Verkehr : Unfallursache Smartphone

Nebenbei E-Mails oder Whatsapp-Nachrichten checken – das Smartphone kann für gefährliche Ablenkung vom Straßenverkehr sorgen.
Nebenbei E-Mails oder Whatsapp-Nachrichten checken – das Smartphone kann für gefährliche Ablenkung vom Straßenverkehr sorgen.

Mails lesen, Nachrichten schreiben: Das lässt sich mit Smartphones auch im Gehen machen. Doch abgelenkte Fußgänger laufen Gefahr, sowohl Verursacher als auch Opfer von Verkehrsunfällen zu werden.

shz.de von
27. Januar 2015, 07:45 Uhr

Abgelenkt vom Smartphone – diese Unfallursache findet sich immer wieder in Polizeiberichten. Dabei geht es längst nicht mehr nur um telefonierende Autofahrer, sondern auch um Fußgänger. „Die Leute werden unaufmerksamer“, sagt Petra Reetz. Sie ist Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), deren konzernweit 6500 Fahrer die Hauptstadt mit U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen versorgen. Abgelenkte Fußgänger, die noch knapp vor der heranquietschenden Tram über die Gleise laufen, sind für die Fahrer nicht neu. 1979 kam der erste Walkman auf den Markt, seither sind viele Fußgänger mit Musik auf den Ohren unterwegs. Die BVG machte schon vor Jahren mit der Kampagne „Achte auf deine Linie!“ auf Gefahren aufmerksam.

Als Problem ist jetzt hinzugekommen, dass manche Smartphone-Nutzer auch mit den Augen nicht mehr auf den Verkehr achten. Stattdessen rufen sie im Gehen E-Mails ab oder schreiben Whatsapp-Nachrichten. Das hat auch der Auto Club Europa (ACE) beobachtet. Im Sommer 2013 analysierten ehrenamtliche Helfer das Verhalten von insgesamt etwa 30.000 Kraftfahrern, gut 36.000 Fußgängern und mehr als 13.000 Radfahrern an Zebrastreifen. Fehler machten dort alle drei Gruppen, auch die Fußgänger: „Im Mittel mehr als 13 Prozent der Erwachsenen schalten am Zebrastreifen offenkundig gedanklich völlig ab und schlendern oder hasten über die Straße, ohne vorher nach links und rechts geschaut zu haben“, bilanzierte der ACE damals. „Dabei sind sie häufig mit ihrem Smartphone beschäftigt.“

Die Polizei führt keine Statistiken darüber, wie oft Smartphones bei Unfällen eine Rolle spielen. Aus dem Polizeipräsidium Stuttgart heißt es aber: „Vermutlich haben diese Unfälle zugenommen, alleine schon aufgrund der ansteigenden Verbreitung der Geräte (...).“ Die Vermutung liege zwar nahe, sagt Lothar Gahrmann, Sprecher der Landespolzei Schleswig-Holstein. „Man braucht ja nur mit offenen Augen durch den Straßenverkehr fahren.“ Ob die Smartphonenutzung aber ursächlich für einen Unfall ist, sei meist schwer nachzuvollziehen: „Wenn die Polizei am Unfallort ist, ist das Smartphone schon wieder in der Tasche.“

Für Autofahrer werden ein 60-Euro-Bußgeld und ein Punkt in Flensburg fällig, wenn sie mit dem Handy am Steuer erwischt werden. Wer als Radfahrer telefoniert, muss 25 Euro zahlen. Für Fußgänger gibt es solche Strafen nicht, der Gesetzgeber sieht sie trotzdem in der Pflicht. Der Sprecher des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, Sven Rademacher, verweist auf die Straßenverkehrsordnung. Paragraf 1 lautet unter anderem: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Rechtliche oder auch versicherungstechnische Konsequenzen seien nicht ausgeschlossen, sofern Fußgängern eine Teilschuld nachgewiesen werde, erklärt Rademacher. „Gefühlte Unterforderung“ – das ist für den ADAC-Verkehrspsychologen Ulrich Chiellino ein Grund dafür, dass sich manche Fußgänger mit dem Smartphone ablenken. Eine Strecke von A nach B zu laufen, sei eben nicht immer aufregend.

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