Tausende tote Trottellummen : Rätsel um Vogelsterben an der Nordsee weiter ungelöst

Trottellummen krallen sich auf dem Helgoländer Lummenfelsen in die Wand. An der niedersächsischen Nordseeküste sind wie in den Niederlanden verendete Trottellummen gefunden worden.

Trottellummen krallen sich auf dem Helgoländer Lummenfelsen in die Wand. An der niedersächsischen Nordseeküste sind wie in den Niederlanden verendete Trottellummen gefunden worden.

Ob es einen Zusammenhang mit der Havarie des Containerschiffes „MSC Zoe“ gibt, ist noch unklar.

shz.de von
16. Februar 2019, 11:11 Uhr

Norden/Utrecht | Experten in den Niederlanden und Deutschland untersuchen den Tod von zahlreichen Seevögeln an der Küste. Merkwürdig ist vor allem die unterschiedliche Zahl der Kadaver in beiden Ländern.

Die Ursache für das mysteriöse Vogelsterben an der Nordsee ist weiter unklar. In den Niederlanden haben Wissenschaftler an der Universität Utrecht mit Untersuchungen von 100 verendeten Tieren begonnen. Dabei handele es sich vorwiegend um junge und im Jagen unerfahrene Vögel, sagte Mardik Leopold von der Universität Wageningen, der die Untersuchung leitet. „Sie sind alle sehr, sehr mager.“ Möglicherweise hätten sie zu wenig Nahrung gehabt. Zur Ursache wollte sich der Biologe noch nicht äußern. Unklar ist auch, warum in den Niederlanden mehrere Tausend tote Trottellummen gefunden wurden, an der deutschen Küste dagegen deutlich weniger.

Hinweise auf einen Zusammenhang des Vogelsterbens mit der Havarie des Containerschiffes „MSC Zoe“ liegen bisher nicht vor. Der Frachter hatte im Sturm Anfang Januar mindestens 345 Container in der Nordsee verloren. Danach wurde tonnenweise Frachtgut und Plastikmüll an den Küsten angespült. Zwei Container mit Gefahrgut blieben jedoch verschwunden.

Leopold hält eine Vergiftung für eher unwahrscheinlich, da nur eine Vogelart betroffen ist. Möglicherweise waren die Tiere an einem lokalen Nahrungsmittelmangel gestorben. Der Abschlussbericht soll am 15. März vorgelegt werden.

Auf den ostfriesischen Inseln in Niedersachsen wurden zwischen Borkum bis Wangerooge bisher 77 tote Trottellummen entdeckt, hieß es beim Landesbetrieb NLWKN. „Die Zahlen in diesem Winter sind nicht besonders hoch“, sagte Imke Zwoch von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Seit Beginn des Seevögel-Monitorings 1999 habe es immer wieder Schwankungen durch natürliche Ursachen gegeben.

Die jetzigen Anzeichen deuteten auf einen Hungertod hin. 13 verendete Trottellummen werden derzeit in einem Veterinärinstitut des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg untersucht. Dabei seien der sehr schlechte Ernährungszustand, der Mangel an Fettreserven, entzündete Mägen und die eingefallene Muskulatur aufgefallen, sagte eine Sprecherin.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen