Online-Wetten : Studie über Fußball-Tippspiele: Männer wollen sich messen

Die sympathieorientierte Tippstrategie ist unter dem Strich die erfolgloseste.  
Die sympathieorientierte Tippstrategie ist unter dem Strich die erfolgloseste.  

Wer siegt wie hoch? Das Tippen von Fußballergebnissen fasziniert - gerade bei Welt- und Europameisterschaften oder zum Start der Bundesliga-Saison. Mainzer Publizisten haben sich angeschaut, warum das so ist. Gelernt haben sie auch was über männliche Eigenarten.

shz.de von
25. August 2018, 17:20 Uhr

Wenn an diesem Wochenende in der Fußball-Bundesliga wieder der Ball rollt, starten auch zahlreiche Tipprunden im Land.

Wissenschaftler der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität haben sich angeschaut, warum viele Menschen gerne tippen, wie sie Informationen sammeln, welche Strategien sie verfolgen und was zum Erfolg führt.

«Wir hatten die Beobachtung gemacht, dass Tippspiele immer beliebter werden», erzählt Studienleiter Michael Sülflow vom Institut für Publizistik der Mainzer Uni. So sei die Idee für die Untersuchung entstanden. Das deckt sich auch mit Erkenntnissen einer repräsentativen Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom aus diesem Jahr. Demnach wollte vor der WM in diesem Sommer fast jeder vierte Internetnutzer sein Glück bei Online-Tippspielen oder Online-Wetten versuchen, bei der vorangegangenen EM 2016 waren es laut Bitkom erst 18 Prozent. Besonders beliebt waren Tipprunden unter Freunden oder Kollegen auf Portalen wie www.kicktipp.de.

Genau auf dem Portal richtete das Team um Sülflow zur EM 2016 und nun zur WM 2018 eine Tipprunde ein. Daran nahmen jeweils rund 300 Menschen teil, etwa 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen. Das entspreche in etwa der üblichen Geschlechterverteilung bei solchen Runden, erklärte Sülflow. Vor, während und nach der Tipprunde wurden die Teilnehmer online befragt, unter anderem zu ihrer Mediennutzung, Motivation und Strategie.

Letztlich deckten sich die Erkenntnisse von der EM in Frankreich mit denen der WM in Russland. Die Motive für eine Teilnahme seien vor allem der Spaß am Tippen gewesen und die Lust, ein gemeinsames Gesprächsthema mit Freunden und Bekannten zu haben. «Vor allem Männer machen sehr viel stärker auch deswegen mit, weil sie sich messen wollen», sagt Sülflow. Männer seien wettbewerbsorientierter.

Interessant sei gewesen, dass die Tipper fußballbezogene Medieninhalte während der Turniere deutlich häufiger nutzten. Bei denjenigen, die sich sonst gar nicht so für Fußball interessierten, habe sich diese Mediennutzung gar verdreifacht, sagte Sülflow. Und das habe auch Einfluss auf den Tipperfolg. «Wer sich mehr informiert über Fußball, schneidet auch besser ab.»

Bei der EM hätten Fußballexperten unter den Tippern besser exakte Ergebnisse vorhergesagt, bei der WM zumindest die Tendenz eines Spiels, ob es also für ein Team einen Sieg, eine Niederlage oder ein Unentschieden gibt. «Laien sind aber nicht chancenlos», betonte Sülflow. Sie vertrauten eher mal auf das Bauchgefühl, während Experten ihre Fülle an Informationen auch mal falsch gewichteten.

Letztlich hätten sich drei Tippstrategien gezeigt. Da sei die expertiseorientierte Strategie, die auf Infos etwa aus Medien und auf vergangene Ergebnisse setze. Zudem gebe es eine eher datenorientierte Strategie, die auf Wettquoten und auf eher wahrscheinliche Ergebnisse wie ein 1:1 oder ein 2:1 setze. Als drittes existiere noch eine sympathieorientierte Strategie, die aber unter dem Strich die erfolgloseste sei. Dabei würden Dinge wie das Aussehen von Spielern oder Eigenschaften der Länder abseits des Fußballs berücksichtigt.

Zu empfehlen sei, sich viel in Medien zu informieren, möglichst viele Spiele zu schauen, und sich an Wettquoten zu orientieren, sagte Sülflow. Gewonnen hat bei der WM-Tipprunde für die Untersuchung am Ende ein Mann. Platz zwei sei an eine Frau gegangen, sagte Sülflow. «Es war ein ganz enges Rennen.»

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