Emma Holten : Wie eine Dänin mit Nacktfotos gegen Rachepornos kämpft

Das ist eins der Fotos, die zu der Fotoserie von Emma Holten gehören.
Das ist eins der Bilder, die zu der Fotoserie von Emma Holten gehören.

Was tun, wenn plötzlich die privatesten Bilder öffentlich sind? Die Journalistin Emma Holten geht in die Offensive.

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23. Januar 2015, 14:04 Uhr

Männer stellen ohne Erlaubnis Nacktbilder der Ex-Freundin oder anderer Frauen ins Netz, um sie zu demütigen: Das ist leider populär. Die Dänin Emma Holten wehrt sich gegen solche Rachepornos - indem sie ihre eigenen Aktbilder selbst ins Netz stellt.

Vor mehr als drei Jahren wurde Emma Holtens Facebook-Account gehackt. Seitdem kursieren die Nacktbilder, die einmal privat waren, im Netz - auf einem ist sie erst 17. Die Bilder für die Öffentlichkeit nahm die dänische Fotografin Cecilie Bødker Jensen in Holtens Wohnung auf, im September erschienen sie in dem Magazin Friktion. Danach berichteten das Magazin Elle und die Huffington Post über Emma Holten. Für den britischen Guardian fasst die Journalistin jetzt in einem Video-Kommentar ihre Geschichte in Worte - und auch ihre Wut.

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Was ist eigentlich genau passiert? An einem Morgen im Oktober 2011 konnte sich Emma Holten nicht bei Facebook einloggen - danach tauchten im Netz Nacktbilder von ihr auf. Außerdem: die Namen ihrer Eltern, ihrer Geschwister, ihres Arbeitgebers. „Ich war eins der tausenden, hunderttausenden Mädchen geworden, die gegen ihren Willen in die Porno-Industrie geworfen werden“, erzählt sie auf der Webseite hystericalfeminism.com - und beschreibt ihre Scham.

Fremde schickten ihr Nachrichten:

„Wissen deine Eltern, dass du eine Schlampe bist?“

„Bist du gefeuert worden?“

„Wer hat dir das angetan?“

„Schick mir mehr Nacktfotos oder ich werde die, die ich habe, deinem Chef schicken.“

Die Nachrichten kamen von Männern aus aller Welt, geschrieben von Teenagern, Studenten, Familienvätern. „Die meisten Männer wussten, dass die Fotos gegen meinen Willen veröffentlicht wurden. Und die Demütigung war Teil ihrer Erregung“, klagt Emma Holtens an.

Irgendwann wurde aus der Scham Wut. „Mir wurde klar: Es geht gar nicht um mich. Es geht um Frauenhass“, sagt sie. Es mache einen Unterschied, ob eine Frau der Veröffentlichung zustimme - und der sei so klar wie der zwischen Vergewaltigung und Sex. Darum entschloss sie sich, nicht mehr zu schweigen, zeigte sich selbst - sie wollte vom Objekt zum Subjekt werden, wieder die Kontrolle darüber gewinnen, was über sie im Internet zu sehen ist.

Emma Holten hat nie herausgefunden, wer sie gehackt hat. Jahre nach der Veröffentlichung der Bilder wird sie immer noch belästigt.

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