Christiansens Netzwelt : Zur Sicherheit in den Müll?

Bei Smartphones herrscht eine Wegwerfkultur. Politiker machen’s vor.

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21. Juli 2015, 04:30 Uhr

Können Sie sich das vorstellen: Nach ein paar Telefonaten und abgesetzten SMS sollen Sie Ihr ziemlich neues Smartphone wegwerfen. „Nein“, schreie ich innerlich. „Da sind doch alle meine Fotos drauf. Und Kalendereinträge. Und…“ Jemand wie Angela Merkel wird damit wohl sachlicher umgehen – zumal dann, wenn an der Vernichtung ihres Mobiltelefons die nationale Sicherheit hängt. Ein Argument, das reichlich schwer wiegt. Laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel nutzen viele ranghohe Regierungsmitglieder und Beamte für Reisen ins Ausland Wegwerfhandys. Häufig müssten die Telefone vor vertraulichen Gesprächen aus der Hand gegeben werden. Eine 1A-Gelegenheit, Spionagesoftware auf die Geräte zu spielen.

Im Netz ist der Aufschrei groß – neben aller im Politikzirkus angebrachten Skepsis fährt man damit nicht gerade einen umweltfreundlichen Kurs. Hier sollten Otto-Normal-Bürger ein Vorbild sein. Wir haben kaum so gewichtige Gründe, stets neuester Technik zu verfallen.

Aus den Niederlanden kommt zumindest hierfür vielleicht eine Lösung: Die zweite Version des „Fairphone“ soll Handynutzung mit gutem Gewissen ermöglichen. Die verwendeten Rohstoffe stammen aus menschenrechtsfreundlichem Abbau, einzelne Teile lassen sich auf einfache Weise selbst tauschen. Gute Idee, aber auch hier gilt: Ruhe bewahren. Ich jedenfalls werde mein Smartphone hegen und pflegen, bis es auseinanderfällt. Danach erst gibt es vielleicht ein faires Telefon.

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