GWE Wirtschaftsinformations-GmbH : Teurer Internet-Eintrag durch Kleingedrucktes

Die Homepage der GEW ist ein Sammelsurium verschiedener Verzeichnisse. Screenshot
Die Homepage der GEW ist ein Sammelsurium verschiedener Verzeichnisse. Screenshot

Stormarner Firmen, Geschäftsleute und Vereine fielen auf scheinbar offizielles Schreiben rein. Seit Monaten werden die ominösen Briefe deutschlandweit verschickt.

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14. Juli 2011, 10:09 Uhr

Bad Oldesloe | Die Schreiben der GWE Wirtschaftsinformationsgesellschaft mbH sahen amtlich aus. "Gewerbeauskunft-Zentrale" steht in der Überschrift, es gibt den auf Behörden-Briefen obligatorischen Strichcode: Mehr als 100 Stormarner Unternehmer und Firmen, Landwirte, Vereine, und Organisationen wie DRK und Awo sowie die Stadt Bad Oldesloe sind darauf reingefallen.
"Ich habe kurz vor meinem Urlaub zwei Zeilen ausgefüllt und per Post geschickt. Das Kleingedruckte habe ich schlichtweg übersehen", sagt Hans-Jürgen Lenz, Vorsitzender des Brunsbeker Sportvereins. Erst als im Juni eine Rechnung über 574 Euro ins Haus flatterte, "fiel mir auf, worauf ich reingefallen war".
Versteckten Preishinweis übersehen
So ging es auch vielen anderen. Gaststätten, Firmen, Geschäfte, Praxen, Apotheken, Taxibetriebe, Landwirte, Ingenieur-Büros, Rechtsanwälte, Kitas, das DRK und die Awo, sogar eine Kirchengemeinde, das Forschungszentrum Borstel und die Stadt Bad Oldesloe finden sich in den Internet-Einträgen. Sie alle haben vermutlich den klein gedruckten und versteckten Preishinweis in dem scheinbar amtlichen Schreiben übersehen, in dem um eine Aktualisierung der Firmendaten gebeten wurde.
"Die Adressaten werden in mehrfacher Hinsicht in die Irre geführt. Schon die Überschrift Gewerbeauskunft-Zentrale-Erfassung gewerblicher Einträge erweckt den Eindruck, es handele sich um eine im öffentlichen Interesse tätige Stelle", so IHK-Sprecher Michael Legband.
Vertrag über zwei Jahre
Wer unterschrieb, ging einen Vertrag über zwei Jahre ein, in denen Anschrift, Telefon- und Faxnummer, E-Mail- und Internetadresse im Register aufgeführt werden - mit Kosten von monatlich 39,85 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Rechnung kam meistens erst, wenn die 14-tägige Widerrufsfrist abgelaufen war. Wer es, wie Lenz, trotzdem anfechtete, erhielt darauf keine Antwort, sondern eine "letzte Mahnung" oder eine "letzte außergerichtliche Aufforderung zur Zahlung".
Die Firma führt dabei oft ein Urteil des Amtsgerichts Köln an, das Landgericht Düsseldorf hat jedoch auf Antrag des Deutschen Schutzverbands gegen Wirtschaftskriminalität anders entschieden (AZ 38 O 148/0). "Die Formulare der Gewerbeauskunftszentrale sind nach Auffassung der Kammer für Handelssachen insgesamt als unlautere geschäftliche Handlungen anzusehen", sagt Michael Legband.
"Auf keinen Fall zahlen"
Von der Androhung gerichtlicher Schritte sollte man sich nicht beeindrucken lassen und auch nicht auf das "Angebot" eines Preisnachlasses eingehen. "Wir raten jedem, der irrtümlich einen derartigen Vertrag unterschrieben hat, diesen wegen arglistiger Täuschung anzufechten und auf keinen Fall zu zahlen", sagt Joseph Scharfenberger, Leiter Recht und Fair Play bei der IHK zu Lübeck.
Meistens gibt GWE auf, wenn tatsächlich ein Mahnbescheid vom Gericht kommt: "Auf dem rosa Zettel ein Kreuzchen bei Widerspruch gegen die Forderung insgesamt machen, unterschreiben und innerhalb der Frist an das Gericht faxen und per Post hinterher senden", so der Berliner Rechtsanwalt Thomas Meier auf seiner Internet-Seite zu GWE.
Die Gesellschaft ist Anwälten in ganz Deutschland bekannt. Eine Online-Suche nach GWE führt zu einer Vielzahl von Kanzlei-Seiten, die Erfahrung im Umgang mit diesem Unternehmen haben.
(rob, shz)

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