Ermittlungsmethoden : Raser werden auf Facebook & Co überführt

Wer ist gefahren? Statt den Fahrzeughalter selbst zu befragen, durchforsten Ordnungsbeamte auch gerne soziale Netzwerke wie Facebook. Foto: dpa
Wer ist gefahren? Statt den Fahrzeughalter selbst zu befragen, durchforsten Ordnungsbeamte auch gerne soziale Netzwerke wie Facebook. Foto: dpa

Zu schnell gefahren und geblitzt worden? Um einen Verkehrssünder zu identifizieren, nutzen Ermittler verstärkt auch soziale Netzwerke. Datenschützer rümpfen die Nase.

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12. Mai 2011, 09:39 Uhr

Facebook, Xing oder VZ - die sozialen Netzwerke haben an Beliebtheit nicht verloren. Dies freut auch manchen Ermittler. Wer mit seinem Auto zu schnell fährt, kann über Fotos aus seinem Netzwerk-Profil identifiziert werden. Ordnungsämter in Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern wenden diese Methode laut einem Fernsehbericht bereits erfolgreich an.
"Ich kann dabei keinen Vorwurf erkennen", sagt David Freichel, Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums. Schließlich seien die Daten öffentlich zugänglich. "Wenn Profile dafür gehackt werden, ist das natürlich illegal", sagt Freichel. Solche Fälle seien ihm aber nicht bekannt.
Kein Regelverfahren in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holsteins Ermittler nutzen die Methode des Gesichtsabgleichs in sozialen Netzwerken zur "Raser-Erkennung" nicht - zumindest nicht offiziell. "Es gibt kein Regelverfahren für diese Art der Identifizierung", sagt Barbara Körffer vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Kiel. Es sei jedoch möglich, dass sich das irgendwann ändert.
Wer abstreitet, zu schnell gefahren zu sein, bekommt meist Besuch vom Ordnungsamt. Zeigt das entsprechende Foto tatsächlich nicht den Fahrzeughalter als Fahrer, kann es schon das Ende der Spur für die Ermittler sein. Doch Facebook sei Dank haben Fahnder die Möglichkeit, über die Liste der Freunde den Fahrer zu finden. Die Fotos der Freunde werden gesichtet und bei entsprechender Übereinstimmung die Menschen beschuldigt. "Ein sehr fragwürdiger Vorgang, da eine Vielzahl unverdächtiger Personen betroffen ist", sagt Datenschützerin Körffer. Ministeriumssprecher Freichel entgegnet aber: "Warum sollen die Ermittler nicht mit der Zeit gehen?" Und so gibt auch Barbara Körffer zu bedenken: "Die Informationen in vielen sozialen Netzwerke sind öffentlich, wenn man sie nicht speziell schützt." Sie rät deshalb, so restriktiv wie möglich mit persönlichen Daten und Bildern umzugehen und die Einstellungen so zu setzen, dass nicht jeder alle Informationen sehen kann. Das gilt auch für die Freunde-Liste.

So machen Sie Ihre Freunde "unsichtbar"
Auf Facebook lassen sich viele Angaben auf definierte Personenkreise beschränken. So können Sie etwa selbst entscheiden, wer die Liste Ihrer Freunde sehen darf. Gehen Sie dazu oben rechts auf "Konto" und wählen dort "Privatsphäre-Einstellungen" aus. Dort auf der Seite gibt es den Bereich "Auf Facebook vernetzen". Hier klicken Sie auf den Link "Einstellungen anzeigen". Dort können Sie unter anderem bestimmen, dass Ihre Freunde-Liste nur von Freunden, nur von bestimmten Personen oder von niemandem außer Ihnen selbst angesehen werden darf.


(hamo, shz)
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