Fligges Netzwelt : Wenn Google uns das Feuer bringt

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Datenbrillen und Effizienzsteigerung: Am Ende sind wir uns nur peinlich.

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29. Januar 2015, 07:00 Uhr

Abitur mit Eins und trotzdem mangelhaft. Es tut mir Leid, aber so ist es nun einmal. Das zumindest sagt ein nicht unwichtiger Teil der Philosophen: Der Mensch ist ein „Mängelwesen“ – wenn man ihn mit anderen Spezies vergleicht. Schauen wir nur einmal auf die dramatischen Warnungen, die Schneefälle in New York auslösten. Was ist der New Yorker ohne U-Bahn und Strom? Während ein Tier von sich aus vor Kälte geschützt ist, benötigen wir dafür Dinge. Kleidung, Heizungen, Kraftwerke.

Das ist nichts Neues. Schon in der antiken Mythologie musste uns Prometheus das Feuer zurückbringen, weil wir ohne ziemlich aufgeschmissen waren. Seitdem hat sich sehr viel getan – auch in dieser Woche. Die DHL hat die Ergebnisse eines bemerkenswerten Pilotprojekts veröffentlicht. In einem Logistikzentrum in den Niederlanden wurden zehn Mitarbeiter mit Smartbrillen ausgestattet. Das waren die Beschäftigten, die Bestellungen von A nach B tragen. Die Brille zeigt dabei die nächsten Arbeitsschritte, den exakten Standort des Artikels und die benötigte Menge im Sichtfeld an. Das Fazit für DHL: 25 Prozent mehr Effizienz und eine deutlich geringere Fehlerquote.

In der Antike hatte Technik etwas Magisches. Man stelle sich vor, wie ein Sokrates angesichts dieser Erfindung staunen würde – was er sehr gut konnte. Er würde vielleicht fragen, ob Prometheus nun dauerhaft als Chef bei Google unter den Menschen weilt. Googles Smartbrille wurde nämlich beim DHL-Experiment genutzt.

Der Technik-Enthusiast in mir freut sich nun über das erste wirklich sinnvolle Beispiel für diese Technologie. Der Skeptiker hingegen fragt, wie viel Menschlichkeit noch in dieser Arbeit steckt. Ein bisschen Mut zum Unperfekten sollte uns jedenfalls lieber nicht abhanden kommen. Sonst sind wir „Mängelwesen“ uns selbst am Ende noch peinlich.

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