Datenschutz : Wenn die Cloud gescannt wird

US-Unternehmen wie Google, Microsoft und Co. durchsuchen routinemäßig die Onlinespeicher ihrer Nutzer nach verdächtigem Material.

shz.de von
15. Januar 2015, 10:23 Uhr

Was haben Online-Dienste wie Google Drive, Microsofts One Drive und soziale Netzwerke wie Facebook und Co. gemeinsam? Sie alle nehmen es mit dem Datenschutz nicht so genau. Viele Online-Speicherdienste durchsuchen die hochgeladenen Daten ihrer Nutzer sogar. Ganz routinemäßig.

In einem aktuellen Fall habe Microsofts Durchsuchungssoftware nach einem Bericht von Spiegel Online vermeintlich kinderpornografisches Material im Onlinespeicher eines Deutschen ausfindig gemacht. Das Unternehmen meldete den Fund dem US-amerikanischen „Center for Missing and Exploited Children“, welches das Bundeskriminalamt informierte. Unter Berufung auf den „law blog“ des Düsseldorfer Rechtsanwalts Udo Vetter hieß es in dem Bericht, die Polizei habe das Haus des Deutschen – ein Mandant Vetters – durchsucht. Gegen ihn wird nun wegen des Verdachts auf Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften ermittelt: „Ein Bild hat den Anfangsverdacht zu einer solchen Straftat begründet“, bestätigte die Nürnberger Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke gestern. „Diese eine Datei ist nach unserer Einschätzung schon strafbar.“

Die Suche der beiden Online-Riesen Google und Microsoft basiert auf Datenbanken, in denen kritisches Bildmaterial gesammelt und ausgewertet wurde. Die Bilder wurden auf ein Schwarz-Weiß-Raster reduziert und in einen Zahlenwert umgerechnet. Anhand dessen kann das Bild identifiziert werden. Vergleichbar mit der Identifikation per Fingerabdruck sollen diese Bilder dann von der automatischen Suche erkannt werden.

US-amerikanische Unternehmen wie Microsoft unterliegen einer Meldepflicht an die US-Sicherheitsbehörden, erklärt Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert. Über bedenkliche Inhalte müssen die Behörden dann informiert werden. „Diese Praxis kennen wir, wir finden sie aber nicht toll“, sagt er. Die digitale Auswertung von Bildern und Daten sei „absolut unzuverlässig“. So könnte tatsächlich illegales Material nicht entdeckt, genauso aber auch rechtlich unbedenkliche Bilder fälschlicherweise in den Fokus gerückt und strenger, weil nach US-Recht, bewertet werden: „Die rechtlichen Regelungen im Hinblick auf die Anständigkeit, Meinungsfreiheit oder Freizügigkeit sind in Amerika viel strikter als in Deutschland.“ Möchte man unbedingt seine Daten online speichern, solle man sich besser für einen europäischen oder deutschen Dienst entscheiden, rät Weichert. In Europa gelte ein weit strengeres Datenschutzrecht, als in Amerika. Beruhigt habe Weichert die Nachricht, dass die deutschen Nutzer Online-Speicherdiensten skeptisch gegenüberstehen. Nach aktuellen Zahlen der Statistikbehörde Eurostat speichern nur rund 21 Prozent der Deutschen ihre Daten in einer Cloud (wir berichteten).

Doch nicht immer gehe es nur um Hinweise auf rechtlich bedenkliche Daten. Das Magazin „Wired“ berichtete im Dezember, Facebook arbeite an der Einführung eines „Alkohol-Warners“. Hier soll eine Software ein betrunkenes von einem nüchternen Gesicht unterscheiden und dem Nutzer das Hochladen des Fotos erschweren oder gar verweigern.

Könnte eine solche Funktion nicht auch als nett gemeinte Unterstützung vor der Selbstbloßstellung verstanden werden? „Nein“, sagt Weichert deutlich. Es sei nicht die Aufgabe eines Unternehmens, darauf zu achten, wie sich die Nutzer darstellten. Jeder, der sich für eine Anmeldung entscheide, könne auch eigenverantwortlich abwägen, wie er sich präsentieren möchte: „Die Nutzer werden fremdbestimmt.“

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