Müllers Netzwelt : Wer misst, misst Mist

Viele Internetanbieter vermarkten Bandbreiten, die sie nicht liefern können.

Avatar_shz von
03. Februar 2018, 12:40 Uhr

Nun ist es amtlich. Viele Internetanbieter vermarkten Bandbreiten, die sie nicht liefern können. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat mit der webbasierten Breitbandmessung www.breitbandmessung.de eine Möglichkeit geschaffen, mit dem Internetnutzer jetzt die gelieferte Bandbreite überprüfen können.

Die Ergebnisse sind nicht überraschend, ist es nicht seit eh und je gängige Praxis, dass die Anbieter ihre Bandbreiten mit „bis zu“ bewerben. Sind es doch gerade DSL-Anschlüsse, die ihr „bis zu“ nie erreicht haben. Warum? Die Leitungslängen sind zu groß oder benachbarte Leitungen stören. Verkauft werden die Anschlüsse trotzdem. Theoretisch könnte der Wert ja erreicht werden, wie auch bei anderen Anschlussarten. In den Spitzenzeiten, in denen im Netz gesurft wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch der Nachbar sich im Netz tummelt. Und dann zeigt die „Kabel-Glasfasertechnik“ der Kabelnetzanbieter ihre Schwächen. Die zur Verfügung gestellte Bandbreite teilt man sich mit den Nachbarn.

Demnächst möchte die BNetzA ein auf dem PC installierbares Mess-Tool vorstellen, mit dem die Verbraucher die Chance hätten, gegen ihre Anbieter vorzugehen. Doch es ist gar nicht so einfach, eine korrekte Messung durchzuführen, die sämtliche verschieden mögliche Konstellationen und Gegebenheiten berücksichtigt. Dass die Messung nicht über WLan durchgeführt werden kann oder parallel andere Programme Daten ziehen dürfen, ist neben beschränkter Hardware beim Kunden, der eingesetzten Protokolle und der Anbindung des Messtool-Servers eine Herausforderung. Viele Details können das Messergebnis verfälschen und dazu führen, dass die Anbieter die Messergebnisse erfolgreich zurückweisen können.

Dann sollte es wie mit dem Videobeweis beim Fußball gehandhabt werden. Wenn die Abseitslinie nicht richtig „kalibriert“ ist, dann gibt es auch keinen Video-Beweis. Wenn das Messtool keine verlässlichen Ergebnisse liefert, dann kann es auch nicht dazu dienen, gegen Anbieter vorzugehen.
 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen