Sichere Bank im Internet

patrick breyer-dpa

shz.de von
27. Januar 2018, 16:26 Uhr

Eine hundertprozentige Sicherheit vor findigen Kriminellen gibt es nicht, beim Online-Banking ebenso wenig wie am Geldautomaten oder beim guten alten Überweisungsformular. Trotzdem sollen die Tan-Nummernlisten auf Papier jetzt abgeschafft werden, weil es Straftätern mitunter gelingt, sich in das Online-Banking einzuhacken.

Stattdessen sollen wir Tans per Smartphone generieren, ein Extra-Gerät kaufen oder sogar unsere Körpermerkmale wie zum Beispiel den Fingerabdruck abgleichen lassen. Ob diese Verfahren sicherer sind, bezweifele ich.
SMS-Tan-Verfahren wurden bereits mehrfach gehackt, Tan-Apps sind angreifbar und selbst Fingerabdrücke lassen sich leicht kopieren.

Sicher ist nur, dass das technische Wettrüsten der Banken zu Lasten der Nutzbarkeit geht und immer mehr Kunden ausschließt: Wer zum Beispiel kein Smartphone oder im Urlaub keinen Handyempfang hat, sitzt auf dem Trockenen. Geplante „Betrugserkennungsverfahren“ der Banken können bei Abweichungen von der Normalnutzung unvermittelt den Zugang kappen – beispielsweise im Urlaub, wenn wir gerade dringend Geld brauchen. Wer zugunsten vermeintlicher Sicherheit Freiheiten aufgibt, droht beides zu verlieren, warnte schon Abraham Lincoln.

Wir Nutzer können uns sicher fühlen beim Online-Banking. Dass wir Opfer eines Betrugs werden, ist unwahrscheinlich. Und wenn es doch passiert, ist die Bank gesetzlich zur Erstattung verpflichtet (grobes Eigenverschulden des Verbrauchers ausgenommen). Wie bei einer Versicherung werden Schäden von allen getragen. Das Online-Banking-Wettrüsten dient in erster Linie nicht unserem Schutz, sondern dem Schutz der Bankenkassen. Was uns tatsächlich besser schützen würde, wäre, kommerzielle Geräte- und Softwarehersteller für unsichere IT-Produkte in die Haftung zu nehmen.

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