Christiansens Netzwelt : Schwere Zeiten für Selfie-Fans

Das Knipsen mit Selfie-Sticks hat viele Freunde – Museen und Freizeitparks gehören nicht dazu.

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30. Juni 2015, 10:00 Uhr

„Uff.. noch ein Selfie?“ – so ungefähr fällt meine Reaktion auf die Art der Knipserei stets aus, bei der man auf dem Bild oft unpassend viel von seinem eigenen Gesicht (nach dem fünften Versuch mit inzwischen eingefrorenem Lächeln), aber meist traurig wenig vom Hintergrund sieht. Und dann kamen die Selfie-Sticks…

Die Stange, an deren einem Ende Actioncam, Smartphone oder sonstige Kamera und an dem anderen Ende der narzisstisch angehauchte Tourist befestigt ist – bereit zum Selbstporträt vor ausgefallener Kulisse –, war noch nie wirklich cool. Mit den Foto-Ergebnissen aber konnten sich hippe Weltenbummler gut im Netz oder bei – Achtung: altmodisch – Urlaubsbilder-Zeige-Abenden mit Freunden und Familie profilieren. Fürs Protokoll: Ich muss zugeben, mich immer sehr über die Aufnahmen gefreut zu haben, die nette Reisegefährten unter einem Link zur Cloud zur Verfügung stellten.

Für mich als Selfie-Muffel hat sich das Blatt – trotz besserer Ergebnisse – damit aber nicht pauschal gewandelt. Auch dann nicht, wenn ich selbst mich nicht mit anderen vor der Kamera versammeln muss. Ich finde andere Gründe, um mich an dieser Praxis des Fotografierens zu stören.

So häufen sich die Situationen, in denen man der Stange des Anwender-Typs „Schwenker“ ausweichen muss, der in seinem Eifer, von sich und seinem Umfeld eine 360-Grad-Aufnahme zu machen, nicht den Wendekreis seiner Armverlängerung im Blick hat.

Während im EU-Parlament aktuell über ein Kollidieren der Panoramafreiheit (sie erlaubt das Abbilden öffentlicher Bauwerke wie dem Eiffelturm) mit dem Urheberrecht diskutiert und möglicherweise Touristen bald der Spaß vermiest wird, haben Museen nichts gegen die Fotos an sich. Weil mit dem Stick aber auch Wachpersonal oder Kunstwerke umgeholzt werden können, haben einige Museen – darunter der Louvre in Paris oder das Moma in New York – bereits ein Verbot gegen die Helferlein ausgesprochen. Jetzt zieht auch Disney nach: In seinen Freizeitparks in den USA darf sich ab sofort nach einem Bericht des „Guardian“ niemand mehr mit dem Kamerastock erwischen lassen, ab dem 1. Juli auch nicht mehr in den Parks in Hongkong und Paris. Für mich nicht so schlimm. Des einen Leid... Sie kennen das Sprichwort.

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