Computerspiele : Vom Gameboy zum Tablet

Der Trend zu Tablets und Smartphones wird für die klassischen Konsolen langsam gefährlich.
Der Trend zu Tablets und Smartphones wird für die klassischen Konsolen langsam gefährlich.

Heute hat fast jeder ein Smartphone in der Tasche – und damit theoretisch eine ganze Konsole mit unzähligen Spielen.

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08. Juli 2014, 06:00 Uhr

Berlin |  Am Anfang stand der Game Boy. Tragbare Videospiele gab es zwar schon vorher – der graue Kasten von Nintendo, der 1990 in Deutschland auf den Markt kam, gilt aber als Vorreiter des modernen Handhelds. Ein Schwarz-Weiß-Display mit vier Graustufen, ein für damalige Verhältnisse erstaunlich geringer Batterieverbrauch, wechselbare Spielmodule und das mitgelieferte „Tetris“ waren der Schlüssel zum Erfolg. Nachahmer und Nachfolger gab es genug. Das Ergebnis: Heute wird mehr denn je unterwegs gespielt.

Doch das Bild in den Bussen und Zügen hat sich geändert: Seit Nokia seine Handys in den 90er Jahren mit dem Klassiker „Snake“ ausstattete, sind auch Mobiltelefone zum Spielzeug geworden. Und spätestens mit dem Siegeszug der Tablets ist das sogenannte Mobile Gaming in alle Gesellschaftsschichten vorgedrungen: Nach einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom nutzen 56 Prozent der Tablet-Nutzer die flachen Computer auch für Spiele.

Ein Grund dafür sind vor allem die Gelegenheitsspiele oder Casual Games, die auf Smartphones und Tablets dominieren. Spiele wie „Angry Birds“, „Candy Crush Saga“ oder „Quizduell“ sind schnell zu verstehen und machen Spaß, ohne vom Spieler zu viel zu verlangen – so wie damals „Tetris“. Unter passionierten Konsolenspielern stehen Smartphones und Tablets deshalb allerdings auch in dem Ruf, kein vollwertiges Spielerlebnis zu bieten. Das liegt vor allem daran, dass die Casual Games zum Beispiel für die Wartezeit beim Arzt oder für die Bahnfahrt zur Arbeit entwickelt werden, erklärt Maximilian Schenk. „Entsprechende Spiele müssen den schnellen Ein- und Ausstieg ermöglichen“, erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). „Epische Geschichten zu erzählen fällt dabei vergleichsweise schwer.“  Mutige Hersteller versuchen es trotzdem: „Mittlerweile veröffentlichen immer mehr Entwickler komplexere und zeitaufwendigere Spiele für mobile Plattformen, die sich häufig auch preislich von einfachen Gelegenheitsspielen unterscheiden“, sagt Schenk. Dazu gehören sogar Umsetzungen großer Konsolenspiele – etwa eine mobile Version von „Grand Theft Auto: San Andreas“ oder des Strategiespiels „XCOM: Enemy Unknown“.

Das aktuellste Modell des japanischen Herstellers Nintendo ist der 3DS mit seinen zwei Displays. Sony versucht seit 2004, mit der Vita und dem Vorgänger PSP das Spielgefühl der Playstation am Fernseher auch unterwegs zu vermitteln. Beide Konkurrenten müssen zusehen, wie Smartphones und Tablets ihnen langsam die Kunden abspenstig machen: Wurden in Deutschland 2011 nach Angaben des BIU noch 212 Millionen Euro mit Handhelds und deren Spielen umgesetzt, waren es im vergangenen Jahr nur noch 176 Millionen. Im selben Zeitraum stieg der Umsatz bei Smartphone- und Tablet-Games von 28 auf 39 Millionen. Beim Marktanteil haben die günstigeren Apps die Handheld-Spiele schon lange überholt. Lagen sie 2009 mit jeweils 16 Prozent Marktanteil noch gleichauf, lagen die Handheld-Spiele 2013 nur noch bei neun Prozent, die Apps hingegen bei 23 Prozent.

Das Ende der Handhelds sieht Maximilian Schenk aber nicht: „Smartphones und Tablets verdrängen mobile Spielkonsolen nicht“, so der BIU-Geschäftsführer. „Das liegt nicht zuletzt daran, dass Handheld-Konsolen auf Videospiele spezialisiert sind, von den Prozessoren bis hin zu den vielfältigen Steuerungsmöglichkeiten.“ So lässt sich nicht jedes Spiel per Touchscreen so gut steuern wie mit einem Steuerkreuz und  Tasten.

Maic Masuch sieht für die Zukunft von Vita und Co. dagegen schwarz: „Der Trend zu Smartphones und Tablets wird den klassischen Konsolen irgendwann den Saft abdrehen“, sagt der Professor, der die Arbeitsgruppe Entertainment Computing an der Universität Duisburg-Essen leitet. „Das Spielerlebnis auf Handhelds ist immer weniger einzigartig. Und dann ist noch der Preis ein entscheidender Faktor.“ Im Laden kosten neue Vita- und 3DS-Spiele meistens um die 40 Euro, Downloadspiele gibt es für 5 bis 15 Euro. Auf Smartphone und Tablet sind die meisten Titel für wenige Euro zu haben, für Free-to-Play-Spiele zahlt man zunächst gar nichts.

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