WetterOnline, Apple Wetter, AccuWeather : Warum Wetter-Apps so unterschiedliche Vorhersagen treffen

Wetter-Apps lassen ihre Nutzer häufig im Regen stehen.
Wetter-Apps lassen ihre Nutzer häufig im Regen stehen.

Wie wird das Wetter morgen? Verschiedene Wetter-Apps, verschiedene Prognosen. Warum sind sich die Apps nie einig?

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19. Juni 2018, 16:11 Uhr

Haben Sie auch mehr als eine Wetter-App auf dem Smartphone? Den meisten ist bekannt, dass diese das Wetter nicht alle gleich prognostizieren.

Ich habe ein iPhone, die App von Apple war also bereits vorinstalliert. Häufig führte das allerdings dazu, dass ich für das Wochenende falsch gepackt habe und mit kurzer Hose und T-Shirt im Regen stand oder meine Regenjacke und meinen Pullover am Montag zerknittert und unbenutzt wieder ausgepackt habe. Also mussten weitere Apps her, die oft etwas ganz anderes vorhersagen als die vorinstallierte. Warum ist das so?

Beginnen wir mit einem kleinen Live-Check.

Dienstagmittag, es ist bewölkt in Flensburg und die Sonne kämpft sich durch. Quelle: der Blick aus dem Fenster. Meine drei Wetter-Apps bestätigen das weitestgehend.

Wetter Online

WetterOnline gibt das aktuelle Wetter genauso wieder, wie das Fenster der Redaktion. Es klart auf, die Sonne beginnt sich so langsam durchzusetzen. Oder wie die Wetterapp schreibt: Es ist „heiter“. 17 Grad und ein bisschen windig soll es auch sein: „lebhafter Wind aus West – 25 Stundenkilometer“ (4 Beaufort). Soweit ich das von meinem Schreibtisch aus beurteilen kann, würde ich sagen: stimmt.

AccuWeather

AccuWeather sieht das ein wenig anders: Bei 18 Grad ist es stark bewölkt in Flensburg. Ob 18 oder 17 Grad – ich lasse beides durchgehen. Stark bewölkt nicht. Der Wind soll mit 44 Stundenkilometern (6 Beaufort) aus West kommen. Eher übertrieben würde ich sagen.

Apple Wetter

Das Apple Wetter sagt ebenfalls 18 Grad voraus, und dass es aktuell in Flensburg „meist bewölkt“ ist. Kann man auch so stehen lassen. Der Wind kommt mit ungefähr 24 Stundenkilometern aus West.

Und die Prognose für die nächsten Tage?

Wetter Online

WetterOnline sagt für morgen (Mittwoch) eine Höchsttemperatur von 23 Grad voraus. Dabei soll es bis 15 Uhr teils bewölkt sein, gegen 14 Uhr gibt es eine 50 prozentige Regenwahrscheinlichkeit. Ab 16 Uhr wird es sonnig. Allerdings ist auch lebhafter Wind (25 Stundenkilometer) aus Süd-West, mit Sturmböen bis zu 75 Stundenkilometer (9 Beaufort), vorhergesagt.

Am Donnerstag soll es bei maximal 15 Grad ordentlich nass werden. Schauer in der Nacht, Schauer am Vormittag, Regen am Nachmittag und Abend. Gegen Nachmittag und zum Abend hin wird es zwischendurch jedoch auflockern.

AccuWeather

AccuWeather prognostiziert am Mittwoch eine Tagestoptemperatur von 21 Grad. Es wird „teilweise sonnig, windig, angenehm“. Das Ganze bei Wind aus Südwest mit 32 Stundenkilometern (5 Beaufort), in Böen 50 Stundenkilometer (7 Beaufort).

Für Donnerstag sagt die App „wechselweise Wolken und Sonne, kurze Schauer, kühler“ voraus.

Apple Wetter

Das Apple Wetter ist eigentlich nur für den aktuellen Tag präzise. Für den nächsten Tag lässt sich ablesen, dass es bei maximal 22 Grad windig wird. In der 24-Stunden-Prognose kann man sehen, dass der Tag morgen bewölkt starten soll.

Am Donnerstag wird es bei 14 Grad regnen.

Und was sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD)?

Laut DWD war es in Schleswig-Holstein heute Mittag noch dicht bewölkt, örtlich hat es etwas geregnet. Leider macht der DWD keine genaue Vorhersage für einzelne Städte, sondern nur für Bundesländer. Teils lässt sich daraus aber etwas für die einzelnen Regionen im Land ablesen.

Für Dienstagmittag war noch dichte Bewölkung vorhergesagt. Im Tagesverlauf soll es von Nordfriesland her „deutlich freundlicher“ werden.

Mittwoch soll es sich im Tagesverlauf zuziehen, „an der Grenze zu Dänemark“ (also ziemlich genau in Flensburg) kann es später etwas Regen bei maximal 21 Grad geben.

Am Donnerstag soll es in Schleswig-Holstein viele Wolken und teils kräftigen Regen geben. Später können uns dann Schauer und kurze Gewitter erwarten.

Warum sagen nicht alle Wetter-Vorhersagen das Gleiche voraus?

