Gefährliches Halbwissen : Smartphone-Mythen auf dem Prüfstand

Smartphones werden mit der Zeit langsamer – und das, wo es keine Viren gibt. Vorsicht: Nicht jedes Gerücht ist wahr.
Smartphones werden mit der Zeit langsamer – und das, wo es keine Viren gibt. Vorsicht: Nicht jedes Gerücht ist wahr.

Vor Viren auf dem Smartphone muss niemand Angst haben? Von wegen. Nicht alles, was man über die Geräte hört, stimmt auch.

shz.de von
21. Juli 2015, 03:00 Uhr

Übers Smartphone kursiert viel Halbwissen. Viele der falschen, aber weit verbreiteten Annahmen stammen noch aus der Frühzeit des Mobiltelefons. Andere haben nie gestimmt. Fünf Mythen im Überblick:

1 Eine 500-Megabyte-Flatrate reicht eigentlich immer: Stimmt nicht mehr. In Zeiten lückenhafter UMTS-Netze und kaum vorhandener Multimedia-Angebote für Mobilgeräte war das noch richtig. Doch wer Musik streamt, häuft schnell riesige Datenmengen an. „Da sind Sie dann ganz schnell im Gigabyte-Bereich“, sagt Falko Hansen vom Telekommunikationsportal „Teltarif.de“. Umgekehrt reicht bei zurückhaltender Nutzung mit etwas Surfen und Mailen aber vielleicht auch eine kleinere Flatrate.

2Für Smartphones gibt es keine Viren: Stimmt nicht. „Inzwischen sind die Ersteller von Schadsoftware auf Smartphones sogar aktiver als auf Desktop-Computern“, warnt Prof. Eric Bodden von der Technischen Universität Darmstadt. Betroffen sei wegen der großen Verbreitung vor allem Android, Schädlinge gibt es aber auch für andere Systeme. Schützen können sich Nutzer mit Virenscannern und gesundem Menschenverstand: „Die Hauptquelle für Smartphone-Viren sind unoffizielle App-Stores“, so Bodden. Am besten laden Nutzer neue Anwendungen daher nur von den offiziellen Plattformen herunter.

3Gute Apps gibt es nur für Android und iOS: Stimmt nicht. Die beiden Marktführer unter den mobilen Betriebssystemen haben nicht unbedingt bessere Apps – nur mehr. Wer auf die breite Masse verzichten kann, hat unter den Exoten aber zumindest eine sinnvolle Alternative: „Die grundlegenden Apps für den Alltag gibt es auch bei Windows Phone“, sagt Monika Klein. „App-Junkies, die die breite Auswahl brauchen, stoßen da aber schnell an ihre Grenzen.“

4Smartphones werden mit der Zeit immer langsamer: Stimmt nicht unbedingt. „Da ist auch viel Psychologie dabei“, sagt Falko Hansen. „Ein neues Smartphone ist ja immer meistens schneller als das alte, da gibt es dann einen ,Wow-Effekt’.“ Und der verschwinde mit der Zeit, so der Experte. Klappt dann später etwas nicht sofort, nervt das. Immer neue Apps und Daten können ein Smartphone mit der Zeit aber tatsächlich etwas ausbremsen. Abhilfe schaffen Aufräum-Apps oder, noch besser, das Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen.

5Was ich nicht in die Cloud lade, bleibt sicher auf dem Handy: Stimmt nicht. Bei vielen Apps ist auch für Experten kaum erkennbar, was die Programme im Hintergrund auf einem Server speichern. Für Nutzer ist das einerseits komfortabel, weil ihre Informationen so synchron auf mehreren Geräten zur Verfügung stehen. Andererseits ist es eine Sicherheitslücke: „Wir haben festgestellt, dass die Daten in der Cloud oft nur schlecht geschützt sind“, warnt Prof. Bodden. Schützen können sich Nutzer kaum – hier hilft nur genaues Hinsehen, gerade bei den App-Berechtigungen.

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