tinyur1.co : Vorsicht bei gefälschten Webseiten

Eine Webseite fälschen und damit die Freunde veräppeln – ein Spaß, der rechtliche Konsequenzen haben kann.

von
09. Januar 2015, 08:00 Uhr

Kiel | Wegen „innerer Querelen“ abgesagt – in einer Nachricht des Satire-Magazins „Der Postillon“ hieß es Anfang der Woche, die für Montagabend angesetzte „Pegida“-Demonstration in Dresden finde nicht statt. Bei der Meldung blieb es nicht – auf Facebook machten außerdem gefälschte Nachrichtenseiten die Runde. So vermeldete vermeintlich Spiegel Online, die Demo sei abgesagt, auch auf der – auf den ersten Blick stadteigenen – Webseite www.dresden.de war eine solche Mitteilung zu lesen. Die Organisation dementierte beharrlich. Trotz (oder gerade wegen) des Verwirrspiels kamen rund 18.000 Teilnehmer zu der Demo. Ein neuer Rekord.

Wer hinter den fingierten Webseiten steht, ist unklar. Sicher ist, sie wurden über die Internetseite www.tinyur1.co generiert – ein Werkzeug, eigentlich dazu gedacht, Freunden einen Streich zu spielen, indem Inhalte auf der Oberfläche einer bestehenden Webseite verändert werden. Ganz harmlos. Eigentlich, denn bei solchen Scherzen ist Vorsicht angebracht, mahnt Stephan Dirks, Kieler Anwalt für Urheber- und Medienrecht. Grundsätzlich dürfe sich zwar jeder der Satire bedienen, „sie muss nur erkennbar sein.“ Eine Kennzeichnung ganz unten auf der gefälschten Webseite – wie bei der Nutzung von www.tinyur1.co der Fall – hält Dirks nicht für ausreichend: „Man weiß nie, ob der Leser ganz nach unten scrollt.“

Werden durch eine gefälschte Internetseite der Ruf eines Unternehmens, einer Marke oder einer Person geschädigt, höre der Spaß auf. Dann gebe es möglicherweise einen Anspruch auf Unterlassung oder gar die strafrechtliche Verfolgung wegen übler Nachrede. „Niemand muss sich Zitate unterschieben lassen“, sagt Dirks. Dennoch: „Satire darf ein bisschen mehr.“ Bei Meldungen im Namen von „Der Postillon“ oder der Zeitschrift „Titanic“ sei die Lage klar: Der durchschnittlich informierte Nutzer wisse, dass es sich um Satire handelt, sagt Dirks: „Wo ,Titanic’ draufsteht, ist Quatsch drin.“

Und auch wenn die gefälschte Seite nur an einen einzigen Facebook-Freund in einer persönlichen Nachricht geschickt wurde – der Link ist irgendwo im Netz vorhanden und ihr Macher in der Verantwortung. „Man weiß nicht, welche Wege der Link nimmt.“ Wurde die via Tinyur1.co gefälschte Webseite drei Tage nicht bearbeitet, geht sie automatisch offline, heißt es in der Erklärung des Internetdienstes – eine gefälschte Meldung, die nicht als solche erkennbar wurde, bleibt weiter in den Köpfen der Menschen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen