Onlinebetrug : Zu schön, um wahr zu sein

Trotz Vorauszahlungen kommt es meist nicht zur Schlüsselübergabe. Foto: dpa
Trotz Vorauszahlungen kommt es meist nicht zur Schlüsselübergabe. Foto: dpa

Betrüger ködern Wohnungssuchende im Netz mit unschlagbaren Angeboten. Bei Interesse soll eine "Sicherheits-Summe" gezahlt werden - doch zu Gesicht bekommt man die Wohnung nicht.

Avatar_shz von
05. November 2011, 12:33 Uhr

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp in Schleswig-Holstein. Vor allem in zentralen Innenstadtlagen bedeutet es für mehrköpfige Familien, Menschen mittleren und geringen Einkommens oder Studenten harte Arbeit, eine günstige und wohnliche Bliebe zu finden. Verlockend kommen da attraktive Mietangebote im Internet daher: 400 Euro für 68 Quadratmeter in der Flensburger "Nicolaistraße 5". Damit warb jüngst ein Inserat auf den Internetportalen immobilienscout24.de und wg-gesucht.de. Einheimische würden bei der falschen Schreibweise der zentralen Nikolaistraße womöglich schon skeptisch werden. Dass es sich bei diesem Angebot um einen Betrugsversuch handelt, können Ortsunkundige aber auf den ersten Blick kaum erkennen.
Aus der Wohnungsnot und Ortsunkenntnis von Wohnraumsuchenden schlagen Online-Betrüger Profit: Unter falschem Namen stellen sie unschlagbar günstige Angebote ins Netz. Große Wohnungen für wenig Geld in gefragter Lage – oft luxuriös ausgestattet. Sogar Bilder des vermeintlichen Schmuckstücks kann der potenzielle Mieter begutachten.
Angebliche Schlüsselübergabe nach Vorauszahlung
Als Kontakt ist meist nur eine anonyme E-Mail-Adresse angegeben. Anrufen lässt sich der "Vermieter" nicht. "Die angeblichen Besitzer geben an, sich im Ausland zu befinden - oft Großbritannien oder Skandinavien - und deshalb nicht persönlich zur Besichtigung erscheinen zu können", warnt immobilienscout24.de. Plötzliche Schicksalsschläge oder eine berufliche Veränderung hätten die Anbieter zum sofortigen Umzug gezwungen. In E-Mails fordern sie den Interessenten auf, eine "Sicherheits-Summe" etwa über den Brief-Express-Dienst DHL, den Geldtransfer-Anbieter Western Union oder die Webseite Rent.com zu überweisen. Nachdem die Zahlung eingetroffen sei, werde der Schlüssel zum Mietobjekt ausgehändigt.
Nur: Soweit kommt es meist nicht. "Es ist wahrscheinlicher, dass das Geld weg ist, als dass der Interessent tatsächlich einen Schlüssel erhält", warnt Jochen Kiersch, Geschäftsführer des Mieterbunds Schleswig-Holstein. Seine Organisation beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Denn: Auch in Kiel und Neumünster sind derartige Fälle bekannt. "Oft fallen Menschen auf den Betrug herein, die sich nicht richtig zu wehren wissen", sagt Kiersch. Ist man Opfer der Masche geworden, helfe eigentlich nur eine Strafanzeige. Da die Angebote sehr schnell wieder aus dem Netz herausgelöscht werden können, sei ein Bildschirmausdruck - am besten vor Zeugen - ein wichtiges Beweismittel.
Vermieter persönlich kennen lernen
"Der Geschädigte hat den zivilrechtlichen Anspruch, die Verlustsumme vor Gericht wieder einzufordern. Das geht meist nur mit Hilfe eines Anwalts oder des Mietervereins", sagt Kiersch. Oft bestehe aber kaum eine Chance, den Betrüger ausfindig zu machen. Deshalb rate der Mieterbund jedem, niemals vor der Besichtigung zu zahlen. Kiersch: "Man sollte immer verlangen, die Wohnung vorher zu sehen und einen Menschen aus Fleisch und Blut kennen zu lernen."
Doch auch dann ist man nicht gänzlich gegen Betrug abgesichert: Es gibt Fälle, in denen Besichtigungen von Wohnungen angeboten werden, die gar nicht vermietet werden können. Stefan Jung vom Landeskriminalamt empfiehlt deshalb: "Immer erst einen rechtsgültigen Vertrag unterschreiben, bevor man irgendetwas zahlt." Seiner Behörde sind in Schleswig-Holstein mehrere Betrugsversuche dieser Art bekannt, oft auch in Verbindung mit ausländischen Immobilien.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen