Dreyklufts Netzwelt : Warum regt sich keiner auf?

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Der britische Geheimdienst hat die technischen Möglichkeiten, Internet-Inhalte zu manipulieren. Das hat mit Terrorismusbekämpfung wenig zu tun, sagt unser Kolumnist.

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16. Juli 2014, 05:00 Uhr

„Ich habe ja nichts zu verbergen.“ Das ist eine der Antworten, die ich erhalte, wenn ich nach dem Empörungspotenzial der Snowden-Enthüllungen frage. „Das war ja ohnehin alles klar“, ist eine andere. Und spätestens hier widerspreche ich. Nein, mir war nicht klar, dass Geheimdienste jede technische Möglichkeit nutzen, um unbescholtene Bürger bis in die Intimsphäre auszuspitzeln. Und ich danke Edward Snowden, dass wir das jetzt wenigstens wissen. Aber ich gebe auch freimütig zu: Rational regt mich das alles sehr auf. Emotional bekomme ich das Thema aber auch für mich nicht richtig zu fassen.

Gestern war wieder so ein Tag, an dem neue Snowden-Enthüllungen veröffentlicht wurden von Glen Greenwald. Das ist der Journalist, der vor gut einem Jahr im britischen „Guardian“ als einer der ersten über Snowden berichtete.

Greenwald veröffentlichte Dokumente, die zeigen, dass der britische Dienst GCHQ Werkzeuge hat, um nicht nur Webseiten lahmzulegen oder Skype-Gespräche abhören zu können. Nein, der GCHQ kann sogar Ergebnisse von Online-Umfragen manipulieren oder Besucherzahlen von Websites.

Eines der Argumente der „Alles nicht so schlimm“-Sager: Es dient dem Kampf gegen den Terrorismus. Aber wie bekämpft man Terrorismus, indem man etwa eine Online-Umfrage manipuliert und dafür sorgt, dass (völlig fiktives Beispiel) Cliff Richard in einer Liste „Großbritanniens Beste“ statt auf Platz 43 auf Platz 8 auftaucht? Oder dass die Reichweite einer Website, die dem GCHQ nicht so in den Kram passt wie (kein fiktives Beispiel) die des „Guardian“ im Vergleich zu Wettbewerbern niedriger erscheint, als sie es ist? Ich war froh, dass mich diese Meldung aufregte. Denn dass Geheimdienste offensichtliches Interesse haben, den gesellschaftlichen Diskurs in Demokratien zu manipulieren, ist allemal Aufregung wert.

Die Meldung über diese bislang unbekannten Möglichkeiten des GCHQ tauchte gestern Vormittag kurz auf der Homepage von Spiegel Online auf. Dann verschwand sie dort schnell wieder. Wahrscheinlich hat sie nicht so viele Menschen interessiert.

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