Christiansens Netzwelt : Sag mir, wer ich bin

Der Super-Computer Watson erkennt menschliche Charakterzüge in Sekundenschnelle.

von
30. Juli 2015, 03:30 Uhr

Was ich mit der Schauspielerin Emma Watson (der ein oder andere mag sie noch als Harry Potters Freundin Hermine kennen) gemeinsam habe? Außer, dass wir uns beide um die Menschen in unserem Umfeld sorgen, nicht viel – zumindest, wenn es nach Watson (weder verwandt noch verschwägert mit der Britin) geht. Der Super-Computer des US-amerikanischen IT-Unternehmens IBM analysiert Vokabular, Satzbau und Sprachmuster und erstellt aus den charakteristischen Spracheigenschaften ein Profil des Schreiberlings, sagen die Entwickler. Dazu muss man ihn nur mit 100 Wörtern füttern.

Eine lustige Spielerei, die leider nur funktioniert, wenn man Text in englischer oder spanischer Sprache zur Analyse eingibt. Dies mag man dem Psycho-Test verzeihen, ebenso kleine Widersprüchlichkeiten (Bin ich nun abhängig oder gehe ich doch eher meinen eigenen Weg?).

Auch wenn Watson schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat – im Jahr 2011 besiegte er in der Quizshow „Jeopardy“ seinen menschlichen Gegner – kann er uns vielleicht doch nicht ganz ohne widersprüchliche Ergebnisse analysieren. Aber damit haben wir ja oft selbst genug Probleme.

Ein Rechner, der Schlüsse auf unsere Persönlichkeit zieht – ist das die Zukunft? Ja, sagt IBM. Und schlägt damit in eine ähnliche Kerbe wie Microsoft in einer Online-Werbung zu Windows 10. Mir aber macht die Vorstellung Angst, dass – wie in der Werbung als tolle Sache verkauft – unsere Kinder Geräte haben werden, die ihnen zuhören und mit ihnen sprechen. Ebenso wie Technik, die glaubt, uns zu kennen. Auch wenn die Computer-Antworten und -Analysen irgendwann noch so differenziert und ausgefeilt sein mögen – eins werden sie wohl nicht abdecken können: Einfühlungsvermögen und menschliche Wärme.

> Machen Sie den Test: http://bit.ly/1MUGtI2

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen