante von Bruce Willis schätzt Sternwarten-Leiter Marco Ludwig als wenig realistisch ein. Die Wissenschaft habe sich aber durchaus mit dem Thema beschäftigt. Am erfolgversprechendsten sieht Ludwig folgendes Modell: „Wenn man den Asteroiden zehn bis 20 Jahre vor dem Einschlag entdecken würde, könnte man ihm eine Rakete entgegenschicken. Diese würde an den Asteroiden andocken und ihn dann durch ihren Antrieb ausreichend umlenken, dass er an der Erde vorbeizieht.“

Eine andere Variante testet in einigen Jahren die US-Raumfahrbehörde Nasa. Dort plant man im Rahmen des Projektes Aida (Asteroid Impact and Deflection Assessment) im Oktober 2022 probehalber einen Einschlag auf den kleineren Körper des Zwillingsasteroiden Didymos, um die Umlaufbahn des rund 150 Meter breiten sogenannten Didymoons beeinflussen.

Kann man „2012 TC4“ von der Erde aus sehen?

Der Vorbeiflug von „2012 TC4“ ist mit bloßem Auge nicht zu sehen, gibt aber den Weltraumforschern rund um die Welt die seltene Gelegenheit, einen Asteroiden aus „nächster Nähe“ zu beobachten und so Informationen über seine Zusammensetzung und Flugbahn zu erlangen. „So können wir unsere Fähigkeit zu bewerten, auf eine wirkliche Asteroiden-Bedrohung zu reagieren“, heißt es von der Esa.

Begriffserklärung:

Asteroid
Asteroiden sind Objekte aus festen Stoffen. Sie können ganz unterschiedliche Größen haben: von einigen Metern bis über 100 Kilometer Durchmesser. Sie bewegen sich auf Bahnen um die Sonne, die der der Erde ähneln. In unserem Sonnensystem gibt es viele Tausend Asteroiden.
Komet
Kometen bestehen aus Eis, Staub oder lockerem Gestein. Auf ihren Bahnen geraten die bis zu 100 Kilometer großen Körper so nah an die Sonne, dass ein Teil von ihnen verdampft und so als Schweif sichtbar wird – allerdings meist nicht für das bloße Auge. Eine Ausnahme bildet etwa der Halley’sche Komet, der alle 76 Jahre der Erde so nahe kommt, dass man ihn ohne Fernglas sehen kann. Interessierte können sich das Jahr 2061 vormerken.
Meteoroid, Meteorit und Meteor
Die Begriffe sind keine Synonyme, sondern bezeichnen Gesteinsbrocken in unterschiedlichen Stadien, die allesamt kleiner als Asteroiden sind. Noch im Weltall fliegend, nennt man sie Meteoroiden. Innerhalb der Erdathmosphäre, wo sie vor dem Aufprall in den meisten Fällen verglühen, werden sie als Meteore – auch Sternschnuppen genannt – sichtbar. Verglühen sie nicht, kann man sie als Meteoriten aus ihren Einschlagskratern graben.
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