Maas' Netzwelt : Wer hat Angst vor „Watson“?

Es wird ernst: Eine japanische Versicherung ersetzt 34 Mitarbeiter durch künstliche Intelligenz.

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04. Januar 2017, 18:29 Uhr

Künstliche Intelligenz (KI) fasziniert die Menschen schon lange: Droiden wie R2DC („Star Wars“), Data („Star Trek“) oder Marvin, der depressive Roboter in „Per Anhalter durch die Galaxis“ spicken die Popkultur seit mehreren Jahrzehnten. Und KI gehört längst zu unserer Realität. Seit ungefähr fünf Jahren ruft das System „Watson“ von IBM immer wieder kollektive ehrfurchtsvolle „Aaahs“ und „Ooohs“ hervor: „Watson“ spielt Schach. „Watson“ diskutiert. Und jetzt: Ein Versicherungsunternehmen in Japan ersetzt 34 Mitarbeiter durch „Watson“. Oh.

Die künstliche Intelligenz soll bei der Fukoku Mutual Life Insurance zwei Aufgaben erfüllen: die Auswertung von Dokumenten von Ärzten und Krankenhäusern, die für die Auszahlung relevant sind, und die Prüfung, ob eine Beschränkung der Höhe der Auszahlung vereinbart ist. Das erledigten bisher 130 Mitarbeiter, teilte das Unternehmen mit, gut ein Viertel von ihnen muss jetzt gehen. Die Vorteile liegen auf der Hand: „Watson“ ist auf Dauer billiger, und KI braucht keinen Urlaub und wird nicht krank.

Diese Entwicklung kennen wir aus der Geschichte: Im Zuge der industriellen Revolution wurde anstrengende und zum Teil lebensgefährliche Handarbeit immer weiter durch Maschinen ersetzt – wobei auch die Bedienung der Maschinen zu Anfang oft lebensgefährlich war. Heute sprechen viele, völlig zu Recht, von der digitalen Revolution. Software übernimmt die Kopfarbeit.

Natürlich weckt das Sorgen und Ängste: Für wen gibt es in Zukunft noch Jobs, wenn künstliche Intelligenz auch Rechnungen prüfen, Entscheidungen treffen und Texte schreiben kann? Wo ist die Grenze, welche Arbeit machen wir noch selbst? Kann KI Kanzler – zumindest teilweise? Manche glauben, dass wir irgendwann gar nicht mehr arbeiten werden.

Was wir der Software unter anderem voraus haben: Empathie, Gefühl und Humor. Genau deshalb ist Marvin, der von Douglas Adams erfundene depressive Roboter, eine so absurde Figur in einem sprühend komischen Werk. Einmal sagt er: „Ich habe mit dem Bordcomputer gesprochen.“ – „Und?“ – „Er hasst mich.“ Vielleicht versteht diesen Witz in 20 Jahren niemand mehr.

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