Es gibt verschiedene Wetter-Modelle, an die man sich halten kann, um das Wetter vorauszusagen. Viele Apps werten Wetterdaten nach dem amerikanischen Wettermodell aus, dem Global Forecast System (GFS). Dieses ist nicht grundsätzlich schlechter. Für die nordamerikanische Region trifft es sehr zuverlässige Vorhersagen. Für unsere Region ist es allerdings oft sehr vage. Besonders auch, weil regionale Effekte außer Acht gelassen werden.

André Kramer vom „c't“-Fachmagazin erklärt, dass Deutschland landschaftlich viel kleinteiliger ist als die USA: Deshalb sind Wetter-Apps, die Daten nach dem europäischen (ECMWF) oder deutschen Wettermodell (ICON) auswerten, viel genauer. Denn ihre Auflösungen sind deutlich höher und erfassen regionale Unterschiede besser.

Das ICON-Modell wird vom DWD berechnet und gilt für Deutschland als zuverlässige Vorhersage. Allerdings sind diese Berechnungen – im Gegensatz zum amerikanischen Modell – nicht kostenfrei, weshalb kleinere Anbieter oft nicht auf sie zurückgreifen. Und wenn doch, müssen sie ihre Apps meist kostenpflichtig anbieten.

Die diversen Modelle haben Stärken und Schwächen bei verschiedenen Wetterphänomenen, sagt Meteorologe Frank Böttcher, der im Vorstand Deutsche Meteorologische Gesellschaft sitzt. „Während beim amerikanischen Wettermodell ein Schwerpunkt auf die Vorhersage von Hurrikans gelegt wird, gibt das Modell des Deutschen Wetterdienstes mehr Klarheit über die Entwicklung von Nebel und Bodennebel.“

Hinzu kommt, dass den Unternehmen mit den Wettermodellen eine Datengrundlage vorliegt, die von Meteorologen auszuwerten und zu interpretieren sind. Diese Interpretationen können zu ganz unterschiedlichen Wetterprognosen führen, weshalb auch Apps, die das gleiche Wettermodell verwenden, unterschiedliche Vorhersagen treffen können.

Um möglichst genaue Vorhersagen zu treffen, greifen viele App-Entwickler auf unterschiedliche Datenquellen zurück und führen diese mit Hilfe eigener Systeme zusammen. Durch die erhöhte Rechenleistung und immer bessere Modelle sind mittlerweile Vorhersagen für bis zu fünf oder sechs Tagen recht verlässlich, meint Kramer, der für die „c't“ Wetter-Apps getestet hat. Aber: Je länger der Zeithorizont, desto schwieriger ist eine regional präzise Vorhersage. Eine gute Wetter-App zeigt über einen längeren Zeitraum deshalb nur Trends an – keine stundengenauen Prognosen.

Welche Wetter-App ist denn nun zuverlässig?

Grundsätzlich sind Wetter-Apps, die ausschließlich das amerikanische Modell verwenden, nicht empfehlenswert, da sie für Deutschland keine zuverlässigen Prognosen liefern. Auf Smartphones vorinstallierte Programme, wie die Wetter-App auf meinem iPhone, verwenden häufig das kostenfreie amerikanische Modell. Auch die genannte App AccuWeather greift auf das amerikanische Modell zurück.

Da kleine Anbieter sich die Wettermodelle des DWD meist nur leisten können, wenn sie ihre Apps kostenpflichtig anbieten, haben sie häufig Probleme sich gegen die großen Anbieter durchzusetzen.

Nach Meinung des Meteorologen Böttcher liefern die großen Wetter-Apps die besten Wettervorhersagen:

  • Warnwetter
  • Weatherpro
  • Wetter.com
  • WetterOnline
  • Wetter.net (– eine App, an deren Betreiber Q.met Böttcher selbst als Gesellschafter beteiligt ist)

Einige von ihnen sind bereits in der kostenfreien Version sehr umfangreich und ausreichend. Auch Kramer meint, dass eine gute Wetter-App nicht kostenpflichtig sein muss. „Allerdings sollten Nutzer hinterfragen, womit die Betreiber kostenloser Apps Geld verdienen“, rät der „c't“-Experte. Oft wird Werbung angezeigt. Aber Nutzer gewähren Wetter-Apps teils auch Zugriff auf sensible Daten wie den Standort. Das ist praktisch, kann aber auch missbraucht werden: Die iOS-Version der App „Accuweather“ etwa soll im Sommer 2017 Standortdaten an eine Werbefirma übermittelt haben.

Die kostenlose App des DWD „WarnWetter“ dient seit letztem Herbst nur noch für Informationen zu witterungsbedingten Gefahrenlagen. Für die Vollversion müssen Nutzer seitdem einmalig 1,99 Euro bezahlen. Grund dafür war eine Klage von WetterOnline.

Besonders im Norden Deutschlands ist der dänische Wetterbericht des DMI (Dänisches Meteorologisches Institut) sehr beliebt. Das DMI bietet in seiner App eine sehr effiziente Vorhersage aus mehreren Wettermodellen an. Beispielsweise greifen sehr viele Segler auf die DMI-Vorhersage zurück.

Mit Material der dpa.

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