Insurance Telematics : Telefónica startet Datensammlung im Auto

Beispiel einer aufgezeichneten Autofahrt in Großbritannien: Eine App im Betatest. Foto: Telefónica
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Beispiel einer aufgezeichneten Autofahrt in Großbritannien: Eine App im Betatest. Foto: Telefónica

Wie oft bremst ein Autofahrer? Fährt er häufig zu schnell? Das interessiert Versicherer. Der Mobilfunkanbieter Telefónica (O2) will die Daten sammeln.

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18. April 2013, 09:42 Uhr

München/Kiel/Itzehoe | "Pay as you drive" - zahle für die Art, auf die du Auto fährst. Statt nach Faktoren wie Fahrzeugtyp, Region oder Garagenstellplatz zu fragen, könnten Kfz-Versicherer bald Tarife je nach Fahrweise ihrer Kunden anbieten. Der spanische Mobilfunkanbieter Telefónica hat nun auch für Deutschland die Einführung seiner Technik Insurance Telematics bekannt gegeben. Ein Gerät von der Größe einer Zigarettenschachtel zeichnet Daten zum Fahrverhalten auf und sendet sie über das Mobilfunknetz an einen Server von Telefónica. Weil zwei Maschinen miteinander kommunizieren, heißt das Prinzip "Machine-to-Machine" (M2M). Auf dem Server werden die Aufzeichnungen in ein Punktesystem umgerechnet. Die Punkte erhält der Versicherer und kann anhand dieser Informationen seinen Tarif an den Fahrer anpassen.

In Spanien ist das Projekt am 6. Februar mit dem Versicherungskonzern Generali gestartet. In Deutschland stehe Telefónica noch in Gesprächen mit großen Kfz-Versicherern sagt Pressesprecher Markus Göbel, ohne Namen zu nennen. "Das machen wir erst, wenn ein Versicherer die Technik einsetzt." Für die Provinzial Nord in Kiel ist Telematik bislang kein Thema, heißt es auf Anfrage. Die Itzehoer Versicherungen befassen sich zwar damit, haben aber noch keine konkreten Tarife, sagt Pressesprecher Rainer Lemke.

Datenschützer warnt vor "gläsernem Autofahrer"

Während Deutschlands Beauftragter für den Datenschutz, Peter Schaar, die Datenerfassung kritisiert, sieht Telefónica-Sprecher Göbel vor allem Vorteile in der Technik: "Britische und amerikanische Versicherungsunternehmen stellten bereits fest, dass mit solchen Telematik-Systemen der Schadenaufwand um bis zu 30 Prozent sinken kann." Das führe vor allem für junge Fahrer, die verantwortungsbewusst unterwegs sind, zu wesentlich niedrigeren Kosten.

Schaar hingegen warnt vor der Möglichkeit, den Autofahrer "gläsern" werden zu lassen. "Mit diesen Daten könnten zurückgelegte Strecken, die gefahrene Geschwindigkeit oder ein Fehlverhalten des Fahrers lückenlos rekonstruiert werden", kritisiert er. Göbel entgegnet, dass die Versicherer nur die Punkte als Information über ihre Kunden erhalten - sonst nichts. Es gehe keinesfalls darum, Autofahrer auszuspionieren.

Weil die Daten aber gespeichert werden und der Fahrzeughalter über ein Online-Portal und eine App sogar darauf zugreifen kann, wäre es für ihn leicht, "andere Fahrer zu kontrollieren und die zurückgelegten Strecken genau zu rekonstruieren", mahnt Schaar. Auch Arbeitgeber könnten so ihre Außendienstmitarbeiter heimlich überwachen. Telefónica-Sprecher Göbel macht keinen Hehl daraus, dass es technisch ein Leichtes wäre, einen Login für jeden Fahrer zu installieren. Markus Haas, Strategie-Vorstand von Telefónica Deutschland, wertet aber gerade das als Vorteil für Unternehmen, "weil M2M große Kosteneinsparungen und neue Dienste wie digitale Fahrtenbücher ermöglicht". Aber: "Mit den Datenmengen nimmt auch das Missbrauchsrisiko zu", warnt Schaar.

Technik-Anbieter setzt auf Verschlüsselung

Telefónica will die Bedenken zerstreuen. In der Pressemitteilung des Unternehmens heißt es: "Das Hauptaugenmerk wird auf die sichere Übertragung und Speicherung der Daten gelegt. Fahrinformationen werden verschlüsselt und getrennt von den Systemen des Versicherers verarbeitet. Der Versicherer bekommt die Gesamtwerte in Form eines Punktestands übertragen, in den Faktoren wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, Bremsverhalten oder Nachtfahrten eingehen. Dieser Punktestand wird dann dazu genutzt, die monatliche Versicherungsprämie zu ermitteln, ohne die einzelnen Fahr- oder Ortsdaten einzusehen."

Selbst wenn ein Versicherer die Technik einführt, wäre eine Teilnahme an dem Projekt für Autofahrer freiwillig. Schaar sieht aber die Gefahr eines "ökonomischen Zwangs", wenn sich die Aufzeichnung des Fahrverhaltens in den Versicherungsprämien positiv auswirkt. "Hier sollte der Gesetzgeber einen Riegel vorschieben", fordert der Datenschützer.

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