Nachlass im Netz : Wenn das digitale Ich weiterlebt

Facebook als Ort der Trauer? Profile Verstorbener können in einen Gedenkstatus versetzt werden.
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Facebook als Ort der Trauer? Profile Verstorbener können in einen Gedenkstatus versetzt werden.

Den Nachlass eines Verstorbenen zu verwalten, bedeutet oft viel Arbeit. Das gilt heutzutage auch für Daten im Netz. Doch man kann schon zu Lebzeiten dafür sorgen, dass es die Erben dabei etwas leichter haben.

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24. Januar 2015, 07:30 Uhr

Die Möglichkeiten, das Internet in den Alltag zu integrieren sind beinahe unerschöpflich: Der E-Mail-Account bei Gmx.de, das Profil bei Facebook, der Kanal bei Youtube, für die Karriere muss es auch eine Präsenz bei Xing sein, für bequemen Geldtransfer das Onlinebanking. Und mit jeder Bewegung im Netz hinterlässt der Nutzer Spuren, auch für die Nachwelt. Doch was passiert mit unserem digitalen Hab und Gut, wenn wir mal nicht mehr sind?

Franz-Helmut Pohlmann sieht mit der Verwaltung des digitalen Erbes eine neue Aufgabe auf die Bestattungshäuser zurollen: „Ein Bestatter muss umfassend alles bedenken, was heute zutreffen kann“, sagt der Obermeister der Bestatterinnung Schleswig-Holstein. Neben der Pflichtmeldung an Krankenkasse und Pflegeversicherung, dem Einstellen des Zeitungsbezugs und anderen Dingen gehört dazu immer öfter auch der digitale Nachlass. „Wir sprechen über die Zukunft“, schränkt er ein. „Alle, die jetzt sterben, sind 70 plus – die nutzen Digitales noch nicht so viel.“ Wird aber ein jüngerer Mensch plötzlich aus dem Leben gerissen, wird der Umgang mit dem Nachlass im Netz schnell akut.

Ein gutes Ordnungssystem und Weitblick im Umgang mit den digitalen Spuren sei bereits im Jetzt wichtig, sagt Pohlmann, auch um Hinterbliebenen die Aufgaben in der schweren Zeit des Trauerns zu erleichtern. So könne jeder, der im Netz unterwegs ist, eine Liste anlegen mit Profilen oder Konten, die Angehörigen bekannt ist. Benutzerdaten auf einem passwortgeschützten USB-Stick zu speichern sei ebenfalls sinnvoll. Damit der digitale Ballast gar nicht erst zu unübersichtlich wird, rät Landesdatenschützer Thilo Weichert, Verfahren immer abzuschließen: „Wenn man einen Account nicht mehr nutzt – löschen.“

Um als Angehöriger Zugriff auf die Daten beispielsweise bei Facebook zu bekommen, müsse im Zweifel schnell gehandelt werden, rät Weichert. In dem sozialen Netzwerk können Nutzer beantragen, die Profile von Verstorbenen in den Gedenkzustand zu versetzen. Facebook prüft die Meldung auf ihre Richtigkeit, stellt das Profil um – und schränkt damit die Rechte des Passwortinhabers ein: Hinterbliebene können dann zum Beispiel nicht mehr auf das Profil zugreifen um die Daten zu sichern. „Die Rechte an den Daten liegen komplett bei Facebook“, erklärt Weichert. Wie man mit dem Tod umzugehen hat, werde von den Anbietern bestimmt, kritisiert der Datenschützer. Wechselt ein Profil in den Gedenkzustand, bekommen alle Facebook-Freunde des Verstorbenen als Status-Update im Feed mitgeteilt – und erfahren spätestens dann von seinem Tod. Wenig angemessen, meint Weichert: „Das Löschen eines Profils ist pietätvoller.“ Das Unternehmen gibt hingegen an, mit dem neuen Status auch einen Ort der Trauer und des Andenkens einzurichten.

Um im digitalen Dschungel nach Daten zu forsten, gibt es Dienstleister, die anhand des Namens, der E-Mailadresse und des Geburtsdatums des Verstorbenen Anfragen nach vorhandenen Kundenkonten und Profilen bei verschiedenen Online-Diensten stellen, erklärt Michaela Schröder vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Von Unternehmen, die anböten, die gesammelten Daten zu verwahren, rät Schröder ab. Die Sicherheit solcher Unternehmen sei schwer einzuschätzen, zumal die Daten in der Regel in einer Cloud hinterlegt werden. Schließlich werden Nutzernamen und Passwörter gemeinsam verwahrt. Dasmacht sie zu begehrter Beute für Hacker.

> Tipps und Infos vom Verbraucherzentrale Bundesverband: www.surfer-haben-rechte.de oder www.machts-gut.de

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