Dreyklufts Netzwelt : So ergoogeln Sie Googles Heuchelei

Google-Chef Schmidt behauptet, nirgendwo seien Daten so sicher wie bei seinem Unternehmen. Das ist natürlich Unsinn, meint unser Kolumnist.

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27. Januar 2015, 16:58 Uhr

Es ist schon blöd für Google, wenn ein Funken Erinnerung reicht, und man kann sich alles Mögliche ergoogeln. Google sorgt dafür, dass das Netz nicht vergisst – auch in eigener Sache.

So erinnerte ich mich aus aktuellem Anlass, dass Google-Chef Eric Schmidt sich letztes Jahr über die Sicherheit von Daten im eigenen Netzwerk geäußert hatte.

Ergebnis einer kleinen Google-Recherche: Anfang März 2014 behauptete Schmidt, die Nutzerdaten seien von Google inzwischen so stark verschlüsselt, dass Überwachungsdienste keine Chance mehr haben. „Wir sind uns jetzt ziemlich sicher, dass Informationen von Google sicher vor Herumschnüfflern sind, auch vor der US-Regierung“, zitierte der Branchendienst curved.de den Google-Chef am 8. März vergangenen Jahres.

Im Oktober giftete er gegen Apple-Chef Tim Cook, der Google mangelhaften Schutz von Privatsphäre und Sicherheit unterstellt hatte: „Unsere Systeme sind viel sicherer als die von Apple.“ Auch Julian Assange von Wikileaks griff er an, der behauptet hatte, Google sei „eine privatisierte NSA“. Schmidt: „Erstens verfügt Google nicht über ein von der US-Regierung finanziertes Geschäftsmodell. Und zweitens arbeitet die NSA in keiner Weise mit Google.“ (zitiert laut zdnet.de vom 3. Oktober 2014)

Am Montag nun die Meldung: Google gab 2012 Zehntausende E-Mails von Wikileaks-Mitarbeitern an US-Behörden weiter und ließ sich verpflichten, die Betroffenen darüber nicht einmal zu informieren. In ähnlichem Fall hatte Twitter per Gericht erreicht, Betroffene informieren zu dürfen, berichtet die „FAZ“. Google tat dies offenbar nicht.

Es ist doch wunderbar, wie einfach es per Google ist, den Google-Chef einer Heuchelei zu überführen. Danke dafür, Eric Schmidt.

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