Fligges Netzwelt : Screenreader – Wie ich lernte, blind zu lesen

Eine Frage der Software: Mit einem sogenannten Screenreader können sich Blinde und Sehbehinderte den Bildschirminhalt ihres Smartphones vorlesen lassen.
Eine Frage der Software: Mit einem sogenannten Screenreader können sich Blinde und Sehbehinderte den Bildschirminhalt ihres Smartphones vorlesen lassen.

Smartphones erleichtern es Menschen mit Sehbehinderung, das Internet zu nutzen. Dafür müssen alle mitmachen.

shz.de von
30. März 2017, 10:49 Uhr

Herrgott, bitte lass es einfach nur geschicktes Stadtmarketing sein! Anfang der Woche sorgte die niederländische Stadt Bodegraven für Schlagzeilen, weil der Ort LED-Leuchtstreifen für Ampeln installierte. Hintergrund: Wir schauen alle nur noch auf unsere Smartphones und bringen uns damit im Straßenverkehr in Gefahr. Was sollen dazu eigentlich Menschen sagen, die sich tatsächlich mit einer Sehbehinderung durch den Alltag schlagen?

In den vergangenen Wochen habe ich versucht, mich zumindest im Internet in ihre Lage zu versetzen. Surfen, das können auch blinde Menschen. Möglich machen das sogenannte Screenreader – Vorlese-Anwendungen von zum Beispiel Smartphones. Mein iPhone bietet dafür das mitgelieferte „VoiceOver“. Über die Einstellungen lässt sich das Vorlesen von Bildschirminhalten und Texten aktivieren. Allerdings: Schon ohne Sehbehinderung ist der Einstieg nicht leicht. Gilt es doch ein ganze Menge Gesten-Kombinationen zu erlernen, mit denen zum Beispiel über den Bildschirm gescrollt wird. Hat man den Dreh raus, funktioniert das aber erstaunlich gut. Ich kann mir jetzt die Tageszeitung vorlesen lassen, ohne dabei auf das Display gucken zu müssen. So würde ich sogar sicher über die Straße kommen!

Am Ende bleibt ein zwiespältiges Fazit: Die Technik kann einen großen Beitrag für Barrierefreiheit leisten. Nur müssen dann alle mitmachen. Viele Internetseiten sind nicht optimal für Screenreader programmiert. Teilweise liest das Programm minutenlang Werbung und Social-Media-Elemente vor. Das geht noch besser!

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